Fehltritt

Wenn Katzen abstürzen

Katzen sind bekannt für ihre Kletterkünste, doch Abstürze bleiben nicht aus. Paradoxerweise enden Stürze aus großer Höhe für Katzen oft glimpflicher als jene aus geringer Höhe. Das zeigt auch der Fall von „Ares“, der einen Sturz aus 30 Metern Höhe überlebte.
 
Rote Maine-Coon auf Balkon © shutterstock.com
Ungesicherte Balkone sind Absturzursache Nummer Eins.
Ares wollte ein wenig zu hoch hinaus. Der Kater aus der westlichen Schwarzmeerprovinz Zonguldak stürzte vom Balkon eines Wohnhauses 30 Meter in die Tiefe. Nachbarn fanden den verletzten Kater und informierten seinen Besitzer, den jungen Studenten Kamarun Mammadil. Der tat das einzig Richtige: Er suchte mit Ares sofort die nächste Tierklinik auf.

Dort angekommen diagnostizierte Tierarzt Önder Alkan mehrere komplizierte Knochenbrüche in Ares‘ Hinterläufen. Auch seine Lunge bereitete dem Mediziner Sorgen. Die anschließende Operation verlief jedoch gut.

Ares ist außer Lebensgefahr, befindet sich aber noch auf der Intensivstation. Dort muss er nun ein paar Tage im Sauerstoffzelt ausharren, bevor er zurück zu seinem Halter darf.

Der Tierarzt ist zuversichtlich, was Ares‘ Genesung angeht:

„Die Genesung wird einige Zeit in Anspruch nehmen, allerdings hat unser Patient die erste und schwierigste Hürde bereits überwunden. Wir gehen davon aus, dass er in knapp zwei Wochen wieder erste Gehversuche unternehmen kann.“



Wie genau es zu Ares' Absturz kommen konnte, ist nicht bekannt. Fakt ist jedoch: Freiheitsdrang, Jagdfieber oder Langeweile in Kombination mit einem versehentlich offen gelassenen Fenster oder einem ungesicherten Balkon führen schnell zum Absturz.

Generell gilt: Stürze aus geringer Höhe, etwa zweiter bis vierter Stock, enden oft fataler als jene aus größerer Höhe. Und: Auch in der Wohnung können Katzen stürzen und sich mitunter schwer verletzen.


Katze stürzt aus großer Höhe und überlebt – wie ist das möglich?

Katzen sind von Natur aus die geborenen Akrobaten. Der sogenannte Umdrehreflex sorgt dafür, dass sie sich auch im freien Fall aus der Rückenlage heraus blitzschnell drehen und ihren Körper samt allen vier Pfoten in die richtige Landeposition bringen können. Der Umdrehreflex ist bereits in der siebten Lebenswoche vollständig ausgebildet.

Für das erfolgreiche Ausrichten des Katzenkörpers im freien Fall ist eine gewisse Distanz vonnöten: Bei einem Sturz aus geringer Höhe, ungefähr unterhalb von zwei Metern, kann sich die Katze ungleich schwerer verletzen als bei Stürzen aus größerer Höhe. Ihr bleibt schlichtweg zu wenig Zeit, um ihren Körper optimal auszurichten.

Abessinier schaut von Balkon auf Straße
Katzen sind sehr neugierig und reaktionsfreudig, was nicht selten zu Unfällen führt. ©shutterstock.com

Im Jahr 1987 machten New Yorker Tierärzte eine interessante Beobachtung bei Katzen, die wegen Fensterstürzen eingeliefert worden waren: Die Überlebenschance der Katzen sank zunächst mit steigender Höhe, wurde ab dem siebten Stockwerk jedoch wieder etwas größer.

