Wenn Katzen schnurren | GELIEBTE KATZE Magazin

Wenn Katzen schnurren

Katzen schnurren, wenn sie sich wohl fühlen oder Vertrauen aufbauen wollen. Außerdem hat Schnurren eine heilende Wirkung.
 
© Tzooka / Dreamstime
Schnurren ist heilsam für Körper und Seele.
Es klingt unglaublich: Verletzte Katzen können ihre Heilung beschleunigen, indem sie schnurren! Besonders Knochenbrüche heilen auf diese Weise bei Katzen schneller als bei anderen Tieren. Wissenschaftler erforschen die Ursachen dafür. Ebenfalls Gegenstand der Forschung sind weitere Einsatzmöglichkeiten – sowohl für die Katzen als auch für den Menschen. Die medizinisch wertvolle Schnurr-Frequenz liegt zwischen 27 und 44 Hertz, fanden nordamerikanische Wissenschaftler des „Fauna Communications Research Institute“ in North Carolina heraus. Auch in Berlin wurde mit den heilenden Vibrationen experimentiert.

Knochenaufbau durch Muskeltraining

Prof. Dr. Leo Brunnberg von der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere an der Freien Universität Berlin untersuchte die Morphologie, also Strukturen und Formen, von Katzenknochen. Dabei verwendete er unter anderem eine spezielle Form der Computertomografie, mit der die Struktur des Knochens und die Verteilung seiner Masse ermittelt werden können. Daraus lässt sich seine Festigkeit berechnen. Mit einem Mikro-Computertomografen kann Prof. Brunnberg darüber hinaus Knochenstrukturen in einer Größe von fünf tausendstel Millimetern darstellen und analysieren. Herausgefunden haben die Wissenschaftler, dass das Schnurren zunächst die Muskulatur anregt. Diese steht in enger Beziehung zum Knochen. Durch die kaum merkliche Belastung der Muskeln wird der Knochenwuchs gefördert. Der Knochen passt sich an die Muskulatur an. Poröse Knochen bekommen auf diese Weise mehr Dichte und Stabilität, gebrochene Knochen heilen schneller. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass neben Katzen auch Patienten, die an Knochenschwund (Osteoporose) leiden, von diesen Behandlungsmethoden profitieren können. Eine schonende Behandlung ist in Aussicht. Auch Astronauten, die in der Schwerelosigkeit häufig von Knochenschwund betroffen sind, zählen zum möglichen Kreis der Verwender. Gerade in der Debatte um eine bemannte Mars-Mission kann diese Forschung relevant werden. Auch Sportler, die ihre Leistungen durch Behandlungen mit Vibrationen deutlich steigern können, sind mögliche Nutznießer der Forschungen.

Vibrationstraining macht sportlich

Dr. Dieter Felsenberg, ebenfalls an der Freien Universität Berlin, hat ein so genanntes Vibrationstraining entwickelt. Eine Platte wird von einem Elektromotor in leichte Schwingungen versetzt, die lediglich Muskelreflexe auslösen. Erfolgreiche Tests mit dem Gerät, das den Namen „Galileo 2000” trägt, gab es mit der Deutschen Jugend-Nationalmannschaft der Volleyballerinnen. Die Versuchsteilnehmerinnen stellten sich regelmäßig für eine kurze Zeit auf die vibrierende Platte, und nach nur vier Monaten sprangen die Volleyballerinnen immerhin zehn Zentimeter höher. „Ein Training von drei Minuten auf dem Galileo 2000 entspricht einer Muskelbeanspruchung eines 10.000-Meter-Laufs”, erläutert Dr. Felsenberg.

Biologischer Vorteil durch Schnurren

Für Katzen ist das Schnurren also auch nicht nur Ausdrucksmittel des sozialen Verhaltens, sondern ein biologischer Vorteil. Vielleicht ist dies auch ein Auslöser für die Legende der neun Katzenleben. Außer Hauskatzen schnurren übrigens fast alle Katzenarten mit Ausnahme einiger Großkatzen, die aus anatomischen Gründen stattdessen eindrucksvoll brüllen. Das Schnurren an sich entsteht im Kehlkopf der Katze. Der Vorgang ist noch nicht völlig geklärt. Luft streicht beim Ein- und Ausatmen über die Stimmbänder hinweg. Der Luftstrom wird durch die Kehlkopfmuskulatur bis zu 30 Mal in der Sekunde unterbrochen. Nehmen Sie also einmal mehr Ihr wunderbares Wesen Katze auf den Schoß. Sobald sie zu schnurren beginnt, hilft das den Knochen Ihres Lieblings und Ihren eigenen vermutlich ebenso.

Schnurren ist heilsam für Körper und Seele

In erster Linie dient das Schnurren natürlich der Kommunikation: Katzen signalisieren damit der Umwelt, dass sie zufrieden oder glücklich sind. Weil das rhythmische Geräusch ansteckend wirkt, überträgt sich die Friedensbotschaft einer schnurrenden Katze sehr schnell auf die gesamte Gruppe. Schnurren ist Katzen angeboren: Die Mutter bringt nicht selten unter lautem Schnurren ihre Babys zur Welt. Und die unterstreichen das feine Schmatzen beim Trinken an der Zitze oft schon am ersten Tag mit glucksendem, zartem Schnurren.

Wer brüllen kann, schnurrt nur kurz

Eine Besonderheit in der Welt der Säugetiere. Denn nur Kleinkatzen wie unsere Hauskatzen, die Falbkatze und die Wildkatze schnurren beim Ein- und beim Ausatmen, beim Trinken und beim Fressen. Großkatzen (und wir Menschen) vermögen das nicht. Löwe, Tiger und Co. stoßen zwar beim Ausatmen ab und zu schnaubende Schnurrlaute aus, doch müssen sie ihre "Arien" unterbrechen, um Atem zu holen. Auch wir Menschen geben nur mit dem ausgestoßenen Atem Töne von uns. Geht uns die Luft aus, müssen wir verstummen. Ein hufeisenförmiges Knöchelchen am Zungenansatz, das Schädel und Zunge miteinander verbindet, ist verantwortlich für diese Fähigkeit, die - wie Wissenschaftler ermittelten - auch Nebenwirkung hat.

Schnurren lässt den Körper vibrieren

Katzen schnurren nämlich (beim Einatmen) mit einer Frequenz von rund 25 - 28 Hz bzw. (beim Ausatmen) im Bereich 27 - 40 Hz. Die Schnurrtöne versetzen den gesamten Körper in Vibrationen. Und diese Vibrationen lösen Muskelverspannungen und stärken die Knochen. Vermutlich ist das Schnurren also der Grund dafür, dass Knochenbrüche bei Katzen sehr selten sind und schnell heilen. Weil beim Schnurren der gesamte Körper entspannt, werden damit auch Schmerzen gelindert und Ängste gemildert. Nicht nur bei der schnurrenden Katze selbst, sondern auch in ihrer Umgebung. Eine rhythmisch schnurrende Katze kann Schlafstörungen ihrer Menschen beheben, Stress-Symptome verschwinden lassen und den Blutdruck senken. Ob sie auch stärkend aufs menschliche Skelett wirkt, prüfen Forscher.

(Text: Martin Schröder)

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