Umgang mit ängstlichen Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin
Haltung

Umgang mit ängstlichen Katzen

Keine Katze wird ängstlich geboren, allerdings kann bereits die Vorbildwirkung einer furchtsamen Mutter ebenso den Grundstein dafür legen wie ein Mensch, der das Kitten (oder auch eine Erwachsene) durch rüde Behandlung prägt.
 
Angst ist nicht angeboren © animals-digital.de
Ängste können mit Hilfe einer Verhaltenstherapie unter Kontrolle gebracht werden
Oft ein Leben lang gespeichert bleiben aber keineswegs nur hässliche Grobheiten wie Schläge, sondern auch Übergriffe, die wir häufig gar nicht als solche empfinden, wie z. B. ein Kitten am Nackenfell zu packen und fest niederzudrücken, um etwa beim Eingeben einer Wurmtablette jede Gegenwehr zu unterdrücken. Eine solche Katze wird dann in der Regel sogar zusammenzucken oder sich ducken, wenn sich die Hand zum Streicheln senkt. Konnte ihr der neue Besitzer durch liebevolles Handling diese Angst nehmen, wird sie sich dennoch daran erinnern, sollte ein derartiger Übergriff beim Tierarzt praktiziert werden – und entweder panisch unter sich "machen" oder „aufgehen“ wie ein Hefekloß. Die langsame Umgewöhnung gehört jedenfalls in den Bereich der Verhaltenstherapie, und wir stehen dabei an vorderster Front.


Kein Einzelschicksal

Die Angst vor dem Tierarzt kann zwar auch auf einer schmerzhaften Behandlung basieren, die schonender nicht möglich war, aber das wird Mieze ja nicht ständig blühen - was sie aber nicht weiß und daher immer in Panik gerät, auch wenn sie bloß geimpft werden soll.
Beginnen Sie die Desensibilisierung durch harmlose Besuche, d. h. erst einmal kurz im Warteraum sitzen und dann wieder heimfahren. Allein schon der Geruch wird Mieze nicht daran zweifeln lassen, wo sie sich befindet, also genügt das vollauf. Erst wenn die „Wirkung“ zufriedenstellend verläuft, darf beim nächsten Mal der Tierarzt „Hallo“ sagen, wobei sie im Korb verbleibt und Sie bloß das Türchen öffnen, damit sie ihn sehen kann. Hat auch das geklappt ohne Riesenaugen und ohne panisch platt wie eine Flunder im Korb zu liegen, kommt Mieze beim nächsten Besuch auf den Behandlungstisch und darf nach einigen „medizinischen“ Streicheleinheiten nach Hause. Auch freundliche Worte vom vermeintlichen Bösewicht können sich als sehr förderlich erweisen. Viel Lob und stets ein Leckerli beim Heimkommen nicht vergessen!


Angst vor dem Autofahren

Manchen Katzen wird dabei speiübel, das kann eine Angstreaktion sein, genauso aber an anderen unliebsamen Erfahrungen liegen, etwa weil mal die Feuerwehr/Rettung/Polizei mit heulenden Sirenen vorbeigedonnert ist. Zumeist liegt es aber an unserem „besonderen“ Fahrstil – abruptes Bremsen oder Starten, schwungvoll in die Kurven, da wird auch anderen Mitfahrern oft blümerant. Hin und wieder wird Mieze nur übel oder bekommt Angst, wenn sie freihändig auf der Rückbank deponiert wird, z. B. mit einem Gurt. Anderen nur, wenn sie im Korb sitzen. Vor allem in Kunststoff-Boxen wird es relativ schnell heiß, außerdem kann sie in der Enge nicht „gegensteuern“ oder kriegt Platzangst. Ist der Korb aber groß genug, um Hitzestau zu vermeiden, bedecken Sie ihn mal mit einem dünnen Tuch. In der „dunklen“ Höhle fühlen sich ängstliche Katze zumeist am sichersten. Klagende Rufe werden übrigens durch Beschwichtigen oft verstärkt! Das müssen Sie testen.
Zum Umgewöhnen fahren Sie anfangs nur mal sachte um den Block und allmählich immer ein bisschen weiter. Danach loben und belohnen ist obligat!


Angst vor der Transportbox

Nun sind Katzen ja nicht dumm und wissen genau, dass Übles ansteht, wenn der Korb hervorgeholt wird. Also fängt das Problem schon damit an, dass sie entweder verschollen oder nicht reinzubringen sind. Funktionieren Sie den Korb zu einem kuscheligen Dauerschlafplatz um und deponieren (anfangs mehr) immer wieder mal ein Leckerli darin oder servieren Beliebtes überhaupt im Korb. Wird der Vorschlag akzeptiert, schließen Sie probeweise die Tür, tragen Korb mit Katze im Haus ein paar Meter herum und wiederholen das sporadisch so oft, bis es keine Einwände mehr gibt. Danach geht’s vor die Tür und später auf die Straße. Stellen Sie den Korb aber immer an die Ausgangsposition zurück und überstürzen Sie’s nicht. Stets großzügig loben.


Angst vor Fremden

Gäste, Handwerker, Kinder - wenn Mieze generell unterm Bett verschwindet, wenn’s schellt, müssen Sie das akzeptieren, d. h. lassen Sie sie in Ruhe. Auch dann, wenn es nur gelegentlich bei bestimmten Personen vorkommt, weil z. B. deren Stimme oder Parfum Mieze die Sinnesorgane vernebelt. Haut sie Ihnen allerdings hinterher zwecks Abreaktion beim Vorbeigehen die Krallen in die Ferse, dürfen Sie zwar „Autsch“ schreien, sollten sie aber weiter nicht beachten und zur Tagesordnung übergehen. Hat sie sich halbwegs beruhigt, helfen ihr ein paar Spielchen in die Routine zurück. Keine Leckerli! Das könnte sie in ihrem Verhalten bestärken.


Angst-Aggression bei der Fellpflege

Das kommt besonders bei Langhaar- oder Halblanghaarkatzen recht häufig vor. Tipps dazu finden Sie unter„ Pflege “.


"Ängste essen Seele auf"

Manche Katzen fürchten sich sozusagen vor allem, zumeist aufgrund gehäuft auftretender prägender Erfahrungen im „früheren Leben“. Andere wiederum sind seelisch wie geistig Blümchen, die nur langsamer begreifen, leichter erschrecken und, weil sie sich schnell überfordert fühlen, oft unreflektiert reagieren. Das wird oft als aggressives Verhalten missinterpretiert, hat aber nichts damit zu tun. Idealerweise nehmen wir’s mit Engelsgeduld, machen sie nur behutsam mit Neuem bekannt - und versuchen zwar, beruhigend einzuwirken, rennen ihr aber nicht ständig tröstend hinterher. Was sie braucht, ist ein sicheres, stabiles Umfeld. (Christine Klinka)

 
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