Verhalten

Wenn Katzen trauern

Auch Katzen trauern, wenn ein vertrauter Mensch oder ein Artgenosse gestorben ist. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihrer Katze über die schweren Zeiten hinweghelfen können.
 
Schwarz-weiße Katze liegt auf Bett © shutterstock / Lauren Squire
Katzen kompensieren Verlust auf unterschiedliche Arten.
Kummer hat zahlreiche Auslöser. Neben dem Ableben eines geliebten Wesens (Mensch oder Tier) kann auch ein Halterwechsel oder ein Umzug Verlustgefühle und Unsicherheit erzeugen und damit negative Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden und den emotionalen Zustand einer Katze haben. 

In verschiedenen Modellen, zum Beispiel nach Elisabeth Kübler-Ross, Doris Wolf oder Yorick Spiegel, schildert die Humanpsychologie, welche Phasen ein Mensch im Rahmen seines individuellen Trauerprozesses üblicherweise durchläuft beziehungsweise durchlaufen könnte.

Ob Katzen die einzelnen Stationen der Traurigkeit und deren Bewältigung analog uns Menschen in einer Art von Trauerprozess durchleben, ist wissenschaftlich bislang (noch) nicht dokumentiert. Nach subjektivem Eindruck vieler Katzenfreunde ist dem jedoch so.
 

Die drei Phasen der Trauer bei Katzen

 
Nicht alle Katzen reagieren mit Trauer auf eine veränderte Umwelt. Auch ist die im Folgenden vorgestellte Reihenfolge möglicher Handlungsweisen kein allgemeingültiger Ablauf. Das kätzische Verhalten gemäß Schritt 1 kann nahtlos in Schritt 3 übergehen, um anschließend unerwartet Reaktionen aus Schritt 2 zu entwickeln.

Phase 1
Nach einem anfänglichen Augenblick des Schocks folgt häufig so etwas wie das Suchen nach dem verschwundenen Gefährten, quasi das Nichtwahrhabenwollen der veränderten Lebenssituation.

Phase 2
Die mit der Veränderung einhergehenden Gefühle lebt das hinterbliebene Tier individuell je nach Charakter und zuvor gemachten Erfahrungen aus. Folgende Verhaltensweisen können beobachtet werden:
 
  • innerer Rückzug

  • Desinteresse

  • Antriebslosigkeit

  • ungenügende Nahrungsaufnahme

  • mangelnde Körperpflege

  • Schlafstörungen

  • Spielverweigerung

  • Ungeduld und Nervosität

  • gesteigerte Aggressivität

  • Unsauberkeit

  • Zerstörungswut

Das feline Immunsystem arbeitet womöglich nur vermindert, weshalb wiederkehrende Infekte auftreten oder chronische Krankheiten sich verschlechtern können.

Phase 3
Nach und nach beginnt die trauernde Katze, die veränderte Lebenssituation inklusive der Abwesenheit des geliebten Sozialpartners zu akzeptieren. Es findet eine verstärkte Kontaktaufnahme zu den verbliebenen Gefährten statt und die Katze baut neue soziale Bindungen und Beziehungen zu Mensch und Tier in ihrer Umgebung auf.
 
Bitte bedenken Sie, dass die unüberlegte Neuanschaffung eines Artgenossen als Ersatz für das verstorbene Tier eventuell mehr Probleme schafft als löst! Lassen Sie eine Zeit von etwa einem Jahr verstreichen, bis Sie einen neuen Partner hinzuholen.
 
Zwei Katzen liegen eng zusammen
Auch Katzen können untereinander enge Bindungen eingehen. ©shutterstock / Okssi
 

So helfen Sie einer trauernden Katze

Oft reagieren Katzen beim Verlust ihres Menschen noch heftiger als beim Tod eines Artgenossen. Denn meist verlieren sie zusätzlich ihre vertraute Umgebung. Sie verstehen nicht, warum sie plötzlich woanders sind, wo es nur fremde Sachen gibt und alles anders riecht.

„Übernehmen Sie das Tier eines Verstorbenen, sollten Sie daher möglichst alle Katzensachen mitnehmen und auch getragene Kleidungsstücke des Besitzers, die noch nach ihm riechen“, rät Katzenpsychologin Janine Baguhn. „Legen Sie diese auf den Schlafplatz oder unter den Futternapf. Das kann helfen, das Tier langsam zu entwöhnen.“

Mitunter kann Trauer auch erst Tage nach dem Tod des Sozialpartners eintreten. Wird zum Beispiel eine kranke Katze in der Tierarztpraxis eingeschläfert, ist das für das andere Tier nicht nachvollziehbar. „Besser wäre es, die Katze zu Hause einschläfern zu lassen oder, wenn der Tierarzt es erlaubt, die tote Katze mitzunehmen“, rät die Katzenpsychologin. „So kann es von den anderen noch mal beschnuppert werden.“ Erschrecken Sie aber nicht, wenn sie es anfauchen. Das ist normal, weil es sich nicht mehr bewegt und anders riecht.

Manchmal ist es hilfreich, die Katze zum Spielen zu animieren. Durch das Wecken des Jagdinstinktes wird sie aus der Trauer herausgeholt. Sie können auch zur Entspannung Katzenminze, Bierhefe (als Flocken extra für Katzen) oder Fischöl ins Futter geben oder ihr ein bis zwei Tropfen Baldrian ins Maul träufeln. Allerdings sollten Sie das nicht zu häufig tun, da es sonst die Wirkung verliert. Alternativ können Pheromon-Zerstäuber Wohlgefühl vermitteln.

Liebe und Verständnis und, wenn es die Katze zulässt, Streicheleinheiten scheinen die beste Medizin zu sein. „Will ein Tier keinen Körperkontakt, dürfen Sie es aber nicht gewaltsam streicheln“, rät Carola Ruff vom Tierheim Berlin. „Lassen Sie ihm die Ruhe, die es braucht. Öffnen Sie nachts die Schlafzimmertüre. Schlafgeräusche können für Katzen ein vertrautes Geräusch sein. Manche legen sich dann sogar ans Fußende.“

Lässt sich eine Katze zwar anfassen, will aber nicht fressen, stellen Sie beim Streicheln etwas in die Nähe, was intensiv und verlockend riecht wie Räucherfisch oder gebratenes Hähnchen. Funktioniert der Trick, sollten solche Leckerbissen aus Rücksicht auf die schlanke Linie und die Gesundheit eine Ausnahme bleiben.
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