Erste Hilfe Maßnahmen

Katzenbiss und Katzenkratzer: Unterschätzte Gefahr

Katzenbisse und Katzenkratzer sind nicht so harmlos, wie sie auf den ersten Blick aussehen. Diese Erfahrung machte auch Chantelle Hudson. Ihre sechsjährige Tochter Alice wäre beinahe gestorben – nur weil ihr geliebter Kater Tigger sie im Spiel mit dem Catnip-Kissen mit einem Zahn erwischte
 
 
Katze beißt in Hand © shutterstock.com/Bogdan Sonjachnyi
Beinahe jeder Katzenhalter wird einmal von seiner Katze gebissen.
Zwei kleine rote Punkte waren alles, was auf der Haut der sechsjährigen Alice zu sehen war, als sie im gemeinsamen Spiel von ihrem Kater Tigger gebissen wurde. Mutter Chantelle desinfizierte die Wunde und schon konnte die kleine Alice mit ihrem Kater weiterspielen. Doch als Alice am nächsten Tag über starke Schmerzen im Arm klagte, brachte Chantelle ihre Tochter zum Arzt. Hier folgt die Schockdiagnose: Alices Arm hat sich durch Bakterien aus dem Katzenmaul innerhalb kurzer Zeit stark entzündet. Blutvergiftung und Hirnhautentzündung drohen, die kleine Alice muss sofort operiert werden. Alles nur wegen einem Katzenbiss! Das entzündete Gewebe im Arm muss komplett entfernt werden, die kleine Alice bekommt vier verschiedene Antibiotika – erst nach drei Tagen darf sie das Krankenhaus wieder verlassen. 

Als mein kleines Mädchen in dem großen Krankenbett lag, überlegte ich, was mit Tigger passieren soll. Aber dann wurde mir klar, dass es einfach ein Unfall war. Tigger wollte sie nicht verletzen, die beiden sind die besten Freunde,“ sagte Alices Mutter. 
 
Kind streichelt getigerte Katze
Beim Spielen mit ihrer Katze geschah das Unglück (Symbolbild)    (c)shutterstock.com/ Tomas K
 

Deshalb sind Katzenbiss und Katzenkratzer so gefährlich

Katzenbiss und Katzenkratzer dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden, wie dieser aktuelle Fall zeigt. Auch wenn zwei kleine rote Punkte oder eine feine rote Linie meist alles sind, was nach einem Katzenbiss oder Katzenkratzer auf der Haut sichtbar ist. Ein deutlicher Schmerz kurz nach dem Biss, der aber bald wieder abklingt. Die Wunde blutet in der Regel kaum und schließt sich schnell wieder. Und genau darin liegt die Gefahr. Frau Dr. Andrea Hollmann ist Tierärztin in München. Mit Tierbissen hat sie häufiger zu tun. Sie erklärt, warum Bisse von Katzen so tückisch sein können: 

„Die spitzen, langen Zähne der Katze sind mit Nadeln vergleichbar. Sie perforieren die Haut und gehen tief in die Weichteile. Äußerlich sieht man nur eine kleine Verletzung, die sich schnell wieder schließt. Doch darunter arbeiten die Bakterien weiter. Blut und sich bildender Eiter können nicht abfließen.“ 
 
Bei einem Katzenbiss wird die Wunde durch die äußere Unauffälligkeit oft unterschätzt. Bei offenen Verletzungen werden die Bakterien durch die Blutung aus der Wunde geschwemmt. Hat die Wunde sich aber bereits wieder geschlossen, hat der Körper keine Möglichkeit mehr, Bakterien loszuwerden. Nicht selten entstehen so heftige Infektionen unter der Oberfläche, die sich zudem im Körper ausbreiten können. 
 
