Wilde Schönheit mit sanftem Wesen

Norwegische Waldkatze im Portrait: Charakter, Haltung, Krankheiten

Die Norwegische Waldkatze zählt zu den natürlich entstandenen Katzenrassen, die sich ganz ohne das Zutun des Menschen entwickelt hat. In unserem Rasseportrait erfahren Sie alles zu Herkunft, Haltung und Krankheit der Norwegischen Waldkatze. 
 
 
Norwegische Waldkatze © shutterstock.com/ Elisa Putti
Die Norwegische Waldkatze beeindruckt durch ihre Größe und ihr sanftes Wesen.
Ein Stück unverfälschte Natur im eigenen Zuhause erhält jeder, der eine Norwegische Waldkatze bei sich einziehen lässt. Kein Wunder, dass Katzenfreunde völlig begeistert sind von der robusten, unkomplizierten Norwegerin. Und doch stellt diese ein paar Ansprüche an ihre menschlichen Lebenspartner.
 

Die Norwegische Waldkatze im Überblick 

Steckbrief
Größe: groß
Gewicht: Katze 3,5 – 7 kg; Kater 5 – 9,5 kg
Felllänge: Halblanghaar
Fellfarben: alle, außer Chocolate, Lilac, Colourpoint, Cinnamon und Fawn
Augenfarbe: alle Farben; muss nicht der Fellfarbe entsprechen
Ursprungsland: Skandinavien/ Norwegen
 
Charakteristika
Bewegungsdrang: hoch
Lautstärke: gering
Pflegeaufwand: mittel
Zeitaufwand: mittel


Aussehen der Norwegischen Waldkatze

Die Norwegische Waldkatze ist eine große, kräftige Katze mit halblanghaarigem Fell. Ihr Körper ist langgestreckt. Dabei sind die Hinterbeine etwas länger als die Vorderbeine, was sie zu einer exzellenten Springerin macht. Der Kopf der Norwegischen Waldkatze entspricht in der Form einem gleichschenkligen Dreieck, ihr Profil sollte absolut gerade sein. Durch ihr halblanges Fell ist sie optimal an die teils sehr rauen Wetterbedingungen Skandinaviens angepasst. Ihre Deckhaare sind glatt und wasserabstoßend, darunter verbirgt sich eine weiche und dichte Unterwolle. So perlt Nässe vom Fell ab, die im Winter sehr dichte Unterwolle hält die Katze warm. Typisch für die Norwegische Waldkatze sind eine üppige Halskrause und luchsartige Haarpinselchen an den Ohren. Ihr buschiger Schwanz ist so lang, dass die Katze sich beim Hinlegen darin einwickeln kann. Dies hält sie bei Kälte zusätzlich warm. An den Schenkeln der Hinterbeine ist das Fell ebenfalls besonders dick und buschig. Man spricht hier von den Knickerbockerhosen der Katze. Auch zwischen ihren Zehen ragen kleine Fellbüschel hervor. Diese schützen die Pfoten im Winter vor Schnee und Eis. Beim  Fellwechsel  im Frühjahr wird die dichte Unterwolle abgestoßen. Im Sommer erscheint das Fell der Norwegerin beinahe kurz und auch die Halskrause verschwindet. 
Norwegische Waldkatzen sind in allen Farbschlägen zugelassen außer Chocolate, Lilac, Colourpoint, Cinnamon und Fawn. Alle Muster außer Point-Zeichnungen sind erlaubt. Die Augenfarbe muss nicht der Fellfarbe entsprechen. In Norwegen ist der beliebteste Farbschlag Schwarz mit Weiß, außerhalb Norwegens wird allgemein eine Tabbyzeichnung vorgezogen. Die Farben Amber und Lightamber sind zwei Farbschläge, die es nur bei dieser Rasse gibt. 
 

Norwegische Waldkatze: Charakter und Wesen

Die Norwegische Waldkatze ist sehr anpassungsfähig. Alleine lebt eine Norwegerin gar nicht gerne. Eine adäquate Zweitkatze ist für die gesellige Katze ein Muss. Von ihren Dosenöffnern braucht die Norwegische Waldkatze ausreichend Ansprache, Spiel- und Streicheleinheiten. Diese Katze besitzt beinahe schon Wesenszüge eines Hundes. Sie folgt ihrem Menschen gerne auf Schritt und Tritt und macht durch beredetes Miauen gerne auf sich aufmerksam. Bekommt sie genug Aufmerksamkeit, kann die Norwegische Waldkatze sowohl bei einer Einzelperson als auch in einer Großfamilie mit rücksichtsvollen Kindern gut leben. Ein Hund in der Familie ist ebenso kein Problem, wenn sich dieser nicht komplett danebenbenimmt. Norwegische Waldkatzen gelten als besonders verspielt, selbst bis ins hohe Alter hinein. Außerdem besitzt die ehemalige Mäusejägerin viel Temperament. Ebenso wie das Spiel genießt die Norwegerin aber auch ausgedehnte Schmuseeinheiten.
 

