Wenn Katzen trauern | GELIEBTE KATZE Magazin

Wenn Katzen trauern

Auch viele Katzen zeigen Trauer, wenn ein vertrauter Mensch oder ein Artgenosse gestorben ist. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihrem Tier über die schweren Zeiten hinweghelfen können.
 
© Foto: AngelikaSchwartz / iStockphoto
Alle reden von der Trauer um ein geliebtes Tier. "Wer denkt an die Trauer der Tiere, wenn ein geliebter Mensch stirbt?", schrieb uns Katja Timm aus Telgte und regte uns damit zu diesem Artikel an. Als ihre Mutter starb, war es für sie selbstverständlich, deren Kater zu übernehmen. Doch obwohl Arthur mit ihr, ihren neun Katzen und den beiden Hunden vertraut war, fiel es ihm sehr schwer, sich mit der neuen Situation abzufinden. Inzwischen sind neun Monate vergangen, und Arthur hat seinen Platz in der Großfamilie gefunden.

Trauernde Katzen sind introvertiert

In seiner Tierarztpraxis im schweizerischen Rapperswil hat Dr. Yair Schiftan häufig mit trauernden Katzen zu tun. "Meist ziehen sie sich zurück, ihr Spieltrieb ist vermindert, und sie fressen kaum. Das kann bis zu völliger Appetitlosigkeit und Abmagerung gehen. Manche zeigen regelrechte depressive Anzeichen", führt der Experte aus. "Wer eine Katze gut kennt, kann an Körperhaltung und Ohrenspiel Zeichen von Trauer entdecken. Sie sind introvertierter, nicht mehr explorativ." Seiner Erfahrung nach sind Liebe und Verständnis und, wenn das Tier es zulässt, Streicheleinheiten die beste Medizin. "Will ein Tier keinen Körperkontakt, dürfen Sie es aber nicht gewaltsam streicheln", rät Carola Ruff vom Tierheim Berlin. "Lassen Sie ihm die Ruhe, die es braucht. Öffnen Sie nachts die Schlafzimmertüre. Schlafgeräusche können für Katzen ein vertrautes Geräusch sein. Manche legen sich dann sogar ans Fußende." Lässt sich eine Katze zwar anfassen, will aber nicht fressen, stellen Sie beim Streicheln etwas in die Nähe, was intensiv und verlockend riecht wie Räucherfisch oder gebratenes Hähnchen. Funktioniert der Trick, sollten solche Leckerbissen aus Rücksicht auf die schlanke Linie und die Gesundheit eine Ausnahme bleiben.

Stimmungsschwankungen können auch auf Trauer hinweisen

Die Hamburger Katzenpsychologin und Tierhomöopathin Janine Baguhn hat die Erfahrung gemacht, dass sich Trauer auch in Stimmungsschwankungen äußern kann. "Einerseits möchte die Katze Kontakt aufnehmen, will man sie aber anfassen, wird sie aggressiv. Manche reißen sich sogar die Haare an Unterbauch, Oberschenkel und Pfoten aus. Das ist eine Übersprungshandlung, um den Stress zu kompensieren", erklärt die Expertin.

So können Sie helfen

Oft reagieren Katzen beim Verlust ihres Menschen noch heftiger als beim Tod eines Artgenossen. Denn meist verlieren sie zusätzlich ihre vertraute Umgebung. Sie verstehen nicht, warum sie plötzlich woanders sind, wo es nur fremde Sachen gibt und alles anders riecht. "Übernehmen Sie das Tier eines Verstorbenen, sollten Sie daher möglichst alle Katzensachen mitnehmen und auch getragene Kleidungsstücke des Besitzers, die noch nach ihm riechen", rät Janine Baguhn. "Legen Sie diese auf den Schlafplatz oder unter den Futternapf. Das kann helfen, das Tier langsam zu entwöhnen." Mitunter kann Trauer auch erst Tage nach dem Tod des Sozialpartners eintreten. Wird zum Beispiel eine kranke Katze in der Tierarztpraxis eingeschläfert, ist das für das andere Tier nicht nachvollziehbar. "Besser wäre es, die Katze zu Hause einschläfern zu lassen oder, wenn der Tierarzt es erlaubt, die tote Katze mitzunehmen", rät die Katzenpsychologin. "So kann es von den anderen noch mal beschnuppert werden." Erschrecken Sie aber nicht, wenn sie es anfauchen. Das ist normal, weil es sich nicht mehr bewegt und anders riecht. Manchmal ist es hilfreich, die Katze zum Spielen zu animieren. Durch das Wecken des Jagdinstinktes wird sie aus der Trauer herausgeholt. Sie können auch zur Entspannung Katzenminze, Bierhefe (als Flocken extra für Katzen) oder Fischöl ins Futter geben oder ihr ein bis zwei Tropfen Baldrian ins Maul träufeln. Allerdings sollten Sie das nicht zu häufig tun, da es sonst die Wirkung verliert. Alternativ hat der Tierarzt ein gut riechendes Feromonpräparat (Feliway), das Wohlgefühl vermittelt.

Die Zeit heilt die Wunden

"Auch Tiere brauchen Zeit, um ihre Trauer zu verarbeiten. Sie sollten daher etwa ein Jahr verstreichen lassen, bis Sie einen neuen Partner dazuholen", meint Janine Baguhn. Beim Trauerprozess können auch Bach-Blüten eine wichtige Hilfe sein. Während Janine Baguhn die Bach-Blüten immer individuell für das jeweilige Tier aussucht, verwendet Tierheilpraktikerin Petra Stein als Erstmaßnahme stets Rescue-Tropfen, bevor sie mit anderen Blütenessenzen weiter behandelt. "Die Notfalltropfen sind der einzige fertige Bach-Blüten-Komplex, der aus fünf Blüten zusammengesetzt ist. Darin enthalten ist auch der ‚Star of Bethlehem’, der nicht nur den Namen Seelentröster trägt, sondern auch als solcher wirkt", erklärt Petra Stein, Autorin eines Bach-Blüten-Buches. Ansonsten empfiehlt sie aus den 38 Bach-Blüten acht besonders, um die Folgeprobleme des Verlustes zu regulieren. "Egal, worüber die Tiere trauern, es findet in jedem Fall ein seelisches Trauma statt, das wie bei Menschen unterschiedliche Reaktionen auslöst", erklärt die Münchnerin. "Manche reagieren mit Protestaktionen, manche mit Apathie und Verlust des Lebenswillens, wieder andere aggressiv. In einigen Fällen wirkt sich die seelische Trauer auch negativ auf Organismus und Stoffwechsel aus, so dass die Tiere auch organisch erkranken können. Bis hin zu Krebsleiden, auch wenn diese vorher nicht abzusehen waren. In vielen dieser Fälle kann auch begleitend Homöopathie helfen, das seelische Gleichgewicht wieder herzustellen und die Lebensqualität wiederzuerlangen." Immer wieder gibt es auch Katzen, die beim Tod des vierbeinigen Partners keinerlei Anzeichen von Trauer zeigen. Ganz im Gegenteil. Sie blühen regelrecht auf, weil da keiner mehr ist, der sie ärgert, und weil sie den Besitzer endlich ganz für sich allein haben.
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