Katzenbisse sind keine Bagatellverletzungen, sondern bedürfen wegen des Infektionsrisikos einer umgehenden ärztlichen Behandlung.
Deutsches Ärzteblatt 93, Heft 15, 12. April 1996 (49), S. A-969 – A-972
 

Katzenbiss? Das ist jetzt entscheidend

Bis zu 50 Prozent der Katzenbisse infizieren sich, was sie nach Menschenbissen zu der gefährlichsten Art von Bissverletzungen macht. Abhängig ist das Infektionsrisiko von der Tiefe der Wunde, der betroffenen Körperstelle und davon, wie gesund die Katze ist, die den Biss zugefügt hat. Meist entstehen Bissverletzungen an der Hand, die der Katze in einem unpassenden Moment zu nahe gekommen ist. Dort bohren sich die spitzen Zähne schnell bis zu den Sehnen oder Knochen, da diese hier direkt unter der Haut liegen. Sehnen und Sehnenscheiden sind schlecht durchblutet, deswegen können sich Bakterien unter Umständen vermehren, bevor das Immunsystem des Körpers eingreift. Entlang der Sehnen können Erreger leicht in andere Körperregionen wandern und, wenn sie in die Blutbahn gelangen, im schlimmsten Fall zur Blutvergiftung führen. 
 

Erste Hilfe Maßnahmen nach Katzenbiss und Katzenkratzer

  • Jede Wunde sofort gründlich reinigen und desinfizieren.
  • Sterilen Wundverband anlegen und ruhigstellen, bei tieferen Wunden zeitnah einen Arzt aufsuchen. 
  • Impfstatus und Gesundheitszustand der Katze überprüfen.
  • Eigenen Impfschutz überprüfen und auffrischen, wenn nötig.
  • Die Wunde aufmerksam beobachten und Veränderungen sofort ärztlich untersuchen lassen. 
 

Diese Krankheiten drohen durch Katzenbiss 

Hat die eigene oder zumindest eine bekannte Katze zugebissen, sollte zunächst nachgefragt werden: Wir steht es um die Impfung  der Katze? Hierzulande sollten alle Katzen gegen Tollwut und Tetanus geimpft sein. 
 
Die Tollwut  ist ein Virus, der immer tödlich verläuft. Wenn Sie von einem unbekannten Tier gebissen wurden, insbesondere im Ausland, ist eine genaue Impfberatung durch einen Arzt dringend nötig. 
 
Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) handelt es sich um eine durch ein Bakterium verursachte Infektion. Die Sporen des Bakteriums sondern Gift ab, das in die Nervenbahn gelangt und schwere Krämpfe und Lähmungen auslöst. Der eigene Impfschutz gegen Tetanus ist daher äußerst wichtig und sollte regelmäßig aufgefrischt werden. Besteht zum Zeitpunkt des Bisses kein Impfschutz mehr, wird in der Regel sofort eine Auffrischung durchgeführt.  
 
Doch auch wenn die Katze nicht an einer schweren Krankheit leidet, können kleinere Hygienemängel beim Katzenbiss bereits einen entscheidenden Unterschied machen. „Hat die Katze zum Beispiel starke Zahnbeläge oder eine Entzündung im Maul, sind deutlich mehr Bakterien im Speichel, die leichter übertragen werden“, weiß Tierärztin Dr. Hollmann.

Blutvergiftung (Sepsis), Hirnhautentzündung (Meningitis) und eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokartitis) können entstehen, eine Amputation der betroffenen Gliedmaßen kann nötig werden. Ein Katzenbiss muss immer als medizinischer Notfall betrachtet werden!
 

Nach Katzenbissen im Zweifelsfall sofort zum Arzt 

In jedem Fall muss eine Wunde durch Katzenbiss gründlich gereinigt, desinfiziert und verbunden werden. Bei einem tiefen Biss rät Dr. Hollmann, immer zu einem Arzt zu gehen. Entzündungen können innerhalb weniger Stunden entstehen, und wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden, drohen schwere Komplikationen. Das infizierte Gewebe muss herausgeschnitten werden – je nach Schwere der Infektion unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose. Bei besonders schweren Verläufen kann sogar eine Amputation drohen. Deswegen: lieber einmal zu viel zum Arzt, als einmal zu wenig. 
 