Haltung und Pflege der Norwegischen Waldkatze 

Norwegische Waldkatzen sind äußerst gesellig, sie sollten daher nicht als Einzelkatzen gehalten werden. Da sie nicht gerade klein und zierlich sind, darf die Basisausstattung ruhig groß und vor allem stabil ausfallen. Der Kratz- und Kletterbaum muss so beschaffen sein, dass er nicht bedrohlich schwankt oder gar umkippt, wenn die Norwegerin mit vollem Tempo hinaufsaust oder –springt. Auch Toilette und Transportbox muss einer solchen Prachtkatze ausreichend Platz bieten. Wenn Sie dazu noch einen gesicherten Balkon, ein Freigehege oder sogar einen ausbruchssicheren Garten zu bieten haben, wird das Herz jeder Norwegischen Waldkatze höherschlagen. Zur Not tut es auch eine großzügige Wohnung, dann müssen Sie aber für entsprechend mehr Unterhaltungsprogramm sorgen, um die fehlenden Reize der Natur zu kompensieren.

Ohne Fellpflege geht es bei der Norwegerin nicht. Gründliches Kämmen alle ein bis zwei Wochen muss sein. Verliert das Jungtier gerade sein Babyfell oder die Erwachsene ihr Winterfell, kann auch tägliche Pflege notwendig sein. Hier gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Ein Ringkampf mit einer ausgewachsenen, missmutigen Norwegerin macht keinen Spaß. Daher sollten schon Katzenkinder an die Prozedur mir einer weichen Babybürste gewöhnt werden, auch wenn es noch nichts auszukämmen gibt. Besonders die Knickerbockerhöschen an den Hinterbeinen, das Fell unter den Vorderbeinen sowie der Kragen und der Bereich hinter den Ohren sind Problemzonen, an denen sich schnell Knötchen und schließlich Filze bilden. 
 

Norwegische Waldkatze: Krankheiten

Die Norwegische Waldkatze ist grundsätzlich eine sehr robuste Rasse. Dennoch sollten Sie bei der Anschaffung darauf achten, dass Gentests auf Glykogenspeicherkrankheit (GSD IV) und Pyruvatkinase Defizienz (PK) vorliegen. Ein Herzultraschall gehört für einen seriösen Züchter ebenfalls zu den Standarduntersuchungen seiner Katzen. Schneeweiße Norweger benötigen zudem eine audiometrische Untersuchung, um Hörschäden auszuschließen. 

Norwegische Waldkatze im Schnee
Mit ihrem prächtigen Winterfell ist die Norwegische Waldkatze bestens auf Schnee und eisige Temperaturen eingestellt. © Shutterstock.com/ Astrid Gast
 

Herkunft der Norwegischen Waldkatze 

Um die Herkunft der Norwegischen Waldkatze ranken sich zahlreiche Geschichten und Legenden. Die wahre Geschichte, wie die Katzen nach Norwegen kamen, wird wohl für immer unbekannt bleiben. Diese sechs Theorien existieren:
  • Wikinger brachten schottische Waldkatzen nach Norwegen, wo sie sich allmählich in die heute bekannte Waldkatze verwandelten.
  • Hauskatzen kamen auf Handelsschiffen nach Skandinavien, wo sie sich mit den früher schon eingeführten schottischen Wildkatzen vermischten.
  • Angorakatzen kamen im 16. Jahrhundert aus den Mittelmeerhäfen per Schiff nach Skandinavien, wo sie sich mit den Nachkommen der eingeführten Wildkatzen kreuzten.
  • Angorakatzen, die auf Schiffen nach Norwegen kamen, entflohen dort in die kalte Wildnis und passten sich immer besser den Bedingungen an. 
  • Russische Langhaarkatzen (heute  Sibirische Waldkatzen ) kamen auf Schiffen über Ost- und Nordsee nach Norwegen.
  • Hauskatzen verwilderten, wurden größer und das Haarkleid immer dichter. 

Von diesen Theorien sind die, die eine Mitwirkung schottischer Wildkatzen annehmen, am wenigsten wahrscheinlich. Auf welchem Weg sie auch ins Land gekommen ist, eines bleibt sicher: Die Rasse hat sich über viele Jahrzehnte hinweg ohne das Zutun von Menschen weiterentwickelt und perfekt an die klimatischen Verhältnisse angepasst. Sie galt als die klassische Bauernkatze, deren begnadete Fähigkeiten beim Fang von Mäusen und auch Ratten sehr geschätzt wurde. In den 1960er Jahren beobachtete man besorgt den Rückgang dieser halblanghaarigen Schönheit. 1972 erhielt sie den offiziellen Namen Norwegische Waldkatze. Gerade noch rechtzeitig wurde in den 1970er Jahren ein Aufbauprogramm begonnen, das mit der Anerkennung der Rasse bei der FiFé 1977 in Paris einen erfolgreichen Abschluss fand. Heute wird die Norwegische Waldkatze auf allen Kontinenten gezüchtet. Kein Wunder, erfüllt sie den Wunsch vieler Menschen nach einem Stück echter Natur im eigenen Zuhause.
 

Die Norwegische Waldkatze in Mythologie und Geschichte 

In altnordischen Sagen ist häufig die Rede von riesigen Trollkatzen mit besonders buschigem Schwanz. Ein sagenhafter Kater soll so schwer gewesen sein, dass selbst Gott Thor ihn nicht hochheben konnte. Auch der Himmelswagen der Göttin Freya soll von zwei Norwegischen Waldkatzen gezogen worden sein. Wer auf seine Felder Schalen mit Milch für diese Katzen stellte, dessen Felder standen unter dem Schutz der Göttin. 1912 veröffentlichte der Schriftsteller Gabriel Scott ein Kinderbuch mit Erzählungen über „Sølvfaks“, einen Norwegischen Waldkater, und seine Abenteuer. Die deutsche Übersetzung erschien 40 Jahre später unter dem Titel „Silberpelz“.
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