Zu viel Stress macht Katze unsauber | GELIEBTE KATZE Magazin
Haltung

Zu viel Stress macht Katze unsauber

Was tun, wenn die Katze unsauber ist und in die Wohnung macht? Statt ihr Katzenklo zu benutzen, sucht sie sich lieber eine andere Ecke. Das was man sieht, ist nicht das eigentliche Problem. Und was wirklich wichtig ist, bleibt im Dunkeln, wenn man nicht systematisch danach forscht.
 
Die Katze ist unsauber © Francis Bosse / iStockphoto
Eine Katze hat IMMER einen Grund, wenn sie unsauber wird.
Die Regel ist ebenso einfach wie absolut gültig: Eine Katze hat IMMER einen Grund, wenn sie unsauber wird. Das Problem für uns Katzenfreunde ist es, den Grund zu finden. Dabei ist neben Katzen-Verständnis meist Detektivarbeit gefragt, denn selten ist die Ursachen-Zuweisung so einfach wie: Das Katzenklo wird wegen Krabbelkind im Haus vom gewohnten Platz im Bad unter die Kellertreppe verbannt, und Mieze wird sofort unsauber. Viel wahrscheinlicher ist es in diesem Fall, dass die Katze die neue Toiletten-Situation akzeptiert, obwohl sie sich dabei nicht wohl fühlt.


Katzen ertragen bis es zu viel Stress wird

Sie wird erst irgendwann später unsauber, wenn für sie ein weiterer Stressfaktor hinzukommt. Das kann sogar Jahre später sein. Rosemarie Schär, Zoologin/Ethologin, berichtet aus ihrer tierpsychologischen Praxis von einer Katze, die unsauber wurde, als sie eine neue Urlaubsbetreuerin bekam. Die wirkliche Ursache aber war eine viel zu kleine Toilettenschale, mit der sich das Tier zehn Jahre (!) lang begnügen musste. Als ihre Lebensbedingungen entscheidend verbessert wurden, verschwand die Unsauberkeit. Mit dem, was im Zoohandel an Katzentoiletten und Zubehör angeboten wird, so der einhellige Standpunkt der Fachleute, wird oft nur der Mensch glücklich, aber seine Katze hat Stress. Menschen schätzen Toilettenhäuser, mit Dach, vielleicht noch mit Tür, weil Katzen-Exkremente darin kaum sichtbar und riechbar sind.


Toiletten oft nicht katzengerecht

Nach Dr. Dennis Turner ist das ein typischer Grund für eine Katze, ihre Toilette nicht mehr zu benutzen. „Katzen sind ja keine Höhlentiere!“ Auch Katzenhaustoiletten mit offenem Einstieg benutzen viele Katzen nur unter Zwang. Wenn eine Katze nur mit dem Hintern unterm Klodach sitzt, Kopf und Vorderpfoten aber draußen bleiben, ist das ein deutliches Zeichen, dass Mieze sich nicht wohl fühlt mit ihrer „Kiste“. Und was der Markt so alles an Geruchsverbesserern im Katzenklo anpreist (parfümierte Einstreus, Deosprays, Reinigungsmittel etc.), ist auch nur für uns Menschen angenehm. Urin und Kot sind für eine Katze ja nicht nur Abfall, der entsorgt werden muss, sondern auch Duftbotschaften für Artgenossen. Wenn eine Katze sich selbst auf ihrem Klo vor lauter Deoduft nicht mehr riechen kann, stinkt ihr das. Und die für uns Menschen so praktischen Plastikeinlagen in der Katzentoilette verleiden so mancher Katze das genussvolle und notwendige Scharren in der Streu. Katzengerecht ist eine nicht zu kleine offene Toilette aus Kunststoff. Eine Katze muss sich darin bequem hinhocken können, noch lieber geht sie darin erst ein wenig umher. Eine erwachsene Katze benötigt eine Toilette von mindestens 30 x 40 cm Bodenfläche. Viel besser sind geräumigere kleine Plastikwannen aus der Hauswarenabteilung eines Kaufhauses oder Euro-Stapelkisten aus dem Baumarkt, denn es entspricht auch Katzenart, in der Hocke „anzufangen“ und dann langsam mit dem Hinterteil in die Höhe zu gehen. Bei einem hohen Rand bleibt draußen alles sauber.


Häufige Ursache: menschliches Versagen

Rosemarie Schär plädiert dafür, bei Wohnungskatzen mindestens zwei Katzentoiletten aufzustellen, selbst für eine Einzelkatze, denn Freilaufkatzen setzen Kot und Harn an zwei verschiedenen Stellen ab. Wer mit mehreren Stubentigern lebt, braucht pro Tier eine Toilette – aber bitte nicht alle nebeneinander aufstellen, sondern verteilt über die Wohnung. Und bitte nicht in irgendeine Ecke quetschen, wo die Katze sich erst über Ablaufrohre schlängeln oder unter einen Schrank quetschen muss, um ihr Geschäft zu verrichten. Das könnte sie veranlassen, selbst einen geeigneteren Platz zu suchen. Auch Freilaufkatzen brauchen im Haus eine Toilette, damit sie nicht gezwungen sind, bei jedem Wetter und jeder Stimmung erst vor die Tür zu gehen. Und wenn da auch noch gerne ihr Lieblingsfeind lauert, sind die Chancen groß, dass sie alles drinnen „erledigen“. Natürlich gibt es die Fälle, dass eine gesunde Katze ihre Toilette schlagartig meidet, nachdem sie sich dort sehr erschrocken hat; es gibt Katzen, die unsauber werden, weil eine neue Katze ins Haus kommt oder die Zeichen in der Familie auf Trennung stehen, weil sie ihren besten Freund verloren haben oder mit dem erzwungenen Diätfutter nicht einverstanden sind. Auch Medikamente können ein Grund sein. Dr. Dennis Turner erwähnt in seinem neuen Buch, dass Medikamente für ältere Katzen relativ oft das Hormon Androgen enthalten, was bei kastrierten Tieren Markierverhalten auslösen kann. Trotzdem trifft in vielen Fällen von Unsauberkeit wohl das zu, was er als „menschliches Versagen“ bezeichnet, weil zu wenig Rücksicht darauf genommen wird, was eine Katze ist und was sie braucht, um ihre Bedürfnisse auszuleben und sich wohlzufühlen. (Jutta Aurahs)


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Gerade weil Katzen zu den saubersten aller Heimtiere gehören, trifft es Menschen so tief, wenn hässliche Flecken auf der Wäsche oder penetranter Geruch an der Wand eindeutig verraten, dass ein sonst so auf Hygiene bedachtes Tier sich dort verewigt hat. Spuren beseitigen und schweigen nützt weder der Katze noch dem Menschen. Unsere Broschüre soll aufklären und helfen.
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