Einschläfern der Katze

Der Abschied von seiner geliebten Katze ist schwer. Vor allem, wenn man selbst entscheiden muss, ob man sie durch eine Einschläferung erlösen soll. Denn oft wissen Katzenhalter nicht, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Erfahren Sie hier, wie Sie diesen erkennen können, wie eine Einschläferung abläuft, welche Vorbereitungen Sie treffen sollten und wie Sie Ihre Katze in ihren letzten Stunden am besten unterstützen.
 
Über eine Einschläferung muss immer im Sinne der Katze entschieden werden. © Kristina Blokhin-stock.adobe.com
Über eine Einschläferung muss immer im Sinne der Katze entschieden werden.
Es ist keine einfache Entscheidung, ob man seine geliebte Katze einschläfern lässt oder nicht. Denn es ist nicht immer einfach zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt für den Abschied gekommen ist. Zu beurteilen, ob ein altes oder krankes Tier noch Freude am Leben hat oder ob es so sehr leidet, dass der Tod eine Erlösung ist. 

Wann ist der Tod eine Erlösung für Katzen?

Das Wichtigste ist, dass der Katzenhalter die Entscheidung über das Einschläfern unabhängig von seinen eigenen, persönlichen Bedürfnissen und Gefühlen trifft, sondern allein im Sinne und zum Wohl der Katze handelt. Auf keinen Fall darf die Mühe und Last, die die Haltung eines kranken oder alten Tieres mit sich bringt, Grund dafür sein, ein Tier einzuschläfern. Eine Katze aus dem Leben zu reißen, weil sie „nicht mehr perfekt“ oder unbequem geworden ist, ist absolut unverantwortlich und gleicht einem Verbrechen.

Andererseits ist es aber auch unverantwortlich, Schmerzen und Leiden eines Tieres zu dulden und die Augen davor zu verschließen. Auch die eigene Angst vor dem schmerzhaften Verlust darf nicht dazu führen, dass sich die Katze quälen muss. Dies ist missverstandene Liebe – auf Kosten des Tieres. Als Besitzer trägt man eine große Verantwortung für seine Katze. Sie ist auf die Fürsorge des Menschen angewiesen und muss sich darauf auch verlassen können.

Welche Kriterien sind ausschlaggebend für eine Einschläferung?

Unter der Last der Verantwortung und aus der Sorge, nicht richtig einschätzen zu können, ob eine Katze leidet oder nicht, fragen viele Tierhalter, welche Kriterien ausschlaggebend sind. Ob zum Beispiel ein blindes Tier noch Freude am Leben hat oder ob ein Tier mit Lähmungen eingeschläfert werden muss. Verständlich, schließlich möchte man in jedem Fall verhindern, sein Tier zu früh aus dem Leben zu reißen oder aber es unnötig leiden zu lassen. Es gibt sie aber nicht – die allgemeingültigen und eindeutigen Kriterien für Leid und Lebensfreude.

Ein vom Charakter sehr ruhiges Tier wird nicht viel vermissen, wenn es in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, ein Wirbelwind dagegen kann darunter sehr leiden. Eine Katze, die durch einen Tumor ein Auge verliert, verliert deshalb nicht unbedingt seine Lebensfreude. Drückt der Tumor aber auf Nerven und Gehirn, so dass das Tier seine Umwelt kaum noch wahrnehmen kann, sollte man in Erwägung ziehen, ihm diese Qual ersparen.

Kriterien, die in Bezug auf die Einschläferung einer Katze beachtet und abgewogen werden sollten, sind deshalb:
  • Art und Ausmaß der Erkrankung
  • allgemeiner Gesundheitszustand
  • Alter der Katze
  • individuelles Wesen  der Katze
In erster Linie sollten Sie auf das achten, was Ihnen Ihre Katze selbst „mitteilt“. Katzen, die starke Schmerzen haben und leiden werden sich anders verhalten als Katzen, die noch Freude am Leben haben und gut mit einer Krankheit leben können. Signale dafür, dass die Katze leidet, können sein:
  • Die Katze zieht sich zurück, nimmt nicht mehr am Leben der Menschen teil
  • Die Katze frisst nur noch wenig oder gar nicht mehr
Treten diese Situationen ein, ist das in vielen Fällen ein Zeichen dafür, dass die Katze leidet. Vor allem, wenn sie keine Nahrung mehr aufnehmen kann, ist das meist ein Alarmzeichen.

