Katze kratzt an Möbeln: So gewöhnt man es ihr ab | GELIEBTE KATZE Magazin

Katze kratzt an Möbeln: So gewöhnt man es ihr ab

Ja nun, eigentlich ist das keine Unart, denn Kratzen ist für Katzen eine Notwendigkeit und gehört zum täglichen Verhaltensrepertoire. Bloß am Interieur mögen wir's halt weniger gern. Haben wir eine Chance, ihr das abzugewöhnen? Ja.
 
© animals-digital.de
Die einfachste Übung ist freilich, wenn Mieze vom ersten Tag ihres Einzuges an – allmählich – daran gewöhnt wird, ihre Grenzen kennenzulernen.
Wie groß sie ist, hängt allerdings zum einen davon ab, ob sie einen Kratzbaum hat (sowie von dessen Beschaffenheit, siehe Nimmt Kratzbaum nicht an ), zum anderen, inwieweit sie unter Langeweile leiden könnte bzw. wie tolerant wir bisher gewesen sind. In erster Linie sind es Stubentiger, die durch den logischerweise dosierten Bewegungsspielraum weder sonderlich viele Möglichkeiten zur Unterhaltung noch zum Frustabbau haben. Und sich dann eine Beschäftigung suchen, die selten in unserem Sinne ist. Oder wir haben schon vom Start weg die falsche Richtung vorgegeben.

Konsequenz, was ist das?

Zu den interessantesten Phänomenen gehört nämlich, dass wir oft großzügig über Kratzgewohnheiten an alten (Polster)möbeln hinwegsehen, während neue den stolzen Besitzern bei der gleichen Tätigkeit spitze Schreie des Entsetzens entlocken. Nun tut die Katze aber bloß das, was sie immer getan hat, weil sie zwischen alt und neu keinen Unterschied sieht. Und wieso kriegt ihr Mensch jetzt einen Herzinfarkt und benimmt sich so widerlich?

Eine schrecklich nette Familie

Bevor wir auf 180 sind und keinen Nerv für wohlwollende Umgewöhnung haben, können wir es mit Abschreckung versuchen und während unserer Abwesenheit das Möbel mit Gegenständen zupflastern, die bei Berührung Lärm erzeugen, z. B.:
  • Ein Stapel leerer Dosen, die penibel aufgeschichtet später mit Gedöns herunterfallen;
  • altes Blechspielzeug, z. B. Blechfrösche zum Aufziehen, die gefühlvoll platziert erst bei Kontakt lossprinten.
Oder was halt immer sich eignet und Krach erzeugt. Der Wirksamkeit könnte möglicherweise aber Grenzen beschieden sind. Die nächste Variante

Spielerische Ablenkung

gereicht unserem Heim auch nicht unbedingt zur Zierde, hat schon mehrmals geholfen, weil Mieze so beschäftigt war, dass sie aufs zerstörende Werk vergessen hat:
  • Ein Stapel mittelgroßer Kartons mit wenig klapperndem Inhalt macht sich gut (?) auf dem neuen Sofa. In alle Schlupflöcher verschiedener Größe schneiden – von grade mal Pfotengroß bis zur Möglichkeit durchzuschlüpfen. Fallen die Dinger runter, erzeugen sie erst mal Lärm, aber wenn Mieze den Schreck verdaut hat, wird ihr Interesse geweckt. Abwechslung ist auch hier das halbe Leben: Andere Kartons, anderer Inhalt ...

Mieze allein zu Haus

Ziert aber kein neues Stück unser Heim und Mieze findet plötzlich Interesse am Malträtieren bisher verschmähter Einrichtungsgegenstände, wird sie es mit ziemlicher Sicherheit zunächst ausschließlich dann tun, wenn ihr Mensch dabei ist und es sehen kann. Die Übersetzung ist simpel: Bitte beschäftige dich mit mir!

Bevor daraus ein ernsthaftes Problem wird, sollten wir der Aufforderung Folge leisten – kurze, aber häufige Aufmerksamkeiten wie z. B. jedes Mal beim Vorbeigehen ansprechen oder ein bisschen drüberstreicheln wirken besser als zwei Marathon-Stunden während des Fernsehens. Die wir freilich beibehalten sollten, wenn sie zum Tagesritual geworden sind. Zweimal täglich tüchtig Action (je nach Alter) zusätzlich sollten gleichfalls machbar sein. Denn Abschreckung allein wird selten fruchten, sondern Mieze verdrossen eine andere Taktik überlegen lassen. Aber:
  • Schickt sie sich zum Kratzen an, folgt ein festes „Nein“ (nicht schreien). Hält sie nur inne, heben wir sie auf und tragen sie wortlos zum Kratzbaum. Lässt sie davon ab, heißt es „Braaav“ und es darf geschmust werden. Kurz, dafür ein bisschen dick aufgetragen, reicht.
Übrigens: Wie wär’s mit einem Kumpel? Ein Duo richtet erfahrungsgemäß deutlich weniger Schaden an als eine unterbeschäftigte Einzelkatze.

Zu kurz geraten?

Ein Jungtier zu verscheuchen, weil es (noch) mangels Sprungkraft beziehungsweise entsprechend langer Beine „zu Fuß“ das Sofa erklimmt, wäre kontraproduktiv. Das hat mit Zerstörung ganz und gar nichts zu tun, auch wenn so mancher Dekorstoff beleidigt darauf reagiert. Der Menschen liebster Augapfel, die Ledercouch, verführt übrigens eher weniger zu Kratzorgien – zu glatt! Kleinen Kätzchen erleichtert eine anfangs darüber festgeklemmte Decke/Bezug den Gipfelsturm.

Allgemeine Tipps

  1. Ob die Couch nun bloß neu bezogen werden soll oder ein Neukauf angedacht ist (= ein Stück Ersatzstoff mitbestellen): Krampfhaft nach einem möglichst kräftigen Stoff zu suchen, „der etwas aushält“, ist ganz falsch, denn dieser verleitet geradezu zum Krallenschärfen. Sehr glattes Material dagegen ist unattraktiver, ebenso wie weiches, wollartiges, das bei jeder Berührung sofort nachgibt: Mieze rutscht ab, bleibt hängen, hat keinen Halt, spürt keinen Widerstand - da kommt wenig Freude auf. Welche Katze misshandelt eine Plüschdecke? Sie lädt höchstens zum „Milchtreten“ ein, das mit Kratzen ja nun nichts zu tun hat!
  2. Mit Fernhaltesprays zu wedeln vernebelt in der Regel die Sinne aller Anwesenden, das war’s dann aber auch schon wieder. Hat sich die Wolke verzogen und Mieze alle Fünfe wieder beisammen, wird sie trotzdem wieder drangehen.
Die einfachste Übung ist freilich, wenn Mieze vom ersten Tag ihres Einzuges an – allmählich – daran gewöhnt wird, ihre Grenzen kennenzulernen. Dann wird sie diese später auch nicht überschreiten. Es sei denn, sie hat berechtigt über Vernachlässigung zu klagen! (Christine Klinka)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren