Tast- und Hörsinn bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Tast- und Hörsinn bei Katzen

Schon mal eine Maus belauscht? Nein? Da haben Sie auch schlechte Chancen, denn normalerweise plaudern Mäuse miteinander im Ultraschallbereich, der für Menschenohren unhörbar ist.
 
Tast- und Hörsinn bei Katzen © animals-digital.de
In der Dunkelheit verlässt sich die Katze nicht nur auf ihre Ohren, sie ist von Schnurrhaar- bis Schwanzhaarspitze voll auf Empfang.
Könnten dagegen Katzen „mäusisch“ sprechen und uns Menschen übersetzen, wüssten wir mehr über die geheimen Gespräche der Mäuse. Während Menschen ab einer Tonhöhe von 21 kHz nur noch Stille hören, liegt die Grenze der Wahrnehmung von hohen Tönen bei der Katze erst bei 47 kHz. Die Einheit kHz bezeichnet die Anzahl der Schallwellen pro Sekunde (je mehr Schallwellen pro Sekunde, desto höher der Ton). Bei den tiefen Tönen ist uns die Katze übrigens nicht voraus, hierbei stoßen Katze und Mensch an die gleichen Grenzen ihrer Wahrnehmung. So bleibt, was sich Elefanten im Infraschall (extrem tiefe Töne) zu erzählen haben, sowohl der Katze als auch ihrem Menschen verborgen.

Exakte Peilung: Orten mit den Ohren 

Aber woher ein Geräusch kommt, weiß die Katze besser als der Mensch. Denn sie hat den mit 1,5° kleineren Hörschärfe-Winkel (Mensch 8,4°). Der Hörschärfe-Winkel ist der kleinste Winkel, unter dem zwei Geräusche noch getrennt wahrgenommen werden. Wenn zwei Vögel dicht nebeneinander auf einem Ast sitzen und gleichzeitig um die Wette singen, können Menschen nicht mehr Schiedsrichter spielen und den besseren Sänger küren. Katzen hingegen können mit ihrem Gehör sehr wohl unterscheiden, welcher Vogel, nun wieder die falschen Töne angeschlagen hat. Das genaue Orten mit den Ohren ist für die samtpfotige Jägerin in der Dämmerung oder in düsteren Schuppen und Speichern unverzichtbar. Denn trotz ihrer außerordentlichen Sehkraft, die im nächsten Heft Thema sein wird, braucht auch die Katze ein wenig Licht, um zu sehen. Auch die Beweglichkeit der Ohrmuscheln dient dem exakten Orten von Geräuschen. Um rund 180° kann die Katze sie drehen und damit punktgenau auf eine Geräuschquelle richten, ohne den Kopf zu wenden. Und das auch noch unabhängig voneinander. Während ihr linkes Ohr den süßen Klängen des elektrischen Dosenöffners lauscht, dreht sie ihr rechtes nach hinten, um zu hören, was der „Wastl“, der Hund des Hauses, gerade wieder mit ihrem Lieblingsspielzeug treibt. 

Vibrationsalarm in der Dunkelheit 

In der Dunkelheit verlässt sich die Katze nicht nur auf ihre Ohren, sie ist von Schnurrhaar- bis Schwanzhaarspitze voll auf Empfang. Am „Felunculus“, einer Schemazeichnung (s. Abb. rechts oben), sieht man, wo sich die meisten Tastsinneszellen der Katze befinden. Am sensibelsten sind die Schnurrhaare. Mit ihnen kann die Katze noch den leisesten Lufthauch wahrnehmen. Wie er zum Beispiel entsteht, wenn eine Maus in ihr Versteck huscht. Am eindrucksvollsten aber ist die Fähigkeit tauber Katzen, Geräusche über ihre vibrationsempfindlichen Pfotenballen wahrzunehmen. Nicht nur die Schnurrhaare registrieren Veränderungen in der unmittelbaren Nähe der Katze: Über ihren ganzen Körper verteilte Leithaare haben direkten Kontakt zu Tastsinneszellen in der Haut. Trotz ihres dichten Pelzes registriert die Katze also jede Berührung. Für die Unterscheidung von „kalt“ und „warm” hat die Katze besondere Zellen. Doch gerade hier erweist sich die sensible Samtpfote als hart im Nehmen. So soll sie noch Temperaturen bis 52 °C gelassen ertragen. Mit dem eines Bloodhounds, dem besten Schnüffler unter den Hunden, kann der Geruchssinn der Katze nicht mithalten, den Menschen hängt sie aber spielend ab. Trotz ihres winzigen Näschens beträgt die Fläche ihrer Riechschleimhaut ca. 20,8 cm2, im Vergleich zu den erbärmlichen 2,5 - 5 cm2 Fläche, die die Riechschleimhaut in unseren „Riesenzinken“ einnimmt. Tatsächlich unterscheiden sich Mensch und Katze nicht nur in ihrer Fähigkeit zu riechen, sondern auch in ihren Vorlieben.

Andere Fähigkeiten, anderer Geschmack 

Zitronenduft, den Menschen mit Sauberkeit und Frische assoziieren, finden die meisten Katzen ziemlich eklig. Katzen stehen abgesehen natürlich von Katzenminze eher auf Joghurt, Käse oder Katzengras, wie eine Umfrage in „Geliebte Katze“ vor einigen Jahren ergab. Für die ganz -besonderen Düfte, nämlich die, die -einen Sexualpartner versprechen, haben Katzen sogar das Jacobson’sche oder Vomeronasalorgan. Es befindet sich am Gaumen. Nimmt die Katze Sexuallockstoffe in der Luft wahr, öffnet sie ihr Maul und drückt die einströmende Luft mit der Zunge gegen den Gaumen. Dort prüft das Vomeronasalorgan, ob eine Kontaktaufnahme vielversprechend ist, d.h. ob die Katze tatsächlich schon rollig ist. Die Grimasse, die die Katze dabei zieht, nennt man Flehmen und obwohl es der Katze auf Freiersfüßen todernst ist, wirkt sie auf uns unwissende Menschen reichlich komisch. (Barbara Welsch, Tierärztin)

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