Sexualverhalten

Katzen-Bettgeflüster: Fortpflanzung und Paarungsverhalten

Mit etwas Spezialwissen über das typische Sexualverhalten von Katzen können Katzenhalter viele ihrer Verhaltensmuster besser verstehen – auch bei kastrierten Katzen und Katern. Erfahren Sie hier alles über die Fortpflanzung und das Paarungsverhalten von Katze und Kater.
 
Katze und Kater im Frühling © shutterstock.com/Bachkova Natalia
Unkastrierte Kater sind das ganze Jahr über paarungsbereit.
Die Geschlechtsreife von Katzen setzt oftmals viel früher ein, als so mancher Katzenbesitzer ahnt. Kein Wunder, dass es dadurch immer wieder zu ungewolltem Katzennachwuchs kommt. Um das Verhalten seiner Katze besser verstehen zu können, sollte man das Wichtigste über den natürlichen Fortpflanzungstrieb von Katze und Kater wissen. Denn auch wenn die eigene Katze bereits kastriert ist, haben viele typische Verhaltensmuster im katzentypischen Sexualverhalten ihren Ursprung. 

Geschlechtsreife von Katze und Kater

Katzen und Kater werden in der Regel innerhalb ihres ersten Lebensjahres geschlechtsreif. 

Typisch Katze:
Hauskatzen werden in der Regel in einem Alter von sechs bis acht Monaten geschlechtsreif. Orientalische Rassen, wie die Siam  oder Abessinier , sind mit vier Monaten häufig aber schon etwas frühreif. Langhaarrassen wie die Perser , aber auch die Britisch Kurzhaar  gehören mit bis zu zwölf Monaten dagegen eher zu den Spätzünderinnen. 

Typisch Kater:
Kater erreichen die Pubertät etwas später als Katzen, nämlich in einem Alter von acht bis zehn Monaten. Ab diesem Zeitpunkt machen die Kater sich schließlich aktiv auf die Suche nach paarungsbereiten Kätzinnen. 

Doch schon während der Kinderstubenzeit ergreift ein kleiner Kater sein Geschwisterchen – das in der Hitze des Gefechts durchaus auch ein Bruder sein kann – gekonnt mit Nackengriff und probiert und trainiert spielerisch und instinktiv sexuelle Verhaltensweisen. Im Kateralter von etwa zwei Monaten entwickeln sich auf der Penisspitze zwischen 100 und 200 verhornte Papillen, die wie Widerhaken wirken, da sie nach hinten gerichtet sind. Ihre Entwicklung kann durch die frühzeitige  Kastration  verhindert werden. Zwei Monate später setzt die Bildung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron ein, das die Reifung der Geschlechtsorgane und auch das katertypische Paarungsverhalten steuert.

Verhalten von paarungsbereiten Katzen und Katern

Es gibt geschlechterspezifische Unterschiede im Verhalten von paarungsbereiten Katzen und Katern. Eine Kastration vermindert diese Verhaltensweisen in der Regel deutlich. 

Typisch Katze:
Paarungsbereite Katzen werden auch rollig genannt. Wenn eine Katze rollig ist, merken Katzenbesitzer das an ihrem veränderten Verhalten. Die Rolligkeit der Katze besteht aus einer Vorbrunst sowie einer Brunstphase:
  • Während der ersten beiden Tage der Rolligkeit wird die Katze meist anhänglicher und zeigt vermehrtes Kopfreiben und Miauen.
  • Die folgenden sechs Tage sind durch Unruhe, Umherwälzen, starke Lautäußerungen und Einnehmen der Deckposition gekennzeichnet.
Die Brunststellung ist leicht zu erkennen: Die Katzendame hockt auf ihren Vorderbeinen, streckt die Hinterbeine und scharrt, während sie gleichzeitig ihren Rücken durchdrückt. Ihren Schwanz biegt sie zur Seite und vollführt dabei mit den Hinterbeinen tänzelnde Bewegungen. So präsentiert sie sich den werbenden Katern – oder auch ihren Menschen, sofern kein geeigneter Kandidat in Aussicht ist. 

Jede rollige Katze verhält sich aber natürlich ein bisschen anders. Es kann sein, dass eine eher ruhige und ausgeglichene Katze oder eine, die schon älter und erfahrener ist ihre Rolligkeit weniger demonstrativ zeigt, während eine von Natur aus temperamentvolle Katze einfach unerträglich mannstoll wird. Vor allem die Exoten, wie beispielsweise die Siamkatze, sind geradezu scham- und hemmungslos in der Zurschaustellung ihres Sexualtriebes. Aber bekanntlich können auch stille Wasser tief sein und sind keine Garantie für Sittsamkeit.

