Gesundheitsvorsorge

Kastration von Katze und Kater

Die Kastration von Katze und Kater ist ein Routineeingriff, der nicht nur unerwünschten Nachwuchs verhindert, sondern gleichzeitig das Zusammenleben von Katze und Mensch wesentlich erleichtert. Informieren Sie sich über Ablauf, Vorteile, Zeitpunkt und Kosten.
 
Die Kastration verhindert weite Streifzüge und damit verbundene Gefahren. © shutterstock.com
Die Kastration von Katze und Kater wirkt sich auch auf das Revierverhalten der Tiere aus.
In rund acht Millionen deutschen Haushalten sind Katzen ein Teil der Familie. Die Zahl jener Katzen, die tagtäglich auf Bauernhöfen, Schrottplätzen, auf der Straße oder auch in der Nachbarschaft ums nackte Überleben kämpfen, ist jedoch deutlich höher. Die Tierheime ächzen unter der Flut neugeborener Kätzchen, die nicht einfach entsorgt oder ausgesetzt wurden. Unkontrollierte Vermehrung führt zu Tierleid, dem nur durch die Kastration von Katzen und Katern vorgebeugt werden kann – ein Thema, das alle Katzenhalter betrifft. Wer seine Katze kastrieren lässt, betreibt aktiven Tierschutz!


Kastration von Katze und Kater: Ablauf und Ziel des Eingriffs

Bei einer Kastration von Katze und Kater werden die Keimdrüsen, welche die Geschlechtshormone produzieren, operativ entfernt – beim Kater also die Hoden, bei der weiblichen Katze die Eierstöcke. Ziel ist es, dass reife Ei- oder Samenzellen erst gar nicht entstehen: Kater und Katze werden unfruchtbar.

Da nach der Kastration keine Sexualhormone mehr produziert werden, treten geschlechterspezifische Verhaltensweisen nicht mehr auf. Der Eingriff verläuft beim Kater etwas einfacher als bei der Katze, muss aber in beiden Fällen unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Kastration beim Kater
Der Hodensack wird mit kleinen Einschnitten leicht geöffnet und die Hoden werden entfernt. Der Schnitt ist in der Regel so klein, dass er von alleine wieder verheilt.

Kastration bei der Katze
Bei der Katze wird die Bauchdecke geöffnet, um die Eierstöcke und einen Teil oder die gesamte Gebärmutter zu entfernen. Danach wird der Schnitt vernäht und die Fäden gegebenenfalls nach rund 10 bis 14 Tagen gezogen.
 
Achtung: Bitte eine Kastration nicht mit einer Sterilisation verwechseln!

Bei einer Sterilisation werden lediglich Ei- bzw. Samenleiter durchtrennt. Bei Katern wären die Hoden aber immer noch voll intakt. Das bedeutet, dass die Männchen zwar keinen Nachwuchs mehr zeugen könnten, aber immer noch aktiv wären, also auch weiterhin markieren, ihr Revier verteidigen und auf Brautschau gehen würden. Ebenso verhält es sich bei den Katzen, die weiterhin rollig werden würden. Bei einer Kastration hingegen werden Hoden und Eierstöcke komplett entfernt und somit ein Einfluss der Sexualhormone verhindert. Die Tiere verhalten sich dann gewissermaßen geschlechtsneutral.


Warum man Kater und Katze kastrieren lassen sollte

Neben dem Tierschutz-Aspekt ist eine Kastration auch wichtiger Teil der Gesundheitsvorsorge – und damit nicht nur für Freigänger, sondern auch für Wohnungskatzen relevant. Eine Kastration von Katze und Kater birgt viele Vorteile. Vorbei sind die wilden Nächte, ausgestanden die Rolligkeit der Katze und die Schrecken bei der Heimkehr eines vernarbten Katers. Hier die Vorteile der Kastration von Katze und Kater im Überblick:
  • Katzen werden nicht mehr rollig: In gravierenden Fällen können Katzen dauerrollig oder sogar scheinschwanger werden. Das bedeutet für Tier und Halter enormen Stress und kann die Beziehung zwischen Mensch und Katze stark belasten. Die Kastration der Katze macht dem ein Ende.

  • Die Kampfbereitschaft der Kater nimmt ab: Nach Erreichen der Geschlechtsreife, sind Kater immer fortpflanzungsfähig und sehr kampfbereit, wenn es darum geht, die Herzensdame zu erobern. Mit der Kastration nimmt die Kampfbereitschaft ab und die Verletzungsgefahr wird sehr viel kleiner.

  • Das Markieren hat ein Ende: Kater markieren ihr Revier mit stark konzentriertem Urin. Das ist nicht nur lästig und unhygienisch, sondern führt auch zu starker Geruchsbelästigung. Die Kastration des Katers macht Schluss damit.

  • Das Revierverhalten ändert sich: Katze und Kater streunen nicht mehr so ausgiebig und entfernen sich nicht mehr so weit von Zuhause. Sie werden häuslicher und wenden sich stärker ihrem Halter zu.

