Katze streikt beim Fressen | GELIEBTE KATZE Magazin

Katze streikt beim Fressen

Wenn die Katze sich weigert zu fressen, ist ihr Mensch sofort zutiefst verunsichert: „Das Tier wird mir doch nicht vorm vollen Napf verhungern?"
 
Katze streikt beim Fressen © Antonio Nunes / iStockphoto
Psycho-Probleme machen Futter-Probleme...
In den meisten Fällen ist diese Sorge unbegründet: Es ist nur ein Anfall von „Suppenkasperei", und wegen einer ausgefallenen Mahlzeit verhungert keine gesunde Katze. Ihr starker Selbsterhaltungstrieb wird dafür sorgen, dass irgendwann einmal der Hunger siegt. Sorgen sollten Sie sich erst machen, wenn die Katze länger als einen Tag fastet. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. Wenn die Katze gleichzeitig irgendein anderes Symptom wie z. B. Interesselosigkeit, Müdigkeit, Erbrechen, Durchfall usw. zeigt, sollten Sie umgehend der Tierarzt aufsuchen - denn dann könnte die Appetitlosigkeit ein Krankheitssymptom sein. Mundgeruch in Verbindung mit mangelndem Appetit beispielsweise kann ein Zeichen sowohl für Zahnprobleme als auch für Nierenschäden sein, beide Probleme gehören in tierärztliche Behandlung. Sofort zum Tierarzt müssen bei einem Hungerstreik auch die „Pummelchen” unter den Katzen. Wenn sie nur 24 Stunden fasten, kann ihre Leber verfetten und sich eine unter Umständen tödliche Leberlipidose entwickeln. Sobald die wohlbeleibte Katzen wieder auf dem Damm ist, sollte sie daher auch dringend abnehmen – aber immer hübsch langsam. Schließlich gibt es auch noch die Dickköpfe und Sensibelchen unter den Katzen, die jede Veränderung in ihrer Umgebung mit einem Hungerstreik beantworten. Am häufigsten tritt die Nahrungsverweigerung bei der Umstellung auf ein neues Futter auf. Katzen können beängstigend hartnäckig auf ihre gewohnte Nahrung bestehen. Auch andere Umstände wie z.B. der Geruch von Putzmitteln (Zitrone ist besonders eklig) oder anderen Chemikalien können der Katze den Appetit verderben. Die Katzentoilette sollte sich (selbstverständlich) nicht im „Esszimmer” des Stubentigers befinden. Zu viel Hektik schlägt auf den Magen – an ihrem Futterplatz möchten Katzen ungestört sein.

Psycho-Probleme machen Futter-Probleme

Schwierig wird es, wenn die Katze  trauert , z. B. um eine wichtige Bezugsperson oder aber auch um die vertraute Umgebung nach einem  Umzug . Der Verlust macht das Tier unsicher. Ruhe, ein fester Tagesablauf und die Möglichkeit, sich an einen geschützten Ort zurückzuziehen, können die Katze stabilisieren. Besonders wichtig sind in dieser Situation vertraute und gewohnte Gegenstände und Menschen. Verführen Sie eine trauernde Katze ruhig mit besonderen Leckerbissen – aber nicht zu lange, sonst frisst sie nichts anderes mehr. Natürlich kann es auch am Futter selbst liegen. Als Fleischfresser lieben Katzen den Geschmack von Eiweiß, dem japanische Wissenschaftler die Bezeichnung „umami” gegeben haben, während sie Zucker und Salz offensichtlich kaum zu schmecken vermögen. Die meisten Katzen haben daher eine Vorliebe für eiweißreiche Nahrung wie Fleisch und Fisch, während sie pflanzliche Bestandteile eher verschmähen. Doch Fleisch allein stellt auch für die Katze keine ausgewogene Ernährung dar – daher müssen die Stubentiger mit pflanzlichen Beilagen leben, gleichgültig ob ihr Mensch selbst kocht, eine Dose oder eine Trockenfutterpackung öffnet. Manchmal liegt es aber auch an der Frische des Futters: Vor allem im Sommer kann Nassfutter leicht verderben. Prinzipiell sollte Nassfutter in kleinen Portionen, die die Katze auf einmal fressen kann, angeboten werden - Reste sind unappetitlich und locken Ungeziefer aller Art an. Schließlich sind manche Katzen kleine Tyrannen, wenn es ums Futter geht. War am Dienstag noch das Lachsdöschen der Hit, muss es am Donnerstag Hühnchen sein. Die „Wohlstandskatze” kennt keinen echten Hunger und kann sich, wenn ihr Mensch da mitmacht, solche Kapriolen leisten.

Fremde Näpfe sind oft reizvoller

Wenn Sie glauben, Ihre Katze fresse grundsätzlich zu wenig, wiegen Sie sie einmal wöchentlich. Wenn die Katze weder zu- noch abnimmt, ist alles im Lot. Was aber, wenn die Katze eines Tages tatsächlich keinen Bissen zu sich nimmt? Ist die Katze gesund und munter, lassen Sie sich nicht an der Nase herumführen. Sind Sie außerdem wirklich sicher, dass die Mahlzeit ausgefallen ist? So manche Katze geht gern beim Nachbarn speisen. Selbst reine Wohnungskatzen finden Wege, sich außer der Reihe zu versorgen, nicht wenige sind Meisterdiebe, wenn es um Leckereien geht, oder werden von einem Familienmitglied nebenbei verwöhnt. Künstliche Verknappung wirkt manchmal Wunder: Entfernen Sie alles (wirklich alles!) Fressbare aus der Reichweite Ihres Suppenkaspers, und dann lassen Sie das liebe Tierchen ein paar Stunden schmoren. Ein gesunder Stubentiger wird bald um Futter betteln – bieten Sie ihm dann das verschmähte Futter in Miniportionen wieder an. (Dosenfutter und anderes Nassfutter allerdings frisch zubereitet und nie direkt aus dem Kühlschrank). Am besten duftet und schmeckt es übrigens lauwarm.

Futtermangel fördert den Appetit

Dieses Spielchen können Sie ohne Sorge zwei- bis dreimal wiederholen. In den meisten Fällen wird die Katze kapitulieren – manchmal aber auch Sie, dann tragen Sie es mit Humor und probieren es in Gottes Namen mit Hühnchen und, wenn das nicht behagt, mit Thunfisch oder Rind. Trotzdem – werfen Sie aus Liebe zu Ihrer Katze nicht immer sofort die Flinte ins Korn. Eine Katze, die in Bezug auf das Futter immer ihren Kopf durchsetzt, ist schwer von einer medizinischen Diät zu überzeugen, die bei chronischen Krankheiten ihr Leben retten kann. (Barbara Welsch, Tierärztin)

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