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Katzenallergie: Neuer Impfstoff soll helfen

In Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die unter einer Katzenallergie leiden. Katzenliebhaber müssen aber nicht zwangsläufig auf ein Leben mit Samtpfote verzichten. Dank der Forschung gibt es bald eine neue Behandlungsmöglichkeit.
 
Frau mit Katzenallergie © shutterstock.com / LightField Studios
Ständiges Nießen ist nur eines der quälenden Symptome der Katzenallergie
Die Katzenallergie und andere Allergien gegen Tiere treffen in Deutschland rund 10 Prozent der Bevölkerung. Die Symptome sind mitunter dramatisch. Wird eine Katzenallergie diagnostiziert, stellt das Katzenliebhaber vor eine wesentliche Entscheidung. Ist es trotz der Katzenallergie möglich, eine Katze zu halten?
 
Die Forschung bietet bald schon eine neue Möglichkeit, wie Katze und Mensch trotz einer Allergie zusammenleben können. „HypoCat“ heißt das Wundermittel, das seit 2013 in der Schweiz entwickelt wird.
 
Geimpft wird die Katze, nicht der Mensch
 
Anders, als es der Begriff „Katzenhaarallergie“ vermuten lässt, ist es nicht das Katzenhaar an sich, das für die Allergie verantwortlich ist. Vielmehr ist ein bestimmtes Protein, das Protein „Fel d 1“, das u.a. im Speichel der Katze vorhanden ist, der Allergie auslösende Stoff. Durch das Putzen und Schlecken gelangt das Protein auf das Fell und verteilt sich über die Katzenhaare weiter in der Umgebung. Katzenhaar-Allergiker kommen so fast überall in der Wohnung mit diesem Allergen in Kontakt. Unangenehme Symptome sind die Folge. Der Impfstoff HypoCat soll dem ein Ende machen. Geimpft wird aber nicht der Mensch, sondern die Katze. Der Impfstoff verändert das Protein „Fel d 1“. Das Immunsystem der Katze identifiziert das veränderte Protein als Fremdkörper und bildet Antikörper. Diese binden und neutralisieren das allergene Protein. Es kann dem Katzenhaar-Allergiker nicht mehr gefährlich werden.
 
Keine Nebenwirkungen beim Tier
 
An 70 Tieren wurde der Impfstoff bereits getestet. Nebenwirkungen wurden dabei nicht festgestellt. Geimpft werden muss aber regelmäßig. Da alle Tests positiv verlaufen sind, hoffen die Forscher auf die Zulassung des Impfstoffs. Voraussichtlich im Jahr 2022 könnte dann auch Katzenhaar-Allergikern die Katzenhaltung möglich werden.
 
Doch auch jetzt müssen Katzenhaar-Allergiker nicht unbedingt auf eine Katze verzichten. Und auch Katzenhalter, die eine Katzenhaar-Allergie erst später entwickelt haben, müssen ihre Katze nicht unbedingt weggeben. Es gibt Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und den Kontakt mit den Allergenen zu mindern. Wir klären auf über Auslöser, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten und geben Ihnen Tipps für den Alltag.


Was sind die Auslöser einer Katzenallergie?

Viele glauben, dass die Katzenallergie durch die Katzenhaare ausgelöst wird. Das trifft nicht zu. Vielmehr ist das Katzenallergen „Fel d 1" verantwortlich dafür, dass so viele Menschen allergisch auf Katzen reagieren. Das Allergen „Fel d 1“ ist ein Eiweiß, das im Speichel, den Talgdrüsen, der Tränenflüssigkeit und sogar im Urin der Katze vorkommt und sich lange in der Luft hält. Zwar sind also nicht die Katzenhaare an sich für die Allergie verantwortlich, doch über die Körperpflege gelangt das Allergen „Fel d 1“ auch auf das Fell der Katze und kann sich so noch leichter in der Wohnung verbreiten. Ein Katzenallergiker kann also schon Symptome zeigen, ohne dass er tatsächlich Körperkontakt mit einer Katze hatte.


