Therapie aus dem Napf

Medizinische Diäten für Katzen

Die Ernährung einer Katze sollte auf ihre individuellen Bedürfnisse und den Gesundheitszustand zugeschnitten sein. Vor allem chronische Patienten profitieren von einer passenden Diät.
 
Katze frisst Nassfutter. © shutterstock.com
Für chronisch kranke Katzen eignen sich medizinische Diäten, um die Therapie zu unterstützen.
Neben der Gabe von Medikamenten kann auch die Ernährung einen wichtigen Beitrag in der Therapie chronischer Krankheiten leisten. Doch auch Katzen, die aufgepäppelt werden müssen oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen, können von der richtigen Futterwahl profitieren. Mittlerweile gibt es für viele Krankheiten eine passende Diät.
 

Kranke Katzen aufpäppeln und die Rekonvaleszenz unterstützen

Während der Erholungsphase nach operativen Eingriffen, Unfällen oder schweren Erkrankungen brauchen Katzen ein leicht verdauliches, hochkalorisches und gehaltvolles Futter, um schnell wieder zu Kräften zu kommen.

Es sollte zudem besonders schmackhaft sein, damit der Patient es auch frisst: Ein hoher Protein- und Fettgehalt wirkt auf viele Katzen attraktiv, gleichzeitig kann die Akzeptanz des Futters durch eine Erwärmung auf Körpertemperatur erhöht werden.
 

Reduzierter Jodgehalt für Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) gerät die Hormonproduktion in der Schilddrüse aus dem Gleichgewicht: Es werden zu viele aktive Schilddrüsenhormone gebildet, was den Stoffwechsel der Katze und – im späteren Verlauf – das Herz und das Nervensystem negativ beeinflusst. Besonders betroffen sind Katzensenioren ab 13 Jahren.

Da die Schilddrüsenhormone nur mithilfe des Spurenelements Jod gebildet werden können, kann die ausschließliche (!) Fütterung einer jodarmen Spezialnahrung helfen, die Symptome der Krankheit zu lindern. Zusätzlich ist der Phosphor- und Natriumgehalt von Schilddrüsen-Diäten auf den Bedarf älterer Katzen abgestimmt, um die Nieren nicht unnötig zu belasten.
 

Katzen mit Diabetes brauchen mehr hochwertiges Protein

Vor allem übergewichtige Katzen erkranken an Diabetes mellitus: Schuld ist eine zu kohlenhydratreiche Ernährung, die zu einer Resistenz gegen das körpereigene Hormon Insulin führt. Insulin wird benötigt, damit Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangen und dort als Energiequelle genutzt werden kann. Zuckerkranke Katzen trinken daher vermehrt und setzen große Mengen Urin ab, um den überschüssigen Zucker auszuscheiden, der sich im Blutkreislauf ansammelt. Unbehandelt führt Diabetes zu Muskelschwächung und Nervenschädigungen.

Bei Diabetes-Patienten ist eine Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion essentiell. Entsprechendes Futter sollte protein- und fettreich sein, der Kohlenhydratanteil so gering wie möglich.

Wichtig ist zudem eine feste Fütterungsroutine: Katzen, die eine Insulintherapie erhalten und täglich gespritzt werden, sollten mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt und zu gleichbleibenden Zeiten erhalten, um gefährlichen Blutzucker-Schwankungen vorzubeugen.

Dicke Katze putzt sich.
Für übergewichtige Patienten ist Abspecken essentiell. ©shutterstock.com
 

Herzkranke Katzen nach Maß füttern

Die Ernährung herzkranker Katzen wird in tierärztlichen Beratungsgesprächen oft vernachlässigt, dabei kann sie einen wertvollen Beitrag zur Therapie leisten. Insbesondere Übergewicht birgt ein hohes Risiko, denn durch die Dauerbelastung des Herz-Kreislauf-Systems schreitet eine Herzkrankheit schneller voran.

Das Abnehmen sollte jedoch sehr langsam (1 bis 2 Prozent Gewichtsabnahme pro Woche) und unter Schonung der eigenen Proteinreserven erfolgen. Auch der Natrium-, Kalium- und Magnesiumgehalt des Futters spielt eine besondere Rolle und sollte in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt auf die jeweilige Medikation abgestimmt werden.
 