Letztlich liegt es bei Ihnen, zu entscheiden, wann die Zeit gekommen ist, Ihre Katze von ihren Leiden zu erlösen. Diese schwere Entscheidung kann Ihnen leider niemand abnehmen. Sofern Sie Zweifel haben oder Rat brauchen, sollten Sie sich an Ihren Tierarzt wenden und ihn nach seiner Meinung und Erfahrung fragen.

Leidet meine Katze beim Einschläfern?

Der Fachausdruck für Einschläfern lautet Euthanasie. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „gutes Sterben“ (Eu = gut, Thanatos = Sterben). Viele Tierhalter aber haben dennoch Bedenken, dass das Einschläfern für ihre Katze nicht „gut“, sondern schmerzhaft sein könnte. Schreckliche Gerüchte über Vierbeiner, die im Todeskampf von Krämpfen und Zuckungen gequält wurden, schüren diese Sorge. Zu Unrecht! Wird eine Katze fachgerecht eingeschläfert, hat es dabei keinerlei körperliche Schmerzen. Sie spürt den Eintritt ihres Todes nicht! 

So läuft die Einschläferung bei Katzen ab:
  • Grundsätzlich werden Tiere mit einem Narkosemittel eingeschläfert.
  • Ein so genanntes Narkotikum (Barbiturat) wird wissentlich überdosiert, d.h. in einer „zu großen“ Menge in die Blutbahn gespritzt.
  • Die Katze wird so zunächst in eine tiefe Narkose versetzt, so dass sie nicht spürt, wenn die Wirkung der Überdosis eintritt.
  • In der tiefen Narkose hört es auf zu atmen, sein Herz schlägt nicht mehr.
Katzen werden vor dem eigentlichen Einschläfern meist mit einem Beruhigungsmittel behandelt, einem so genannten Sedativum oder Neuroleptikum. Diese Spritze wird einfach in einen Muskel der Katze gegeben und bewirkt, dass sie zunächst erstmal einschläft. Erst dann, wenn sie tief und fest schläft, wird das eigentliche Narkosemittel in die Blutbahn gespritzt. Dieses „zweistufige Verfahren“ verhindert, dass bei der Spritze in die Vene eventuelle Komplikationen oder Verzögerungen auftreten können.

Obwohl sich die Katze in einer sehr tiefen Narkose befindet, kann es dennoch sein, dass ihre Muskeln zucken oder sie Harn oder Kot ablässt, wenn der Tod eintritt. Was für Beobachter schrecklich aussieht, ist aber keineswegs ein Zeichen von Schmerz oder einem Bewusstsein des Tieres. Diese Bewegungen sind rein mechanisch, ähnlich wie Reflexe – das Tier führt sie nicht bewusst aus, es spürt und merkt davon nichts!

Spüren Katzen das nahende Ende?

Um das, was Katzen im Moment ihres Todes rein körperlich spüren, brauchen sich Katzenhalter uns also keine Sorgen zu machen. Daneben bleibt aber die Frage, was die Katze in ihren letzten Tagen und Stunden „seelisch“ empfindet und erlebt. In freier Wildbahn ziehen sich Tiere vor ihrem Tod häufig zurück oder trennen sich von ihrer Gruppe: Sie ahnen den bevorstehenden Abschied und bereiten ihn instinktiv vor.

Hauskatzen spüren ebenfalls häufig, dass ihre Zeit gekommen ist. Sie trauern dann zwar, der bevorstehende Tod scheint ihnen aber keine Angst zu bereiten. Nicht etwa Panik und Todesangst, vielmehr die Gewissheit, dass die Zeit gekommen ist, scheint ihr Empfinden zu prägen. In der Regel sind es mehr der Kummer und die Angst des vertrauten und geliebten Menschen, die Unruhe bei der Katze hervorrufen.

Die Katze in den letzten Stunden unterstützen

Katzenhalter können ihre Katze in ihren letzten Stunden untersützen. Egal, ob die Katze bereits selbst spürt, dass der Tod naht, oder nicht: Wenn der Mensch sich dazu entschieden hat, seine Katze einzuschläfern, spürt diese genau, was diese Entscheidung für ihn bedeutet und in ihm auslöst. Bewahren Sie daher so gut wie möglich Ruhe und stahlen Sie Ihrer Katze gegenüber Sicherheit aus. 