Symptome der Katzenallergie

Katzenallergiker zeigen in der Regel schon unmittelbar nach dem Kontakt mit der Katze oder dem Allergen „Fel d 1“ erste Reaktionen. Typische Symptome einer Katzenallergie sind:
  • Tränende Augen
  • Juckreiz
  • Husten
  • Schnupfen
  • Atemnot
Nicht immer sind die Symptome gleich so dramatisch. Bei Katzenbesitzern kommt die Katzenallergie oft erst ganz schleichend und wird urplötzlich schlimmer. Zudem hängen Symptome bei vielen Allergikern von der Dosis des Allergens ab: Je mehr Allergene sie um sich haben, desto heftiger reagieren sie. In einigen Fällen zeigen Katzenbesitzer keinerlei Beschwerden, bis eine neue Katze hinzukommt. Dann ist sozusagen „das Maß voll", und das qualvolle Niesen beginnt.
 
Beachten Sie: Sollten Sie diese Symptome einer Katzenallergie bei sich feststellen, dann suchen Sie unbedingt einen Allergologen auf! Erst ein allergologischer Test kann Klarheit darüber bringen, ob Sie wirklich auf die Katze reagieren.


Katzenallergie mit Prick-Test feststellen

Sollten Sie vermuten, dass Sie an einer Katzenallergie leiden, dann ist es ratsam, einen Allergologen aufzusuchen. Er führt einen Allergietest auf verschiedene Allergene durch und kann so feststellen, worauf genau Sie reagieren. Am häufigsten wird der sogenannte Prick-Test durchgeführt. Bei diesem Test werden einzelne Tropfen verschiedener Allergene auf die Innenseite des Unterarms des Patienten getropft. Mit einer feinen Nadel sticht der Arzt anschließend die Haut oberflächlich ein. Reagiert der Patient auf eines dieser Allergene, kommt es an den entsprechenden Stellen innerhalb von 5 bis 60 Minuten zu Rötungen, Juckreiz oder Quaddelbildung. Zusammen mit den Schilderungen des Patienten über seine Leidensgeschichte bietet sich dem Arzt so ein umfassendes Bild, ob es sich um eine Katzenallergie handelt. Eine anschließende Blutuntersuchung auf Antikörper kann dieses Ergebnis bestätigen.


Hygienetipps für Katzenallergiker

Katzenallergiker müssen noch stärker als Nicht-Allergiker auf Hygiene im Haushalt achten. Mit ein paar leicht umsetzbaren Maßnahmen können sie die Allergenbelastung in ihrer Wohnung verringern. Die wichtigsten Hygienetipps für Katzenallergiker lauten:
  • Halten Sie Ihr Schlafzimmer strikt katzenfrei
  • Reinigen Sie Ihre Wohnräume mit einem speziellen Allergiker-Staubsauger
  • Waschen Sie sich nach jedem Katzenkontakt gründlich die Hände
  • Verzichten Sie auf Staubfänger wie z.B. Zierkissen und Plüschtiere
  • Verpacken Sie Matratzen und Kissen in Plastikfolie
  • Bürsten Sie Ihre Katze regelmäßig und wischen Sie ihr Fell mit einem feuchten Lappen ab
  • Verlegen Sie die Schlaf- und Ruhestätte der Katze an einen Platz, mit dem Sie nicht so häufig in Berührung kommen.
  • Lüften Sie mehrmals täglich
  • Benutzen Sie einen Luftreiniger für Allergiker
  • Reinigen Sie Böden und Wände regelmäßig mit einem feuchten Lappen
  • Verzichten Sie auf opulente Wohnungseinrichtung, um Staub zu vermeiden
Vor allem in Verbindung mit einer medikamentösen oder homöopathischen Behandlung (z.B. Akupunktur) können diese Maßnahmen die Beschwerden von Katzenallergikern soweit mildern, dass die Katze weiterhin im Haushalt verbleiben kann.


Hyposensibilisierung bei Katzenallergie

Die Hyposensibilisierung, auch Immuntherapie genannt, ist eine bereits angewandte Therapieform, um die Katzenallergie vollständig loszuwerden. Die Behandlung ist zwar sehr langwierig, Nebenwirkungen können auftreten und sie garantiert keinen Erfolg, stellt derzeit aber die einzige Option dar, die Katzenallergie zu heilen.