Harnwegserkrankungen mit dem richtigen Futter vorbeugen

Erkrankungen der unteren Harnwege (FLUTD) äußern sich bei Katzen durch sterile Blasenentzündungen, Harnsteine oder Harngries. Ihnen ist gemein, dass sie mit starken Schmerzen und erheblichen Schwierigkeiten beim Urinabsatz einhergehen. Erkrankte Katzen suchen überdurchschnittlich oft das Katzenklo auf, können aber nur winzige Mengen Urin absetzen. Übergewicht, Bewegungsmangel, eine feuchtigkeitsarme Ernährung und Stress erhöhen das Krankheitsrisiko.

Die Futterwahl bildet bei FLUTD einen wichtigen Pfeiler der Therapie. Hat die Katze immer Trockenfutter erhalten, ist eine schrittweise Umstellung auf Feuchtfutter anzuraten. Um das Risiko der Harnsteinbildung zu minimieren sind Harnwegs­diäten in ihrem Mineralstoffgehalt reduziert; zu den „Übeltätern“ zählen hier vor allem Magnesium, Kalzium, Phosphor und Natrium. Ein optimaler Gehalt an Omega-3-Fettsäuren hilft hingegen bei Entzündungsprozessen, während die Zugabe von L-Tryptophan und Milchproteinhydrolysat Stress mindern sollen.

Auch der pH-Wert des Futters spielt eine wichtige Rolle – besonders dann, wenn die Katze an Struvitsteinen leidet. Spezielle Diäten erhöhen den pH-Wert im Urin (er wird also saurer), was die Struvitkristalle und -steine auflöst. Zusätzlich zu jeder Harnwegsdiät sollte die Katze zum Trinken animiert werden, zum Beispiel durch mehrere Wasserstellen und einen Trinkbrunnen. Stressfaktoren sollten ausgeschalten werden.
 

Die Nieren der Katze mit der richtigen Diät schonen

Die Nieren sind dafür zuständig, Schadstoffe aus dem Körper zu filtern. Ist dieses wichtige Organ in seiner Funktion eingeschränkt, spricht man von einer Niereninsuffizienz, die bei vielen Katzen chronisch verläuft ( CNI ).

Bei der Entlastung der Nieren spielt eine Ernährung, die an den Schweregrad der Erkrankung angepasst ist, eine wichtige Rolle. Im Frühstadium sollte der Gehalt an Phosphor und Natrium reduziert sein, um die Nieren zu schonen.

Im fortgeschrittenen Stadium sollte zudem auf den Proteingehalt im Nierendiätfutter geachtet werden: Durch den Abbau von Proteinen entsteht Harnstoff, der sich durch die eingeschränkte Nierenleistung im Blut ansammelt und die Katze so schleichend von innen vergiftet. Daher ist der Proteingehalt in Nierendiäten reduziert, während gleichzeitig auf besonders hochwertige Proteinquellen geachtet wird.

Ein Problem bei nierenkranken Katzen stellt zudem mangelnder Appetit dar: Deswegen ist Schmackhaftigkeit bei Nierendiäten so wichtig.
 

Katzen mit Lebererkrankungen brauchen leichtverdauliche Kost

Neben den Nieren ist auch die Leber unverzichtbar für den Stoffwechsel der Katze. Die Aufgaben der Leber sind vielfältig: Sie wirkt an der Fettverdauung und am Zuckerstoffwechsel mit, ist an der Entgiftung beteiligt und fungiert als Speicherorgan. Genauso facettenreich wie ihre Aufgaben sind auch die Symptome, die bei einer Beeinträchtigung der Leberfunktion auftreten können. Das wohl auffälligste Anzeichen ist eine Gelbfärbung der Haut und der sichtbaren Schleimhäute, auch Ikterus genannt. Erst bei einem Verlust von 70 Prozent des Lebergewebes zeigen sich Funktionsausfälle und damit eindeutige Symptome.

Der Ernährung kommt bei der Therapie von Lebererkrankungen ein bedeutsamer Stellenwert zu. Leberdiäten bestehen aus hochkonzentrierten und leicht verdaulichen Makronährstoffen. Der Proteingehalt wird reduziert, der übrige Anteil aus besonders hochwertigen Quellen gewonnen. Komplexe Kohlenhydrate helfen dabei, den Blutzucker konstant zu halten. Somit wird die Leber entlastet. Ein gesteigerter Fettanteil erhöht zudem Akzeptanz und Energiegehalt des Futters.
 

Katzen mit Allergien müssen konsequent mit einer passenden Diät ernährt werden

Bei manchen Katzen können bestimmte Futterbestandteile eine Überreaktion des Immunsystems hervorrufen – man spricht dann von einer Futtermittelallergie. Diese kann jederzeit und aus heiterem Himmel auftreten, egal wie lange das entsprechende Futter bereits gefüttert wurde.