  • Die Lebenserwartung von Katze und Kater steigt: Da nach der Kastration von Katze und Kater sowohl das Dominanzverhalten als auch das Revierverhalten abnimmt, ist die Gefahr vor Verletzungen, Autounfällen und gefährlichen Infektionskrankheiten wie FIV oder FeLV deutlich geringer. Studien ergaben, dass kastrierte Katzen im Durschnitt etwa 10 Jahre alt werden, während unkastrierte Artgenossen durchschnittlich nur eine Lebenserwartung von fünf bis sechs Jahren haben.

Kastration schützt Kater vor vielen Gefahren.
Die Lebenserwartung unkastrierter Kater ist drastisch verkürzt. ©shutterstock.com


Wann ist der beste Zeitraum für eine Kastration von Katze und Kater?

Wann Sie Katze und Kater frühestens kastrieren lassen sollten, lässt sich nicht pauschal beantworten. Ratsam ist es aber, die Stubentiger zu kastrieren, bevor sie geschlechtsreif werden. Das ist je nach Geschlecht unterschiedlich:
  • Weibchen: geschlechtsreif mit 5 bis 9 Monaten
  • Männchen: geschlechtsreif mit 8 bis 10 Monaten
Beachten Sie auch die rassespezifischen Unterschiede: Heilige Birma, Siamkatze und Abessinier gehören zu den Frühreifen und sind bereits mit 4 bis 6 Monaten geschlechtsreif. Langhaarige Rassen sind Spätzünder und lassen sich mit der Geschlechtsreife bis zu einem Jahr Zeit.
 
Auch der Geburtszeitpunkt spielt bei der Geschlechtsreife eine Rolle: Herbst- und Winterkätzchen können bereits mit 3 bis 4 Monaten geschlechtsreif werden.
 

Info: Frühkastration von Katze und Kater

Von Frühkastration spricht man, wenn Katze und Kater noch vor Erlangung der Geschlechtsreife kastriert werden. Die Frühkastration wird bereits im Alter von wenigen Wochen durchgeführt. Um die Frühkastration gibt es viele Debatten. Die bisherigen Langzeitstudien konnten allerdings bisher keine Nachteile der Frühkastration (Entstehung von Harnwegserkrankungen, negative Auswirkungen auf die physische und psychische Entwicklung) belegen.

Wann eine Kastration bei Ihrer Katze oder Ihrem Kater frühestens durchgeführt werden soll, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Tierarzt besprechen. Auf keinen Fall darf eine unkastrierte Katze oder ein unkastrierter Kater in den Freilauf entlassen werden! Bitte bedenken Sie: Pro Jahr kann eine weibliche Katze mehrere Würfe mit ebenfalls mehreren Katzenwelpen zur Welt bringen. In nur fünf Jahren können so aus einer einzelnen Katze bis zu 13.000 Nachkommen hervorgehen – wer kümmert sich um diese Geschöpfe?
 

Kastration von Katze und Kater: Kosten

Die Kosten für die Kastration von Katze und Kater sind je nach Geschlecht unterschiedlich. Das hängt damit zusammen, dass die Kastration des Weibchens bei weitem aufwändiger ist als die Kastration des Männchens. In der aktuellen Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) der Bundestierärztekammer werden die Kosten für die Kastration von Katze und Kater wie folgt ausgezeichnet:
  • Allgemeine Untersuchung mit Beratung: 8,98 €
  • Injektionsnarkose: 19,24 €
  • Kastration der Katze: 57,72 €
  • Kastration des Katers 19,24 €
Die angegebenen Preise verstehen sich zzgl. einer Umsatzsteuer von 19 Prozent. Kosten für angewandte und abgegebene Arzneimittel, verbrauchte Materialien (z.B. Fäden) sowie für die Nachbehandlung (z.B. Fäden ziehen) können zusätzlich noch hinzukommen.
 
Beachten Sie: Die in der Gebührenordnung für Tierärzte ausgezeichneten Preise sind lediglich ein Richtwert für Tierärzte. Die Kosten für die Kastration von Katze und Kater können je nach Tierarzt unterschiedlich hoch ausfallen. Manche Tierärzte berechnen für die Kastration einen Preis in bis zu dreifacher Höhe.


Kastration von Katze und Kater: Kastrations-Mythen

Aussage: Kastrierte Kater werden fett und faul!

Stimmt, nach der Kastration von Katze und Kater ist eine Gewichtszunahme nicht unüblich. Das liegt aber nicht an der Kastration selbst, sondern daran, dass die Stubentiger für die Menge Futter, die sie zu sich nehmen, zu wenig Kalorien verbrauchen. Kastrierte Katzen und Kater sind nicht mehr so aktiv und entdecken plötzlich das Fressen als eine Art Zeitvertreib. Dem können Sie aber vorbeugen, wenn Sie sich an folgende Tipps halten:
  • Kontrolliert füttern! Der Stubentiger soll jeden Tag eine genau abgemessene Futtermenge erhalten. Diese wird in mehrere kleine Portionen aufgeteilt, die dann über den Tag verteilt gegeben werden. So gewöhnt sich die Katze bzw. der Kater an die Menge und entwickelt auch keinen Heißhunger.