Zu erklären ist dies mit der Fallgeschwindigkeit, die nicht stetig zunimmt, sondern einen Grenzwert erreicht und von da an konstant bleibt. Bei Katzen liegt dieser Grenzwert bei 100 km/h. Bei großer Fallhöhe hat die Katze genug Zeit, ihren Körper exakt auszurichten. Auch ihr flexibles Skelett erhöht die Überlebenschancen deutlich.
 

Stürze aus geringer Höhe nicht unterschätzen

Stürzt eine Katze aus geringer Höhe, gelingt ihr die Ausrichtung nicht immer komplett. Kritisch wird das nicht nur bei Stürzen aus den unteren Etagen, sondern auch in der Wohnung. Stürze von Regalen und Schränken, bei denen mitunter auch Einrichtungsgegenstände wie Blumenvasen oder zerbrechliche Deko-Artikel mitgerissen werden, bergen das zusätzliche Risiko von Schnittwunden. 

Je nach dem, auf welchem Untergrund die Katze aufkommt, endet ein Absturz aus scheinbar geringer Höhe mit Prellungen, Knochenbrüchen oder Zahnfrakturen. Ein unglücklicher Aufprall auf harte Kanten, beispielsweise auf Tisch- oder Heizungskanten, kann zu inneren Verletzungen führen.

Vor allem Kitten, die Entfernungen und Sprunghöhen noch nicht richtig einschätzen können, laufen Gefahr, beim Spielen und Toben abzustürzen. Auch ältere Katzen, die durch gesundheitliche Handicaps in ihrer Sehkraft oder ihrem Gleichgewichtssinn eingeschränkt sind, treten öfter mal daneben. Unglückliche Zufälle können jedoch selbst routinierte Kletterer zu Fall bringen!
 

Nach einem Sturz zeigen Katzen folgende Symptome

Katzen sind Meister darin, ihre Schmerzen vor uns zu verbergen. Nach einem Absturz wirken viele von ihnen äußerlich unversehrt, doch der Schein trügt. Folgende Warnezeichen deuten darauf hin, dass die Katze abgestürzt ist oder ein stumpfes Trauma erlitten hat:
  • Katze wird plötzlich zur „Bodenkatze“ und meidet Sprünge und Kletterpartien

  • Berührungsschmerz

  • Appetitlosigkeit, zum Beispiel infolge einer Zahnfraktur

  • Verletzungen im Bereich der Vorderpfoten und des Kopfbereiches

  • Hautabschürfungen

  • Schweratmigkeit bis hin zur Atemnot infolge eines Zwerchfell- oder Lungenrisses

  • erhöhtes Ruhebedürfnis

  • Vermehrtes Niesen mit hellen, schaumförmigen Blutbeimengungen infolge einer Lungenblutung
Gerade weil innere Verletzungen oft unsichtbar bleiben, sollte die Gefahr von Stürzen – ob aus großer oder geringer Höhe – nicht unterschätzt werden. Besteht der Verdacht, dass Ihre Katze unglücklich gestürzt ist, suchen Sie zur Sicherheit immer einen Tierarzt auf – und das schnellstmöglich!

Grau-getigerte Katze schaut durch Balkonnetz
Ein Netz macht Balkonien zum sicheren Katzendomizil. ©shutterstock.com

Machen Sie Ihr Heim für Ihre Katze absturzsicher

In puncto freier Fall setzt bei Katzen keinerlei Lerneffekt ein. Soll heißen: Nach dem Absturz ist vor dem Absturz. Deswegen gilt es, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Unfälle von vornherein zu vermeiden:
  • Fenstergitter anbringen

  • Balkon und Terrasse mit Katzennetzen sichern

  • Regale mit Winkeln an der Wand befestigen

  • Glatte Regaloberflächen mit Sisalmatten oder Teppichresten rutschfest machen

  • Möbel ggf. umstellen, um Stürze auf harte Kanten zu vermeiden

  • Dekorationsartikel und Zerbrechliches abseits neugieriger Katzenpfoten unterbringen

  • Gardinen hochbinden oder ganz abnehmen
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