Problemverhalten bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Problemverhalten bei Katzen

Es gibt viele Formen von Aggression. Sie treten für uns meist überraschend auf und wir fühlen uns hilflos. Aggressives Verhalten ist aber weder böswillig noch hinterlistig, sondern es wird meist durch Stress, Angst oder falsche Reaktionen ausgelöst.
 
© Stefan Klein / iStockphoto
Die Ursache liegt häufig in einer Überschreitung der Individualdistanz, sowohl zwischen Mensch und Katze als auch zwischen den Vierbeinern.
Hilfe ist allerdings nicht durch Psychopharmaka zu erreichen, weil diese das Problem nur verdrängen. In Extremfällen verschaffen sie den Beteiligten zwar eine Atem- und Nachdenkpause, aber längerfristig eingesetzt kann z. B. Valium Leberschäden hervorrufen.
Die Ursache liegt häufig in einer Überschreitung der Individualdistanz, sowohl zwischen Mensch und Katze als auch zwischen den Vierbeinern. Ob Solo-Tiger oder Gruppenmitglied, der Lebensraum besteht stets aus einem gemeinsamen Revier und aus Bereichen, in denen Besucher empfangen werden – man spricht hier von soziale Distanz – oder die die Katze für sich allein beansprucht. Die Grenzen überschneiden sich und werden auch überschritten, doch zuweilen kann die Toleranz durch verschiedene Auslöser ihr Limit erreichen.

Gruppenprobleme

Revierstreitigkeiten zählen in Clans zu den häufigsten Aggressionsursachen und sind jederzeit möglich, auch nach Jahren friedlicher Koexistenz. Dabei bleibt unbestritten, dass sich der Anlass zu Unstimmigkeiten potenziert, je größer die Sippe ist/wird.
Oft wissen wir es gar nicht, aber in jeder Gruppe gibt es einen Boss (in der Regel ein Weibchen), eine Art gehobene Mittelschicht und Mitläufer. Der auf der untersten sozialen Stufe stehende Paria (keineswegs immer ein Kastrat) wird in der Natur für gewöhnlich des Reviers verwiesen. In häuslicher Gemeinschaft ist das nicht realisierbar, deshalb muss sich die so Geächtete dann z. B. mit den Krümeln im Futternapf begnügen, oder die Benutzung der Katzentoilette wird zum Spießrutenlauf, weshalb sie schon mal neben oder sogar in den Schlafplatz pinkelt. Spätestens dann kriegen wir die Unstimmigkeit mit. Finden immer wieder mal Umschichtungen in der Rangordnung des „Volkes“ statt, wäre das ein Hinweis auf eine wenig harmonisierende Gruppe bzw. darauf, dass der Mensch offensichtlich nicht die „Oberkatze“ ist ...

Big Boss

Das sollten wir aber. Nicht nur, weil wir allein in Krisensituationen den Durchblick haben (sollten), um vermittelnd einzugreifen, sondern weil wir in einer unerkannten Extremsituation genauso unversehens in der Hierarchie abrutschen können. Das gilt übrigens auch für ein Mensch-Katze-Duo, denn der Aufstieg zum Alpha-Tier ist selbst für eine diesbezüglich nicht ambitionierte Katze eine leichte Übung, etwa wenn wir aus warmherzig-gefühlvoller Gutgläubigkeit oder schlichter Unwissenheit einfach alles hinnehmen, was ihr so einfällt. Wenn wir erst bei krasser Überschreitung den Chef herauskehren, wird die Katze das nicht verstehen, weil sie den Zusammenhang nicht erkenn. Eine solche Katze ist jedenfalls kein Dummchen, also lässt sie sich mit Konsequenz auch zu einem Gentleman Agreement überreden.

Was ist zu tun?

Leider gibt es unterschiedliche Situationen wie Sand am Meer, weshalb hier nur Denkanstöße möglich sind – siehe auch „Die ängstliche Katze“ . Absolut tabu sind Schläge. Viele Tipps finden Sie auch unter „Erziehung“ .
  • Schmerzreflex: Auf ihn deutet „plötzliche“ Aggression hin, etwa wenn wir unvermutet einen Prankenhieb abbekommen, weil Verletzungen, Zahnschmerzen oder andere Entzündungsherde (z. B. Niere) oft erst beim Streicheln zutage treten.
  • Wird der Spielpartner attackiert, weil er nach Tierarzt riecht: Stellen Sie den Korb in einen geschlossenen Raum und verteilen Sie nach einer Weile im Fell beider Tiere Einheitsgeruch (Pheromonspray, Bierhefe). Sind sie mit Putzen beschäftigt, öffnen Sie die Verbindungstür. Eine narkotisierte Katze muss vorher aber schon „voll da“ sein. Der Trick kann auch bei Neuankömmlingen helfen.
  • Aggressivität bei „Übergriffen“ basiert auf unliebsamen Erfahrungen, beispielsweise unnachgiebigem Festhalten oder Hochziehen der armen Kreatur an den Pfoten bzw. am Nackenfell. Mag die Katze nicht auf dem Arm bleiben, können Sie das trainieren: Mit beiden Händen aufnehmen und anfangs nach einem Küsschen sofort wieder absetzen, loben, streicheln. Langsam und geduldig ausbauen und immer absetzen, wenn sie zu hampeln anfängt.

Harte Nuss – Alpha-Syndrom

„Konflikt-Streicheln“ wie Kratzen und Beißen bei liebevoller Zuwendung zeigt, dass sich der fügsame Besitzer seiner Unterordnung gar nicht bewusst ist: Nicht jede Katze und jeder Mensch können in gleichwertiger Partnerschaft leben. Meist wird der Grundstein schon früh gelegt, wenn wir dem Katzenkind Finger oder Hände als Spielzeug anbieten.  
  • Ziehen Sie niemals die Hand zurück, solange Krallen/Zähne noch drinstecken, die Kleine wird nur umso fester zubeißen. Schieben Sie die „Beute“-Hand sachte in die Gegenrichtung, dabei haken die Krallen aus, die Hand gerät tiefer in den Rachen, und sie wird das Gebiss öffnen. Dann stehen Sie wortlos auf und lassen sie links liegen.
  • Benutzen Sie jedes Mal, wenn sie kratzen oder beißen will, den gleichen Schlüssellaut, z. B. ein „Au“ mit hoher Stimme, und verlassen ohne weitere Reaktion sofort den Raum. Sie wird sowohl die Bedeutung des Wortes lernen als auch den Zusammenhang, nämlich dass dieses Spiel unerwünscht ist und mit Ignoranz bestraft wird. Dies bestätigt zusätzlich Ihren Rang als Ober-Katze.
  • Wird jeder Streichelversuch mit Blessuren geahndet, lassen Sie Mieze schmoren, selbst wenn sie darum bettelt. Beginnen Sie danach mit Einmal-Drüberstreichen und steigern die Zuwendung ganz allmählich, lassen sie aber sofort stehen, wenn Sie einen Anschlag vermuten.
Manche Katzen steigern sich auch „nur“ durch intensives Streicheln in eine Erregung, die sie anders nicht abbauen können. In solchen Fällen lenkt ein Spiel, etwa mit der Federangel, die aufgestaute Energie auf akzeptable Beutestücke um und stellt das soziale Einvernehmen wieder her. Gleiches gilt für Überfälle aus dem Hinterhalt. (Christine Klinka)
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