Als Auslöser gelten häufig bestimmte Eiweißquellen, seltener auch andere Futterbestandteile wie Verdickungsmittel, Farbstoffe oder Konservierungsstoffe. Bei einer Futtermittelallergie bildet das Immunsystem fälschlicherweise Antikörper gegen diese Stoffe: Die Folge sind Magen-Darm-Beschwerden (Erbrechen, Durchfall) und/oder verschiedene Hautreaktionen (Juckreiz, schuppiges und glanzloses Fell).

Die Diagnose einer Futtermittelallergie ist ein langwieriges Unterfangen: Mithilfe einer Eliminationsdiät, bei der die Katze eine ihr bisher unbekannte Proteinquelle erhält, und einer anschließenden Provokationsdiät lässt sich der allergieauslösende Bestandteil identifizieren. Fortan gilt es, diesen strikt zu meiden und auf ein hypoallergenes Futter umzusatteln.

Katze kratzt sich.
Juckreiz ist meist das erste Symptom einer Futtermittelallergie. ©shutterstock.com

Oftmals tritt dann bereits eine Besserung ein. Der gesamte Vorgang erfordert viel Geduld und Konsequenz, doch damit nicht genug: Da durch die schiere Fülle an kommerziellen Alleinfutter-Sorten viele Katzen bereits in Kontakt mit mehreren Eiweißquellen gekommen sind, gestaltet sich eine Eliminationsdiät bei vielen Samtpfoten als schwierig.

Hoffnung bieten Allergikerfutter aus hydrolysierten Proteinen: Bei dem Prozess der Hydrolyse werden die Proteine durch bestimmte Enzyme so stark zerkleinert, dass das Immunsystem die Art des Proteins nicht mehr erkennt und dementsprechend nicht darauf reagiert. Auch BARF, also die Rohfütterung mit selbst zubereiteten Rationen, kann bei Futtermittelallergien große Erfolge erzielen, erfordert aber auch viel Wissen um die speziellen Ernährungsbedürfnisse der Katze.
 

Für Katzen mit IBD steht Schonkost auf dem Speiseplan

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (IBD) gehen mit Durchfall, Erbrechen und Mangelerscheinungen einher und treten schubweise auf. Bevor die Diagnose gestellt wird, müssen zahlreiche andere Krankheiten ausgeschlossen werden. Häufig begüns­tigen Futtermittelunverträglichkeiten die entzündlichen Prozesse und können Krankheitsschübe auslösen.

Auch hier steht also eine Ausschlussdiät auf dem Programm: Im günstigsten Fall kann die Umstellung auf ein hypoallergenes Futter die Symptome bereits lindern, auch wenn die Krankheit an sich nicht heilbar ist. Durch die Fütterung einer Spezialdiät, in Absprache mit dem Tierarzt, können Katzen mit IBD dennoch ein erfülltes Leben führen.
 

Mit Spezialfutter durch stressige Zeiten

Katzen sind sehr sensible Tiere und reagieren äußerst empfindlich auf stressige Situationen und Veränderungen in ihrem Umfeld. Spezielle Futtermittel können in Stressperioden und bei gesteigerter Ängstlichkeit helfen, sowie bei verhaltenstherapeutischen Maßnahmen unterstützend wirken.

Katze sitzt in Transportbox.
Ein Ortswechsel ist für viele Katzen mit Stress verbunden. ©shutterstock.com

Für Stresslinderung sorgen beispielsweise Alpha-Casozepin, ein Eiweißbaustein der Milch mit angstlösenden Eigenschaften, und die Aminosäure L-Tryptophan, eine Vorstufe des „Glückshormons“ Serotonin. Auch die Zugabe des wasserlöslichen Vitamins B3, das im zentralen Nervensystem wie ein angstlösendes Beruhigungsmittel wirkt, zeichnet Anti-Stress-Futtermittel aus.

Natürlich sind diese allein kein Allheilmittel: Die Lebensumstände der Katze müssen insgesamt verbessert und chronischer Stress reduziert werden. Nichtsdestotrotz können sie sich positiv auf die Psyche auswirken. Steht eine planbare Stresssituation wie ein Umzug an, sollte mit der Fütterung des Spezialfutters rechtzeitig begonnen werden (ungefähr zwei Wochen vorher), damit die Katze von der Wirkung des Futters profitieren kann.
 
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