Verhalten

Wenn Katzen trauern

Auch Katzen trauern, wenn ein vertrauter Mensch oder ein Artgenosse gestorben ist. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihrer Katze über die schweren Zeiten hinweghelfen können.
 
Schwarz-weiße Katze liegt auf Bett © shutterstock / Lauren Squire
Katzen kompensieren Verlust auf unterschiedliche Arten.
Kummer hat zahlreiche Auslöser. Neben dem Ableben eines geliebten Wesens (Mensch oder Tier) kann auch ein Halterwechsel oder ein Umzug Verlustgefühle und Unsicherheit erzeugen und damit negative Auswirkungen auf das seelische Wohlbefinden und den emotionalen Zustand einer Katze haben. 

Die drei Phasen der Trauer bei Katzen

Ob der Trauerprozess von Katzen ähnlich ist wie bei Menschen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Feststeht jedoch, dass auch Katzen den Verlust von Artgenossen oder Menschen sowie andere Veränderungen verarbeiten müssen und darauf auch mit Trauer reagieren. Grob lässt sich ihr Trauerverhalten in drei Phasen einteilen. Da jedoch nicht alle Katzen gleich mit Veränderungen umgehen, ist der folgende Ablauf nicht allgemeingültig. Die einzelnen Phasen können auch in einer anderen Reihenfolge stattfinden oder ganz wegfallen.

Wenn Katzen trauern: 1. Phase

Nach einem anfänglichen Augenblick des Schocks folgt häufig so etwas wie das Suchen nach dem verschwundenen Gefährten, quasi das Nichtwahrhabenwollen der veränderten Lebenssituation.

Wenn Katzen trauern: 2. Phase

Die mit der Veränderung einhergehenden Gefühle lebt das hinterbliebene Tier individuell je nach Charakter und zuvor gemachten Erfahrungen aus. Folgende Verhaltensweisen können beobachtet werden:
  • innerer Rückzug
  • Desinteresse
  • Antriebslosigkeit
  • ungenügende Nahrungsaufnahme
  • mangelnde Körperpflege
  • Schlafstörungen
  • Spielverweigerung
  • Ungeduld und Nervosität
  • gesteigerte Aggressivität
  • Unsauberkeit
  • Zerstörungswut
Das feline Immunsystem arbeitet womöglich nur vermindert, weshalb wiederkehrende Infekte auftreten oder chronische Krankheiten sich verschlechtern können.

Wenn Katzen trauern: 3. Phase

Nach und nach beginnt die trauernde Katze, die veränderte Lebenssituation inklusive der Abwesenheit des geliebten Sozialpartners zu akzeptieren. Es findet eine verstärkte Kontaktaufnahme zu den verbliebenen Gefährten statt und die Katze baut neue soziale Bindungen und Beziehungen zu Mensch und Tier in ihrer Umgebung auf.
 
Bitte bedenken Sie, dass die unüberlegte Neuanschaffung eines Artgenossen als Ersatz für das verstorbene Tier eventuell mehr Probleme schafft als löst! Lassen Sie eine Zeit von etwa einem Jahr verstreichen, bis Sie einen neuen Partner hinzuholen.
 
Zwei Katzen liegen eng zusammen
Auch Katzen können untereinander enge Bindungen eingehen. ©shutterstock / Okssi

So helfen Sie einer trauernden Katze

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Katzen in der Trauerphase zu unterstützen. Jede Katze reagiert anders darauf. Probieren Sie daher vorsichtig aus, was Ihrer Katze am besten hilft.
  • Manchmal ist es hilfreich, die Katze zum Spielen zu animieren. Dadurch wird sie aus der Trauer herausgeholt.
  • Zur Entspannung können Sie Katzenminze, Bierhefe (als Flocken extra für Katzen) oder Fischöl ins Futter geben oder ihr ein bis zwei Tropfen Baldrian ins Maul träufeln. Allerdings sollten Sie das nicht zu häufig tun, da es sonst die Wirkung verliert. Alternativ können Pheromon-Zerstäuber Wohlgefühl vermitteln.
  • Liebe und Verständnis und, wenn es die Katze zulässt, Streicheleinheiten scheinen die beste Medizin zu sein. „Will ein Tier keinen Körperkontakt, dürfen Sie es aber nicht gewaltsam streicheln“, rät Carola Ruff vom Tierheim Berlin. Lassen Sie Ihrer Katze die Ruhe, die sie braucht.
  • Vielen Katzen hilft es, wenn Sie nachts die Schlafzimmertür offen lassen. Schlafgeräusche können für Katzen ein vertrautes Gefühl sein.
Mitunter kann Trauer auch erst Tage nach dem Tod des Sozialpartners eintreten. Wird zum Beispiel eine kranke Katze in der Tierarztpraxis eingeschläfert , ist das für das andere Tier nicht nachvollziehbar. Daher ist es häufig besser, die Katze zu Hause einschläfern zu lassen oder das tote Tier nach der Einschläferung mit nach Hause zu nehmen, wenn der Tierarzt dem zustimmt. „So kann es von den anderen noch mal beschnuppert werden“, erklärt Katzenpsychologin Janine Baguhn. Erschrecken Sie aber nicht, wenn die Katze faucht. Das ist normal, weil die andere Katze sich nicht mehr bewegt und anders riecht.

Lässt sich eine Katze zwar anfassen, will aber nicht fressen, stellen Sie beim Streicheln etwas in die Nähe, was intensiv und verlockend riecht wie Räucherfisch oder gebratenes Hähnchen. Funktioniert der Trick, sollten solche Leckerbissen aus Rücksicht auf die schlanke Linie und die Gesundheit eine Ausnahme bleiben.

Die Katze eines Verstorbenen aufnehmen

Oft reagieren Katzen beim Verlust ihres Menschen noch heftiger als beim Tod eines Artgenossen. Denn häufig müssen sie dann umziehen und verlieren zusätzlich ihre vertraute Umgebung. Sie verstehen nicht, warum sie plötzlich woanders sind, wo es nur fremde Sachen gibt und alles anders riecht.

Übernehmen Sie die Katze eines Verstorbenen, sollten Sie daher möglichst all ihre alten Artikel, also zum Beispiel Spielzeug, Körbchen, Kratzbaum und Katzentoilette, übernehmen. Auch getragene Kleidungsstücke des Besitzers, die noch nach ihm riechen, können dabei helfen, der Katze die Umstellung zu vereinfachen.
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