Erste Hilfe Maßnahmen

Katzenbiss und Katzenkratzer: Unterschätzte Gefahr

Katzenbisse und Katzenkratzer sind nicht so harmlos, wie sie auf den ersten Blick aussehen. Sie können zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen. Erfahren Sie hier alles über Gefahren, Behandlung und Vorbeugung von Katzenbissen und Katzenkratzern.
 
Katze beißt in Hand © shutterstock.com/Bogdan Sonjachnyi
Beinahe jeder Katzenhalter wird einmal von seiner Katze gebissen.
Katzenbiss und Katzenkratzer dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Auch wenn zwei kleine rote Punkte oder eine feine rote Linie meist alles sind, was nach einem Katzenbiss oder Katzenkratzer auf der Haut sichtbar ist. Ein deutlicher Schmerz kurz nach dem Biss, der aber bald wieder abklingt. Die Wunde blutet in der Regel kaum und schließt sich schnell wieder. Und genau darin liegt die Gefahr. Frau Dr. Andrea Hollmann ist Tierärztin in München. Mit Tierbissen hat sie häufiger zu tun. Sie erklärt, warum Bisse von Katzen so tückisch sein können: 

„Die spitzen, langen Zähne der Katze sind mit Nadeln vergleichbar. Sie perforieren die Haut und gehen tief in die Weichteile. Äußerlich sieht man nur eine kleine Verletzung, die sich schnell wieder schließt. Doch darunter arbeiten die Bakterien weiter. Blut und sich bildender Eiter können nicht abfließen.“ 

Bei einem Katzenbiss wird die Wunde durch die äußere Unauffälligkeit oft unterschätzt. Bei offenen Verletzungen werden die Bakterien durch die Blutung aus der Wunde geschwemmt. Hat die Wunde sich aber bereits wieder geschlossen, hat der Körper keine Möglichkeit mehr, Bakterien loszuwerden. Nicht selten entstehen so heftige Infektionen unter der Oberfläche, die sich zudem im Körper ausbreiten können. 
 
Katzenbisse sind keine Bagatellverletzungen, sondern bedürfen wegen des Infektionsrisikos einer umgehenden ärztlichen Behandlung.

Katzenbiss oder Katzenkratzer: Das ist entscheidend

Bis zu 50 Prozent der Katzenbisse infizieren sich, was sie nach Menschenbissen zu der gefährlichsten Art von Bissverletzungen macht. Abhängig ist das Infektionsrisiko von:
  • der Tiefe der Wunde
  • der betroffenen Körperstelle
  • dem Gesundheitszustand der Katze, die den Biss zugefügt hat
Meist entstehen Bissverletzungen an der Hand, die der Katze in einem unpassenden Moment zu nahe gekommen ist. Dort bohren sich die spitzen Zähne schnell bis zu den Sehnen oder Knochen, da diese hier direkt unter der Haut liegen. Sehnen und Sehnenscheiden sind schlecht durchblutet, deswegen können sich Bakterien unter Umständen vermehren, bevor das Immunsystem des Körpers eingreift. Entlang der Sehnen können Erreger leicht in andere Körperregionen wandern und, wenn sie in die Blutbahn gelangen, im schlimmsten Fall zur Blutvergiftung führen. 

Bei Kratzverletzungen kommt es darauf an, ob sie oberflächlich oder tief sind. Krallen bleiben auch mal hängen und schneiden dadurch sehr tief ein.“ Dann sind Kratzverletzungen – beim Tier wie auch beim Menschen – genauso gefährlich wie Bisse und sollten ebenso behandelt werden. Zwar gelangt hier in der Regel kein Speichel in die Wunde – dafür tragen vor allem Freigänger jede Menge Schmutz und Bakterien an den Krallen. Daher ist auch bei Kratzern die Gefahr einer Tetanusinfektion hoch – der Erreger befindet sich auch im Erdreich und gelangt sogar über oberflächliche Wunden in den Körper.
  
 Katze kratzt am Arm eines Menschen
Auch Katzenkratzer können sich stark entzünden. (c)shutterstock.com/osobystist​

