Körpersprache

Warum Katzen gähnen

Ein „Gähn!“ sagt manchmal mehr als tausend Worte. Wir erklären, was Ihre Katze Ihnen mit einem herzhaften Luftholen signalisieren möchte.
 
Rote Katze gähnt herzhaft © shutterstock.com
Ein Gähnen kann bei Katzen vieles bedeuten – Langeweile gehört nicht dazu.
Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie gegähnt, seit Sie diese Seite aufgerufen haben? Im Laufe der Lektüre wird Ihnen vermutlich noch öfter die Kinnlade nach unten klappen, denn der tiefe Atemzug mit weit geöffnetem Mund ist bei uns Menschen ein kollektiver Akt.
 
Forscher vermuten, dass besonders empathische Menschen sich schnell vom Gähnen anderer Lebewesen anstecken lassen. Kein Wunder also, wenn die Mieze oben Sie mit ihrem genüsslichen Gähnen ebenfalls dazu animiert hat!
 

Kühlung fürs Hirn – Gähnen schlaue Katzen öfter?

Mit dem Sinn des Gähnens – sei es bei Katze, Mensch oder anderen Tierarten – beschäftigt sich eine eigene Wissenschaft, die sogenannte Chasmologie. Im Laufe der Zeit wurden viele Gähn-Theorien aufgestellt, widerlegt oder bestätigt.

Lange galt zum Beispiel, dass ein Sauerstoffmangel im Blut durch Gähnen ausgeglichen werden soll, doch mittlerweile ist diese These für Mensch und Tier widerlegt. Fest steht: Katzen gähnen in unterschiedlichen Situationen und nicht nur, wenn sie müde sind.

Eine Studie der State University of New York in Oneonta unter der Leitung von Andrew Gallup ergab, dass ein Zusammenhang zwischen der Gähn-Dauer und der Anzahl der Nervenzellen im Gehirn besteht.

Beige-weiße Katze langweilt sich
Von wegen öde: Eine gelangweilte Katze gähnt nicht. ©shutterstock.com

Gallup vertritt die These, dass Gähnen die Durchblutung im Gehirn ankurbelt und gleichzeitig für Kühlung sorgt. Dabei gilt: Je größer die Gehirnmasse, desto länger wird gegähnt. So bildet der Mensch mit 6 Sekunden die Spitze, Mäuse mit 1,5 Sekunden das Schlusslicht. Hunde kommen auf 2,4 Sekunden, Katzen auf 2,1 Sekunden.
 
Gähnen ist bei Katzen also weniger ein Ausdruck von Langeweile und Trägheit, sondern vielmehr ein Verhalten, das für Konzentration steht. Gähnen entspannt zudem die Muskeln und ist – neben einem genussvollen Strecken – Teil der Aufwachphase: So wird auch der letzte Rest Müdigkeit verjagt und die Katze ist fit für neue Abenteuer.
 

Gähnen für den Frieden – Wie Katzen besänftigen

Einige Katzenverhaltensexperten zählen das Gähnen zum körpersprachlichen Repertoire und ordnen es den Beschwichtigungsgesten zu. So soll ein herzhafter Atemzug für Wohlbefinden und Friedfertigkeit, aber auch für Unsicherheit stehen.

Sowohl Artgenossen als auch Menschen gegenüber wird durch herzhaftes Gähnen Entspannung signalisiert, was Konflikten vorbeugt oder brenzligen Situationen die Aufregung nehmen kann.

Dreifarbige Katze gähnt und streckt Vorderpfoten
Gegähnt wird meist vor und nach einem Nickerchen. ©shutterstock.com

Manchmal gähnen Katzen auch ganz plötzlich während des Spielens, was einem „Hey, schalte bitte einen Gang runter!“ gleichkommt. Sieht sich eine Katze mit einem unerreichbaren Beuteziel konfrontiert – zum Beispiel mit einem Vogel vor dem Fenster – kann das typische Schnatter-Geräusch ebenfalls von einem Gähnen begleitet sein. Beides ist als Übersprung- oder Ersatzhandlung zu bewerten: Die Katze bekommt nicht, was sie will, und muss ihre Erregung anderweitig abbauen – und was wäre hierzu besser geeignet als ein großer Gähner, um dem eigenen Frust Luft zu machen?
 
Extrem häufiges Gähnen in Kombination mit Schlappheit und mangelndem Appetit kann zudem auf Schmerzen hindeuten – dann ist ein Besuch beim Tierarzt angesagt.
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