Bei der Hyposensibilisierung wird dem Patienten über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren in steigenden Dosen ein Allergenextrakt in die Fettschicht des Oberarms injiziert. Die Dosis wird zu Beginn wöchentlich erhöht, damit sich das Immunsystem an das Allergen und die Reaktion nach Kontakt gewöhnen kann. Die Hyposensibilisierung bewirkt, dass die Reaktion des Immunsystems ausbleibt, auch wenn die Allergie noch vorhanden ist. Im Idealfall treten so die Beschwerden nach erfolgreicher Therapie gar nicht mehr auf.

Die Behandlung durch die Hyposensibilisierung ist nicht ungefährlich. Sie wird mitunter von schwerwiegenden Nebenwirkungen begleitet. Mögliche Nebenwirkungen der Hyposensibilisierung können sein:
  • Asthmaanfälle
  • Atemnot
  • Schluck- und Sprechbeschwerden
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
Beachten Sie: Gerade bei Tierhaarallergien werden bei spezifischer Immuntherapie häufiger schwere, zum Teil lebensbedrohliche Komplikationen als Reaktion auf die Therapie beobachtet. Daher sollten Sie sich wohl überlegen, ob Sie die Hyposensibilisierung tatsächlich in Betracht ziehen. Beraten Sie sich dazu ausführlich mit einem Allergologen.


Welche Katzen eignen sich für Allergiker?

Eine Münchener Studie hat sich damit beschäftigt, ob und welche Katzen sich für Allergiker eignen. Hier die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
  • Kater haben einen höheren Allergengehalt als weibliche Katzen
  • Nach der Kastration des Katers sinkt der Allergengehalt stark ab
  • Nach der Kastration der Katze sinkt der Allergengehalt nicht in einem solchen Maße
  • Es gibt keine Katzen ohne Allergene
  • Der Gehalt der Allergene ist nicht rassespezifisch
  • Bisher als Allergikerkatzen bekannte Rassen wie Devon Rex, Cornish Rex, Sphynx und Sibirische Langhaar setzen nicht weniger Allergene frei als andere Rassen
  • Katzen der gleichen Rasse produzieren Allergene unterschiedlich stark, große Unterschiede gibt es bei der Europäisch Kurzhaar
Eine pauschale Aussage darüber zu treffen, welche Katze sich für Allergiker eignet, ist im Prinzip nicht möglich. Selbst haarlose Rassen wie die Sphynx setzen Allergene frei. Ob Sie allergisch auf eine bestimmte Katze reagieren, können Sie nur herausfinden, indem Sie etwas Zeit mit der Katze Ihrer Wahl verbringen. Stellt sich keine allergische Reaktion ein, haben Sie die richtige Katze gefunden.
 
Beachten Sie: Schon kleine Mengen des Allergens reichen aus, um quälende Symptome hervorzurufen. Sollten Sie also an einer Katzenallergie leiden und vor der Wahl stehen, sich erstmalig eine Katze anzuschaffen, sollten Sie besser ganz darauf verzichten.


Fazit: Katzenallergie – was tun?

"Eine Katzenallergie ist eine ernste Erkrankung, die häufig später in Asthma übergeht und dann auch lebensbedrohlich werden kann", warnt Dr. Horst Müsken von der Allergie- und Asthmaklinik in Bad Lippspringe. Daher raten die meisten Allergologen dazu, die Katze abzuschaffen und generell den Kontakt zu Katzen vollständig zu vermeiden. Sich von dem geliebten Tier zu trennen, ist aber für die meisten Katzenhalter nicht wirklich eine Option. Sie können versuchen, mit Medikamenten und homöopathischen Verfahren die akuten Beschwerden zu lindern und sollten noch stärker auf Hygiene im Haushalt achten. Auch eine Hyposensibilisierung könnte aktuell eine Option sein, der Katzenallergie Herr zu werden.

 
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