  • Leckerlis nur in Maßen geben! Hin und wieder sind auch Leckerlis erlaubt, diese werden aber von der Tagesration abgezogen.

  • Zum Spielen animieren! Ablenkung durch Bewegung heißt die Devise. Durch das Spielen verbrennt der Stubentiger richtig viel Kalorien, und das Beste daran: Die Beziehung zwischen Mensch und Katze wird dadurch auch intensiver.
Die Gewichtszunahme wird oft als Nachteil der Kastration von Katze und Kater aufgeführt. Mit richtiger Ernährung und ausreichend Beschäftigung können Sie dem Dickwerden jedoch sehr leicht vorbeugen. Vor diesem Hintergrund überwiegen die Vorteile, die eine Kastration mit sich bringt, deutlich.

Aussage: Eine Katze muss mindestens einmal rollig werden/ Kätzchen gebären, bevor sie kastriert werden darf!

Dies ist ein immer noch weit verbreiteter Irrglaube. Eine Rolligkeit oder ein Wurf Kätzchen haben keinerlei Einfluss auf die weitere Entwicklung einer Katze. Im Gegenteil: Die Rolligkeit ist eine enorme hormonelle Belastung für die Katze. Davon abgesehen birgt auch eine Geburt viele Risiken für Mutterkatze und Kitten.

Aussage: Wohnungskatzen müssen nicht kastriert werden!

Wer einmal erlebt hat, wie übel der Urin von unkastrierten Katern stinkt oder wie stressig eine Dauerrolligkeit für Katze und Mensch sein kann, der wird diese Aussage schnell wiederrufen. Die Kastration bietet mehr Vor- als Nachteile, und das für alle Katzen.

Aussage: Man soll dem Kater gefälligst seinen Spaß lassen/ die Katze soll Mutterfreuden erleben dürfen!

Für Katzen hat die Fortpflanzung keinerlei emotionale Komponente. Für sie ist es reiner Trieb, der sich gegen jegliche Bedürfnisse durchsetzt. Nahrungsaufnahme und Schlaf werden nebensächlich. Die Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen ist für Kater mit allerlei Gefahren verbunden. Der Akt selbst ist für die Katze mit enormen Schmerz verbunden. Romantik oder sexueller Lustgewinn? Fehlanzeige! Das ist eine rein menschliche Projektion.

Kitten leiden häufig unter Krankheiten und Mangelernährung.
In eine harte Welt hineingeworfen, leiden viele Kitten unter Krankheiten. ©shutterstock.com
 

Hormonelle Verhütung bei Katze und Kater

Die Pille oder Verhütungs-Spritze für die Katze oder ein Hormon-Implantat für den Kater: Hormonelle Verhütungsmethoden gelten als Alternative zum operativen Eingriff, sind jedoch bei langfristiger Gabe mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Sinnvoll sind sie meist nur für professionelle Züchter, welche die Vermehrung Ihrer Zuchtkatzen kurzfristig planen möchten.

Hormonelle Verhütung bei der Katze:

Die Katze bekommt entweder wöchentlich ein gestagenhaltiges Präparat in Form einer Tablette verabreicht oder erhält in Abständen von drei bis fünf Monaten eine Gestagen-Injektion. Dadurch kann die Rolligkeit ausgeschaltet werden.

Gestagene hemmen die Bildung der Hormone FSH und LH im Gehirn. Diese Hormone sind normalerweise maßgeblich an der Fortpflanzung beteiligt. Durch ihre Deaktivierung wird die hormonelle Aktivität an den Eierstöcken und der Gebärmutter verhindert, die Rolligkeit setzt aus.

Derlei Eingriffe in den Hormonhaushalt der Katze sind nicht nebenwirkungsfrei: Bei dauerhafter Gabe kann es zu Gebärmutter- und Nierenerkrankungen, Mammatumoren, Diabetes mellitus oder Gewichtszunahme kommen.

Hormonelle Verhütung beim Kater:

Beim Kater soll ein eingepflanzter Hormon-Chip für eine kurzfristige Unfruchtbarkeit sorgen.

Das Implantat setzt über einen Zeitraum von sechs Monaten bis zu drei Jahren gleichmäßig den Wirkstoff Deslorelin frei. Dieser ähnelt dem körpereigenen Hormon GnRH, das normalerweise die Bildung von Testosteron in den Hoden in Gang setzt. Das abgegebene Deslorin signalisiert dem Körper, das genug GnRH vorhanden ist, woraufhin die Aktivität in den Hoden zurückgeht. Der Körper wird also quasi ausgetrickst. In der Folge wird der Kater wie ein kastrierter Artgenosse zeugungsunfähig.

Sobald die Wirkung des Hormon-Chips nachlässt, setzen Zeugungsfähigkeit und Sexualtrieb (mit allen Konsequenzen) wieder ein.
 
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