„24 Stunden nach dem Biss sollte die Stelle nochmals besonders aufmerksam beobachtet werden: Tritt erneut Schmerz auf, der direkt nach dem Biss in der Regel schnell wieder abklingt, ist die Wunde geschwollen, eitert oder ist ein starker Bluterguss erkennbar, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen“, warnt Dr. Hollmann. Das gilt erst recht, wenn sich ein roter Strich von der Wunde wegzieht – ein klares Zeichen für eine Blutvergiftung.
 

Katzenkratzer soll man nicht unterschätzen

Katzen mit Katzenbissen hat die Tierärztin kaum auf dem Tisch. „Katzen wehren sich gegen andere Katzen eher mit den Krallen. Bei Kratzverletzungen kommt es darauf an, ob sie oberflächlich oder tief sind. Krallen bleiben auch mal hängen und schneiden dadurch sehr tief ein.“ Dann sind Kratzverletzungen – beim Tier wie auch beim Menschen – genauso gefährlich wie Bisse und sollten ebenso behandelt werden. Zwar gelangt hier in der Regel kein Speichel in die Wunde – dafür tragen vor allem Freigänger jede Menge Schmutz und Bakterien an den Krallen. Daher ist auch bei Kratzern die Gefahr einer Tetanusinfektion hoch – der Erreger befindet sich auch im Erdreich und gelangt sogar über oberflächliche Wunden in den Körper.
  
 Katze kratzt am Arm eines Menschen
Auch Katzenkratzer können sich stark entzünden. (c)shutterstock.com/osobystist​

Gefährliche Katzenkratzkrankheit 

Nach Katzenbissen oder -kratzern kann es in seltenen Fällen zur Katzenkratzkrankheit kommen. Die durch ein Bakterium verursachte Infektion befällt in erster Linie die Lymphknoten und kann von grippeähnlichen Symptomen begleitet werden. In der Regel heilt die Krankheit von alleine aus, es kann aber zu Komplikationen kommen. Menschen mit einer Immunschwäche sind besonders gefährdet.

Katzenbisse und Katzenkratzer vermeiden: Richtig Vorbeugen

Um Verletzungen wie Katzenbisse oder Katzenkratzer von vorneherein zu vermeiden, rät Dr. Hollmann auch Haltern zu einem ruhigen und sanften Umgang mit der Katze. „Auch wenn man besorgt über den Gesundheitszustand des Haustieres ist, sollte man nicht hektisch werden und vor der Katze herumfuchteln.“ Wenn die Katze schnell zum Tierarzt muss und nicht in ihre Transportbox will, rät Dr. Hollmann, ein dickes Handtuch über die Katze zu legen und das Tier mit dem Tuch sanft in die Box zu schieben. Auf lange Sicht sollte die Katze natürlich durch geduldiges Training an die Box gewöhnt werden, sodass sie freiwillig und gerne die Box betritt, wenn es nötig ist. „Bestrafungen oder Anschreien sind völlig fehl am Platz – die Katze versteht es nicht, es verschärft nur die Situation und erzeugt einen Vertrauensbruch.“
 
Um eine ängstliche oder aggressive Katze zu entspannen, kann man auch auf Pheromone zurückgreifen. Die körpereigenen Botenstoffe, die auch Katzenmütter an ihre Kitten weitergeben, entspannen die Katze gegenüber dem Halter, aber auch gegenüber anderen Katzen. Auch Futter mit organischen Botenstoffen, die beruhigen sollen, gibt es mittlerweile. 
 
Katzen, die dauerhaft durch aggressives Verhalten wie Kratzen oder Beißen auffallen, sollten dringend medizinisch untersucht werden. Schmerzen oder Stoffwechselkrankheiten können zu diesem Verhalten führen und müssen ausgeschlossen werden. Besteht das Problem weiterhin, obwohl die Katze körperlich gesund und genügend ausgelastet ist, kann gegebenenfalls ein Tierpsychologe weiterhelfen.
 
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