Typisch Kater:
Für unkastrierte Kater sind rollige Weibchen unwiderstehlich. Überall hinterlassen sie deftig riechende Urinspritzer. Bäume, Sträucher, Zäune und Hausecken zeugen von ihrer Anwesenheit. Und manch einer verschont nicht einmal die eigenen vier Wände, um seinen Besitzanspruch entsprechend zu markieren. Einige Kater markieren auch fremde Hauseingänge, hinter denen sie eine rollige Katze vermuten. Der Kater taucht dort dann regelmäßig auf, um ihre Duftmarken zu überprüfen und geduldig zu warten, bis sie das Haus verlässt.

Oft kommt es dazu, dass mehrere Männchen um ein Weibchen werben. In spannungsgeladenen Gruppen versammeln sich dann die potenten Kater um ihre Herzensdame, locken sie mit singenden Tönen und schleichen sich immer wieder an sie heran. Einzig das Weibchen entscheidet, welchem Werber sie nachgibt. Die Flirtversuche des Katers können manchmal tagelang andauern, bis seine Angebetete endlich eine Entscheidung zu seinen Gunsten trifft. 

Der Zyklus bestimmt das Verhalten von Katze und Kater

Typisch Katze:
Der Sexualzyklus von Katzen ist abhängig von der Jahreszeit beziehungsweise der Tageslichtdauer. Sobald die Lichteinwirkung länger als zwölf Stunden anhält, wird bei frei lebenden Katzendamen die Sexualität angekurbelt. Während dieser Zeit – also meistens in den lichtintensiven Frühjahrs- und Sommermonaten – können Katzen, die keinen Kontakt zu Katern haben, alle zwei bis drei Wochen rollig werden.

Auch eine künstliche Lichteinwirkung kann bei Wohnungskatzen zu Dauerrolligkeit führen. Wechseljahre kennen weibliche Katzen übrigens nicht. Sie behalten ihre Fortpflanzungsfähigkeit bis ins hohe Alter. Es kommt gar nicht so selten vor, dass eine fünfzehnjährige Katze noch zweimal jährlich Junge zur Welt bringt.
 
Typisch Kater:
Kater sind mit Eintritt der Geschlechtsreife jederzeit paarungsbereit. Oftmals unternehmen sie auf der Suche nach einer willigen Partnerin lange und gefährliche Streifzüge und kommen manchmal tagelang nicht nach Hause. Fressen wird genauso unwichtig wie das eigene Wohl – viele Kater vergessen im Liebesrausch ihre eigene Sicherheit und werden Opfer des Straßenverkehrs. Auch Katerkämpfe mit anderen potenten Mitbewerbern zehren an den Kräften von unkastrierten Katern. Besonders intensiv zeigen sich diese Verhaltensweisen im Frühling.

Der Deckakt von Katze und Kater

Für die Katzendame ist der Deckakt alles andere als angenehm, aber zumindest schnell vorüber: Der Kater fixiert die Katze im Nacken und tretelt so lange, bis er die richtige Position gefunden hat. Nach ein paar hastigen Stößen ist der Akt bereits vollzogen und der Kater sucht schleunigst das Weite. An seinem Penis befinden sich nämlich winzige Widerhaken, die zwar die Ovulation auslösen, aber auch sehr schmerzhaft für die Katzendame sind.
 
Deckakt Katze Kater
Der Deckakt ist schnell vorüber.     (c)shutterstock.com/Ansis Klucis
 

Darum ist Kastration so wichtig

Katzen sind überaus fruchtbare Tiere. Eine Hauskatze kann es pro Jahr auf bis zu drei Würfe mit durchschnittlich vier bis fünf Kätzchen bringen. Eine Kastration verhindert daher unnötiges Tierleid, das durch unkontrollierte Vermehrung entsteht. Außerdem wird durch eine Kastration das Leben von frei lebenden Katern wird sicherer, da ihnen die Lust auf gefährliche Streifzüge vergeht und Raufereien mit Konkurrenten ausbleiben. Katzen bleibt der große Stress der Rolligkeit erspart. Zudem haben sie ein geringeres Risiko, an Brustkrebs (Mammatumoren) zu erkranken – dieses Risiko ist bei nichtkastrierten Katzendamen sogar um das Siebenfache höher als bei ihren kastrierten Artgenossinnen. 
Mehr zum Thema