Wenn die Katze ein Trauma hat | GELIEBTE KATZE Magazin

Wenn die Katze ein Trauma hat

Über körperliche und seelische Wunden und mögliche Therapien sprachen wir mit Tiertherapeutin Marion Wagner.
 
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Welche Therapien helfen?
Ein Notfall kam in die Praxis. Der Besitzer war in Urlaub, das Tier bei einem Verwandten untergebracht. Der war in der Haltung mit Hauskatzen noch wenig erfahren und hatte ein Fenster gekippt, ohne es zu sichern. Das wurde dem munteren Tier zum Verhängnis. Es blieb hängen und erlitt eine Lähmung der Hinterbeine und einen Schock - ein Trauma für die Katze. Doch eines mit gutem Ausgang: "Die Behandlung auf der Körperebene mit Akupunktur hatte Erfolg", erzählt die Tiertherapeutin Marion Wagner. "Die Lähmung ging vorbei. Auf der psychischen Ebene genügte die Verabreichung von Bach-Blüten , denn die Katze war eine gefestigte Persönlichkeit".

Was ist ein Trauma?

"Aus dem Griechischen abgeleitet bedeutet ein Trauma eine Wunde, seelisch wie körperlich. Nach starker körperlicher Einwirkung, wie etwa einer Misshandlung, einem Unfall, einer Verbrennung oder einer Vergiftung, kommt es auf der Körperebene zu einem Trauma", erklärt Marion Wagner. Die Symptome sind offensichtlich: Im akuten Fall erfolgt eine Ausschüttung von Stresshormonen, die zahlreiche Körperfunktionen verändern. Es wird quasi alles abgeschaltet, was zum Überleben nicht gebraucht wird. D.h. die traumatisierte Katze erstarrt, ist nicht mehr ansprechbar, ihre Pupillen sind vergrößert, der Blick in die Ferne gerichtet, sie hat Schmerzen. Es kann sein, dass das Tier speichelt, zittert oder versucht, sich zu verkriechen, beispielsweise unter den Schrank. Traumata werden aber nicht nur durch äußere Gewalteinwirkung verursacht. Es gibt auch Traumata auf Grund rein psychischer Erschütterungen, die derart negative Auswirkungen haben. Allerdings reagieren nicht alle Katzen auf bestimmte Ereignisse mit einem Trauma. Gefestigte Persönlichkeiten, etwa mit einer "guten Kinderstube" und einem gesunden Selbstbewusstsein stecken das leichter weg als Tiere, die von Haus aus sensibel sind, vielleicht weil sie handaufgezogen sind. Marion Wagner erzählt von so einem Fall aus ihrer Praxis: "Eine Katzenliebhaberin hatte eine sensible Katze großgezogen und ihr im Alter von etwa einem Jahr einen Kater dazugesellt. Obwohl die Katze etwas neurotisch war, vertrugen sich die beiden anfangs. Doch dann muss irgendetwas vorgefallen sein, was das Verhältnis grundlegend änderte. Mit Hilfe von Kinesiologie (Da Tiere nicht reden können, übernimmt eine Ersatzperson, die dafür geschult sein muss, ihren Part. Siehe GK 8/04) konnte der traumatische Auslöser dann herausgefunden werden: Im dunklen Raum muss etwas heruntergefallen sein, was die Katze furchtbar erschreckt und mit dem anwesenden Kater in Verbindung gebracht hat. Da die Katze psychisch nicht belastbar war, hat sie den Kater anschließend aufs Übelste angegriffen. Der Besitzerin blieb nichts anderes übrig, als die Tiere zu trennen und Hilfe zu suchen." In der anschließenden Therapie wurde die Katze über Akupunkturpunkte (vor allem Nierenpunkte) entstresst. Heute leben die Katzen wieder friedlich zusammen."

Wie wirkt sich ein Trauma aufs Verhalten aus?

"Man muss hellhörig werden, wenn sich eine Katze komplett verändert", erklärt die Tiertherapeutin. "Etwa wenn sie plötzlich aggressiv wird, grundlos ängstlich ist, nicht mehr frisst, sich versteckt." Zuerst muss der Katzenbesitzer natürlich nachforschen (lassen), ob ein körperliches Gebrechen dahinter steckt (vielleicht eine Krebserkrankung oder Nierenprobleme). Wenn die Katze aber organisch gesund ist, kann sie offensichtlich etwas nicht verarbeiten, sagt Marion Wagner. Wenn der Besitzer merkt, dass das Tier leidet, sollte er sofort handeln, rät sie: "Je frischer das Trauma, desto besser lässt es sich behandeln". Es kann sonst zu posttraumatische Störungen kommen, die sich zu Neurosen auswachsen, was bei Katzen relativ oft vorkommt. So reißen sich Katzen zum Beispiel in Belastungssituationen Haare aus bzw. zeigen ein übersteigertes Putzverhalten und lecken sich ganze Hautflächen kahl und wund. Marion Wagner: "Das gestörte Verhalten hat Suchtcharakter, denn es werden körpereigene Opiate produziert, so genannte Endorphine, die Glücksgefühle erzeugen. Darum können die Katzen das Putzen nicht lassen. Ein Teufelskreis entsteht."

Welche Therapien helfen?

"Was ist machbar?, ist die große Frage bei der Wahl der Behandlungsmethode, denn nicht alle Katzen können gleich therapiert werden. Wenn sich das Tier zum Beispiel nicht anfassen lässt, dann ist keine Akupunktur oder Akupressur möglich." Als Erfolg versprechende Therapien nennt Marion Wagner Akupressur, Tellington Touch, Bach-Blüten, Homöopathie und Farbtherapie . Bei Letzterer sind geeignet zur Behandlung eines Traumas die Farben Violett, Blau und Grün, denn die dunkleren Spektralfarben wirken beruhigend auf die vierbeinige Patientin. Am besten besorgt man sich Partyglühbirnen in diesen Farben im Elektrofachhandel und schraubt sie in die Schreibtischlampe; man kann aber auch farbige Folien vor der Leuchtquelle anbringen, sagt die Tiertherapeutin. Unterstützend empfiehlt sie auch Musiktherapie (u.a. wirken Kammermusik und Barockmusik heilsam)": Zur Entspannung von Mensch und Tier, denn Besitzer traumatisierter Katzen leiden selbst". Marion Wagner bezieht die Katzenbesitzer immer in die Behandlung mit ein:Alle drei müssen was tun: der Besitzer (bekommt eine Hausaufgabe, zum Beispiel seine Katze zu massieren), das Tier und der Therapeut." (Nina Boehme)
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