Das Lächeln der Katze

Was ein Schnurren wirklich bedeutet

Eine schnurrende Katze ist für viele Menschen der Inbegriff von Zufriedenheit. Doch wussten Sie schon, dass sich hinter diesem katzentypischen Laut auch Gefühle wie Angst und Nervosität sowie Hunger oder gar Schmerzen verbergen können?
 
Rotes Kätzchen schläft selig © shutterstock.com
Schnurren ist nicht immer automatisch ein Wohlfühlsignal.
Im Grunde schnurrt eine Katze in einer Vielzahl unterschiedlicher Situationen, unabhängig von ihrem Wohlbefinden. Deswegen wird das Schnurren oft als das Lächeln der Katze bezeichnet, hinter dem sich vieles verbergen kann.
 
Tatsächlich wird nur in aggressiver Grundstimmung nicht geschnurrt – davon abgesehen können die Vibrationslaute jedoch jeden Gemütszustand der Katze begleiten.
 

Wie und warum schnurren Katzen?

Die Wissenschaft hat noch keine eindeutige Antwort auf den Ursprung des Schnurrens gefunden. Experten vermuten ihn in einem Zusammenspiel aus muskulären und neuronalen Prozessen, auch wenn viele Details noch im Dunkeln liegen.
 
Die Muskeln im Kehlkopf der Katze können die Stimmritze – also den Teil des Kehlkopfes, der die Stimmbänder umgibt – verengen oder erweitern. Die dabei entstehenden Schwingungen führen bei jedem Ein- und Ausatmen zu Vibrationen, die wir als Schnurren wahrnehmen. Gesteuert wird der gesamte Prozess vom Katzenhirn, das die Kehlkopfmuskeln durch Nervenimpulse aktiviert.
 
Schnurren ist also sehr viel komplexer, als es den Anschein hat. Die richtige Technik will früh gelernt sein: Bereits zwei Tage nach ihrer Geburt beginnen die in dieser Lebensphase noch blinden und tauben Kätzchen damit, das Schnurren ihrer Mutter zu erwidern. Mama und Nachwuchs vermitteln sich dadurch Sicherheit.
 
Auch erwachsene Katzen schnurren meist in Gesellschaft, was auf eine sozial-kommunikative Funktion hindeutet. Verhaltensforscher gehen jedoch davon aus, dass der Laut nicht nur ein innerartliches Kommunikationsmittel ist, sondern auch gegenüber dem Menschen zum Einsatz kommt.
 
Wenn wir unsere Samtpfoten streicheln oder sie gefüttert werden möchten, schnurren sie meist ausgiebig – in beiden Fällen kann dies als eine Aufforderung an uns interpretiert werden.
 
Doch auch einsame Katzen schnurren – und das sogar in Stressmomenten, unter Schock oder bei Verletzungen. Dieser Fakt führte zu der Annahme, dass Katzen durch das Schnurren Selbstheilungskräfte aktivieren können.
 

Vibrationstraining – Schnurren ist wie Sport

Katzen takten ihre Schnurrfrequenz meist in einem Bereich von 26 Hertz. Studien ergaben, dass in diesem Frequenzbereich die Knochenheilung stimuliert wird und die Knochendichte zunimmt.

Tatsächlich versetzt Schnurren das gesamte Katzenskelett in Schwingung: Durch die andauernden mechanischen Reize wird der Stoffwechsel in den Knochen angekurbelt, neue Knochenbildungszellen entstehen und Gewebe wird schneller repariert.

Müde Katze liegt unter einer Decke
Schnurren beruhigt die Katze bei Stress und Schmerzen. ©shutterstock.com

Für unsere Katzen, die den Großteil des Tages verschlafen und meist nur bei der Jagd körperlich aktiv sind, ist diese Dauervibration besonders wichtig, damit Knochen und Muskeln fit und beweglich bleiben. Doch auch bei Knochenbrüchen und inneren Verletzungen wirken sie unterstützend auf den Heilungsprozess und beruhigen die Katze in Schock- oder Stresssituationen.
 
Vermutlich waren diese Selbstheilungskräfte sogar die ursprüngliche Funktion des Schnurrens, bis im Laufe der Evolution der kommunikative Aspekt hinzukam.
 

Auch uns Menschen tut Schnurren gut

Wir Menschen profitieren in vielerlei Hinsicht von einer schnurrenden Katze an unserer Seite: Die niederfrequenten Töne senken nachweislich den Blutdruck und somit auch das Herzinfarktrisiko. Zudem reagiert das menschliche Gehirn darauf mit der Ausschüttung von Serotonin, einem Wohlfühlhormon.

Frau hält schlafende Katze auf dem Arm
Eine Portion Schnurren wirkt auf uns wie ein Stück Schokolade. ©shutterstock.com
 
Der knochenheilende Effekt des Schnurrens kommt auch Osteoporose-Patienten zugute. Obendrein spielt er eine wichtige Rolle in der Raumfahrtforschung, wo er dem bei Astronauten häufig vorkommenden Muskelschwund entgegenwirken kann.
 

Meine Katze schnurrt nicht! Ist sie etwa unglücklich?

Manche Katzenhalter berichten, dass ihre Katze nicht schnurrt. Dabei ist ihre Sorge oft groß: Fühlt sich Mieze nicht wohl, fehlt ihr etwas? Glücklicherweise ist diese Sorge vollkommen unbegründet.
 
Manche Katzen schnurren eben, und manche nicht. Im Mehrkatzen-Haushalt kann es durchaus sein, dass die Katze mit dem meisten Selbstbewusstsein weniger schnurrt als ihre rangniederen Artgenossen – ganz einfach, weil sie keinen Anlass dazu hat.
 
Wer einen Schnurr-Muffel daheim hat und trotzdem nicht auf das wohlklingende Geräusch verzichten möchte, findet im Internet zahlreiche Simulatoren, die es imitieren (zum Beispiel unter www.purrli.com ). Dort kann man den heilsamen Klängen allein oder gemeinsam mit seiner Katze lauschen.
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