Gutgemeinte Gesten wie besonders leckere Mahlzeiten, extra lange und tröstende Schmusestunden oder intensive Gespräche tun Katzen nur begrenzt gut, denn sie vermitteln ihnen, dass etwas "Schlimmes" passieren wird. Niemand kann und will Ihnen Ihre Trauer verbieten – schließlich ist der Tod eines treuen Gefährten äußerst schmerzhaft – doch versuchen Sie zum Wohl Ihrer Katze, sie Ihre eigene Verzweiflung und Hilflosigkeit nicht spüren zu lassen.

Die Einschläferung richtig vorbereiten

Wichtig ist, dass man auch die äußeren Umstände so gestaltet, dass der Katze in seinen letzten Stunden unnötiger Stress und beängstigende Aufregung erspart bleiben. Haben Sie sich für eine Einschläferung entschieden, sollten Sie folgende Punkte beachten:
  • Führen Sie ein ruhiges Gespräch mit Ihrem Tierarzt und lassen Sie sich über alles genau informieren
  • Fragen Sie Ihren Tierarzt, ob es ihm möglich ist, einen Hausbesuch zu machen und Ihre Katze in ihrer vertrauten Umgebung einzuschläfern.
  • Wenn Ihre Katze in der Praxis eingeschläfert wird, sollten Sie sich unbedingt einen speziellen Termin geben lassen. Legen Sie diesen gleich zu Beginn oder an das Ende der Sprechstunde, so dass Sie mit Sicherheit nicht lange im Trubel der Praxis warten müssen.
  • Überlegen Sie sich zuvor, ob Sie in den letzten Minuten bei Ihrer Katze sein möchten oder nicht. Dies erst im letzten Moment spontan zu entscheiden, könnte Sie nämlich überfordern. Die daraus entstehende Unruhe könnte sich außerdem auf Ihre Katze übertragen und auch Sie belasten.
  • Überlegen Sie sich, ob Sie eine Ihnen nahestehende, vertraute Person bitten, Ihnen in dem schweren Moment zur Seite zu stehen.

Was hilft bei der Trauer?

Trotz der Gewissheit, dass es für die Katze eine Erlösung war, ist ihr Tod für den Besitzer alles andere als leicht zu überwinden. Der Verlust schmerzt, man trauert und ist verzweifelt. Tröstende Worte wie „Es war besser so. Denk an die gute Zeit, die ihr gemeinsam hattet“ helfen da oft nur wenig. Jeder geht anders mit seiner Traurigkeit um. Dem einen hilft es, sich abzulenken, der andere aber braucht gerade die intensive Auseinandersetzung mit seiner Trauer. Letztlich hilft es vielleicht, Trost bei anderen Tierfreunden zu suchen, die aus eigener Erfahrung nachvollziehen und verstehen können, was in Ihnen vorgeht.

Eventuell hilft es Ihnen auch, mit Dankbarkeit an die gemeinsame Zeit mit Ihrer Katze zurückzudenken. Daran, dass Ihre Katze ein schönes Leben hatte und Ihres bereichert hat. Außerdem können Sie sich immer wieder in Gedanken rufen, dass Sie als Besitzer Ihrer Verantwortung gegenüber Ihrer Katze bis zum Schluss gerecht geworden sind.

Was passiert nach dem Einschläfern mit der Katze?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, was nach dem Einschläfern mit Ihrer Katze geschieht: 
  1. Sie lassen Ihre verstorbene Katze in den Händen des Tierarztes. Der kümmert sich darum, dass sie in eine so genannte Tierkörperbeseitigungsanstalt gebracht wird. Dort wird der Leichnam erhitzt, Anteile von ihm eventuell weiterverarbeitet.
  2. Sie nehmen Ihre Katze mit nach Hause. Dann ist es allerdings Ihre Pflicht, den Leichnam nach gesetzlichen Vorschriften zu beerdigen oder auf einem Tierfriedhof bestatten zu lassen.
Sprechen Sie das schon vor der Einschläferung mit Ihrem Tierarzt ab. Falls Sie sich für die zweite Option entscheiden, sollten Sie auch das schon vor der Einschläferung vorbereiten.
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