Sehsinn bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Sehsinn bei Katzen

Die einen lehren sie das Gruseln, die anderen sind hingerissen – kalt aber lassen Katzenaugen niemanden. Sie sollen so viel besser sein als menschliche Augen, im Dunkeln sehen können und ein Geheimnis bergen.
 
Sehsinn bei Katzen © animals digital
Die Katzenwelt ist wohl ein wenig grauer als die unsere.
Die Faszination von Katzenaugen liegt dabei aber wohl mehr in unserem „Katzenbild“ als am eigentlichen Sinnesorgan, das unserem Auge prinzipiell im Aufbau gleicht. Das Auge eines jeden Säugetieres besteht – grob beschrieben – aus einem Loch (Pupille), durch das das Licht auf die Linse fällt.Von der Linse werden die Lichtstrahlen gebrochen und fallen, nachdem sie eine dunkle Kammer (den Glaskörper) durchquert haben, auf eine lichtempfindliche Schicht (Netzhaut). Dort kommt es zur Abbildung des Gesehenen.

Das Bild der Welt entsteht im Kopf

Sinneszellen, die die lichtempfindliche Schicht bilden, wandeln die Lichtimpulse in elektrische Impulse um, die über den Sehnerv zum Hinterhauptslappen des Großhirns übertragen werden. Erst dort gelangt das „Gesehene“ tatsächlich ins Bewusstsein. Die Welt entsteht im Kopf! Was aber nun ist das Besondere am Katzenauge? Was „ins Auge fällt“, ist seine Größe: mit 21 mm Durchmesser ist das Katzenauge riesengroß – zum Vergleich erreichen die Augen des viel größeren Menschen gerade einmal 24 mm im Durchmesser. Zudem erscheint das Katzenauge starr. Doch da trügt das Menschen-, nicht das Katzenauge: Wir Menschen sind es gewöhnt, viel Weiß im Auge unserer Mitmenschen zu sehen. Das „Weiße“ ist die Sklera. Ändern Menschen ihre Blickrichtung, scheint die Iris über das weiße Feld der Sklera zu wandern. In Wirklichkeit wandert die Iris natürlich nicht, sondern der Augapfel bewegt sich hin und her. Bei der Katze ist die Sklera versteckt in der Augenhöhle. Wechselt die Katze die Blickrichtung, sehen wir kaum „weiß“ und glauben, die Augen stünden still. Die Pupillen, die sich zu senkrechten Schlitzen verengen können, sind manchem Menschen nicht geheuer, denn sie erinnern an Reptilienaugen. Tatsächlich kann die Katze mit diesen senkrechten Pupillen den Lichteinfall viel feiner dosieren als wir Menschen mit unseren kreisförmigen Pupillen. Am unheimlichsten finden die meisten aber das Aufleuchten der Katzenaugen, wenn sie ein Lichtstrahl in der Dunkelheit trifft. Diese Eigenschaft hat ganz praktische Gründe, Katzen kommen mit fünf bis sechsmal weniger Licht aus als Menschen. Einer der Gründe für diese „Hellsichtigkeit“ der Katzen, die nun wirklich nichts mit Übernatürlichem zu tun hat, ist das Tapetum lucidum, eine reflektierende Schicht auf ihrer Netzhaut.

Mit Restlichtverstärker auf der nächtlichen Pirsch

Sie dient als „Restlichtverstärker“, indem sie jeden Lichtstrahl spiegelt und damit die Sehzellen der Katze noch einmal aktiviert. Auch ihre große Linse trägt zu einer besseren Ausnutzung des Lichts bei. Schließlich haben Katzen rund doppelt so viele lichtempfindliche Zellen wie der Mensch. Ein wenig Licht muss jedoch vorhanden sein, bei völliger Finsternis sieht auch die Katze nichts. So lichtempfindlich die Augen der Katze auch sind – gestochen scharf sieht sie nicht. Zum einen kann sie ihre Augen weniger gut an Entfernungen anpassen und zum anderen hat sie im Vergleich zum Menschen einen großen Sehschärfewinkel. Der Sehschärfewinkel ist ein Maß für die Fähigkeit, zwei nah beieinander liegende Punkte noch getrennt wahrzunehmen. Lesen ist also nichts für Katzenaugen.

Rot und Gelb werden wahrscheinlich Grau

Ihre Welt ist wohl auch ein wenig grauer als die unsere. Sie hat nicht nur weniger Zapfen, das sind die Zellen, mit denen wir Farben sehen. Ihr fehlen auch jene Zapfen, die für rotes Licht empfindlich sind. So kann die Katze wahrscheinlich Grün und Blau unterscheiden, nimmt aber Rot und Gelb nur als Grautöne wahr. Dafür ist sie eine Meisterin des „schnellen Auges“. Spezielle Rezeptoren in ihrem Auge dienen ihr als Bewegungsmelder und ermöglichen ihr blitzschnelle Reaktionen. Zudem nimmt sie Bewegungen detaillierter wahr. Sie kann mehr Einzelbilder pro Sekunde verarbeiten als der Mensch. Ein Kinofilm mit seinen 24 Einzelbildern pro Sekunde wirkt auf sie eher wie ein etwas rascher Diavortrag. (Barbara Welsch, Tierärztin)

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