Diese Krankheiten drohen durch Katzenbisse und -kratzer 

Ein Katzenbiss kann viele Krankheiten verursachen, auch wenn die Katze selbst nicht an einer schweren Krankheit leidet. Schon kleinere Hygienemängel können bereits einen entscheidenen Unterschied machen. „Hat die Katze zum Beispiel starke Zahnbeläge oder eine Entzündung im Maul, sind deutlich mehr Bakterien im Speichel, die leichter übertragen werden“, weiß Tierärztin Dr. Hollmann. Diese Krankheiten drohen zum Beispiel durch einen Katzenbiss:
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Entzündung der Herzinnenhaut (Endokartitis)
  • Amputation der betroffenen Gliedmaßen kann nötig werden.
Ein Katzenbiss muss immer als medizinischer Notfall betrachtet werden! Wenn der Impfschutz der Katze oder des Menschen nicht vollständig ist, drohen weitere Krankheiten wir Tollwut oder Tetanus:
  • Die Tollwut  ist ein Virus, der immer tödlich verläuft. Wenn Sie von einem unbekannten Tier gebissen wurden, insbesondere im Ausland, ist eine genaue Impfberatung durch einen Arzt dringend nötig. 
  • Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) handelt es sich um eine durch ein Bakterium verursachte Infektion. Die Sporen des Bakteriums sondern Gift ab, das in die Nervenbahn gelangt und schwere Krämpfe und Lähmungen auslöst. Der eigene Impfschutz gegen Tetanus ist daher äußerst wichtig und sollte regelmäßig aufgefrischt werden. Besteht zum Zeitpunkt des Bisses kein Impfschutz mehr, wird in der Regel sofort eine Auffrischung durchgeführt.  
Nach Katzenbissen oder -kratzern kann es in seltenen Fällen zur Katzenkratzkrankheit kommen. Die durch ein Bakterium verursachte Infektion befällt in erster Linie die Lymphknoten und kann von grippeähnlichen Symptomen begleitet werden. In der Regel heilt die Krankheit von alleine aus, es kann aber zu Komplikationen kommen. Menschen mit einer Immunschwäche sind besonders gefährdet.

Erste Hilfe Maßnahmen nach Katzenbiss und Katzenkratzer

Wenn Sie von einer Katze gekratzt oder gebissen wurden, sollten Sie Folgendes tun:
  • Jede Wunde sofort gründlich reinigen und desinfizieren.
  • Sterilen Wundverband anlegen und ruhigstellen, bei tieferen Wunden zeitnah einen Arzt aufsuchen. 
  • Impfstatus und Gesundheitszustand der Katze überprüfen.
  • Eigenen Impfschutz überprüfen und auffrischen, wenn nötig.
  • Die Wunde aufmerksam beobachten und Veränderungen sofort ärztlich untersuchen lassen. 
Bei einem tiefen Biss rät Tierärztin Dr. Hollmann, immer zu einem Arzt zu gehen. Entzündungen können innerhalb weniger Stunden entstehen, und wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden, drohen schwere Komplikationen. Das infizierte Gewebe muss herausgeschnitten werden – je nach Schwere der Infektion unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose. Deswegen: lieber einmal zu viel zum Arzt, als einmal zu wenig. 
 
„24 Stunden nach dem Biss sollte die Stelle nochmals besonders aufmerksam beobachtet werden: Tritt erneut Schmerz auf, der direkt nach dem Biss in der Regel schnell wieder abklingt, ist die Wunde geschwollen, eitert oder ist ein starker Bluterguss erkennbar, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen“, warnt Dr. Hollmann. Das gilt erst recht, wenn sich ein roter Strich von der Wunde wegzieht – ein klares Zeichen für eine Blutvergiftung.

Katzenbisse und Katzenkratzer richtig vorbeugen

Um Verletzungen wie Katzenbisse oder Katzenkratzer von vorneherein zu vermeiden, rät Tierärztin Dr. Hollmann auch Haltern zu einem ruhigen und sanften Umgang mit der Katze. „Auch wenn man besorgt über den Gesundheitszustand des Haustieres ist, sollte man nicht hektisch werden und vor der Katze herumfuchteln.“ Wenn die Katze schnell zum Tierarzt muss und nicht in ihre Transportbox will, rät Dr. Hollmann, ein dickes Handtuch über die Katze zu legen und das Tier mit dem Tuch sanft in die Box zu schieben. Auf lange Sicht sollte die Katze natürlich durch geduldiges Training an die Box gewöhnt werden, sodass sie freiwillig und gerne die Box betritt, wenn es nötig ist. „Bestrafungen oder Anschreien sind völlig fehl am Platz – die Katze versteht es nicht, es verschärft nur die Situation und erzeugt einen Vertrauensbruch“, so die Tierärztin.
 
Katzen, die dauerhaft durch aggressives Verhalten wie Kratzen oder Beißen auffallen, sollten dringend medizinisch untersucht werden. Schmerzen oder Stoffwechselkrankheiten können zu diesem Verhalten führen und müssen ausgeschlossen werden. Besteht das Problem weiterhin, obwohl die Katze körperlich gesund und genügend ausgelastet ist, kann gegebenenfalls ein Tierpsychologe weiterhelfen.
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