Tierlieb oder kriminell?

Nanny stiehlt die Katze ihrer Arbeitgeber – und sie hat einen guten Grund dafür!

Tigger war eine Last für seine Familie. Immer wieder sprachen seine Besitzer Russell und Julie Berman davon, ihren 15jährigen Kater einschläfern zu lassen. Doch ein Mensch konnte und wollte das nicht zulassen: Rebecca Katz (33), die Nanny der Familie. Für Tigger brach sie sogar das Gesetz.
 
Alte, kranke Katze liegt unter einer Wolldecke. © shutterstock.com
Auch alte Katzen haben ein Recht auf ein erfülltes Leben. Dieser Grundsatz brachte eine Nanny aus den USA ins Gefängnis.
Die Entscheidung, ein geliebtes Haustier gehen zu lassen, ist wohl die schwerste im Leben eines Tierfreundes. Diese Entscheidung aus Wut, Abneigung oder Überdrüssigkeit heraus zu treffen, ist für viele unvorstellbar. Und doch gibt es Menschen, die genau das tun: Sie möchten ihr Tier loswerden, weil es ihnen zu viele Umstände macht.
 
Auch Tigger, dem 15jährigen Kater der Familie Berman, drohte dieses Schicksal. Zum Glück gab es jemanden, dem sein Leben nicht egal war: Rebecca Katz kümmerte sich als Nanny nämlich nicht nur um die beiden Kinder der Familie Berman, sondern auch um Tigger, der ihr über die Jahre sehr ans Herz gewachsen war.
 

Alter und Krankheit sollten Tiggers Todesurteil sein

Der Senior auf Samtpfoten leidet aufgrund seines Alters an chronischen Magen-Darm-Beschwerden. Immer wieder sind seine gesundheitlichen Probleme und Verhaltensauffälligkeiten Gesprächsthema in der Familie – und das nicht im positiven Sinn.
 
Eine Tages erbricht sich Tigger auf der teuren Couch im Wohnzimmer. Seine Besitzerin äußert ihren Unmut über das Malheur gegenüber ihrer Angestellten Rebecca Katz:
 
„Tigger hat gerade auf meine schöne Couch gekotzt... Das reicht jetzt, das muss ein Ende haben, er bekommt die Spritze. Tigger kommt zum Tierarzt.“
 
Bei Rebecca Katz schrillen alle Alarmglocken. Sie will Tigger vor der drohenden Einschläferung retten – und fasst einen kühnen Entschluss. Am Ende ihrer Schicht packt sie den Kater in eine Transportbox, nimmt ihn mit und hinterlässt eine Notiz auf dem Küchenthresen:
 
„Ich kann das nicht geschehen lassen. Ich bekenne mich zu allem schuldig.“
 
Später am Abend erreicht Rebecca Katz eine SMS der aufgebrachten Besitzer. Sie drohen ihr mit rechtlichen Schritten, sollte sie Tigger nicht zurückbringen. Doch die ehemalige Nanny weigert sich.
 

Der Kampf um das Wohl des Katers beginnt

Mit der Aussage, ihr Kater sei 500 Dollar wert, schaltet die Familie Berman schließlich die Polizei ein. Rebecca Katz stellt sich den Beamten und muss zwei Stunden in Untersuchungshaft ausharren, bevor eine Anklage wegen Diebstahls gegen sie erhoben wird.

Doch sie ist bereit, weiter um Tigger zu kämpfen. Beim ersten Gerichtstermin Anfang Juli beharren ihre ehemaligen Arbeitgeber auf die Rückgabe des Katers.

Rebecca Katz beruft sich auf Tierarztrechnungen, die beweisen sollen, dass Tigger bei ihr bestens versorgt wird – besser als bei ihren Besitzern. In der Zwischenzeit hat die ehemalige Nanny mehr als 1.000 Dollar in die medizinische Versorgung von Tigger investiert.
 
Doch für Richterin Rhonda Fischer ist allein aus den Dokumenten nicht ersichtlich, wie es um die derzeitige Gesundheit des 15jährigen Katers steht. Sie fordert ein Gutachten, um eine Entscheidung fällen zu können. Bis dahin verbleibt Tigger in der Obhut seiner Retterin.

Rebecca Katz mit Tigger auf dem Arm.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Rebecca Katz und Tigger. © Dennis A. Clark / New York Post
 

Das Unglaubliche geschieht: Tigger muss zurück!

Doch leider sollte es nicht zu einer gerichtlichen Entscheidung kommen.

Nur wenige Tage später steht die Polizei auf der Türschwelle von Katz’ Familie. Unter dem Vorwand, einen ausstehenden Haftbefehl gegen ihren Mann durchsetzen zu wollen, verschaffen sich die Beamten Zutritt zur Wohnung. Ihr eigentliches Ziel ist jedoch Tigger. Sie nehmen den Kater mit.
 
Rebecca Katz’ Anwältin, Carolyn Sanchez, bestätigt später, dass Tigger wieder zu seinen ursprünglichen Besitzern zurückgebracht wurde. Das Vorgehen der Polizei kritisiert sie scharf:
 
„Dass die Beamten mit einem Haftbefehl in völlig anderer Sache drohen, nur um meine Mandantin zur Herausgabe des Katers zu überreden – das ist schlicht und ergreifend falsch und betrügerisch.“
 
Wer die Beamten zur Wohnung von Rebecca Katz beordert hat – darüber wird nun spekuliert. Ein Sprecher des Nassau County Police bestreitet jegliche Beteiligung an dem Fall, man wisse dort nichts über „irgendeinen Kater“.
 
Tiggers Besitzerin, Julie Berman, hüllt sich in Schweigen – obgleich sie das Vorgehen der Polizei auf Nachfrage von Reportern als „verrückt“ bezeichnet. Auch über Tiggers derzeitigen Aufenthaltsort möchte sie keine Aussage machen. Der genaue Aufenthaltsort des Katers ist ungewiss.
 

Was bleibt, ist die Hoffnung

Indes bleibt die nun arbeitslose Nanny auf Anwalts- und Tierarztkosten sitzen. Rebecca Katz verliert die Hoffnung jedoch nicht, auch wenn es für sie keine Chance mehr gibt, Tigger zurückzuholen.

Für sie stand das Wohl des Katers immer an erster Stelle und sie hofft auf einen Sinneswandel seiner Besitzer.
 
„Wenn jetzt endlich ein Umdenken bei ihnen einsetzt und sie ihm die nötige medizinische Versorgung und Liebe geben, dann hat Tigger gewonnen. Wenn sie das nicht tun, dann soll die Gesellschaft sie behandeln wie sie es verdienen.“
 
Die tierärztlichen Gutachten haben ergeben, dass Tigger noch gute zwei bis fünf Jahre Lebenszeit bleiben. Es bleibt zu hoffen, dass er jedes einzelne davon in Ruhe und ohne Schmerzen genießen darf.
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