Das Raubtier- und Exotenasyl | GELIEBTE KATZE Magazin
Hier wird Wildtieren geholfen

Das Raubtier- und Exotenasyl

Was passiert mit Wildtieren aus illegaler oder schlechter Haltung, zum Beispiel in Zirkussen oder Privathaushalten? Das Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach/Wallersdorf nahe Nürnberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Tieren ein liebevolles und artgerechtes Zuhause zu geben.
 
© Sabrina Reinsch
Auf Tuchfühlung mit einem Tiger.

Es ist ein kalter und regnerischer Morgen, als ich zum Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach/Wallersdorf nahe Nürnberg aufbreche. Der gemeinnützige Verein, der 2007 gegründet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht Wildtieren aus illegaler oder schlechter Haltung, zum Beispiel in Zirkussen oder Privathaushalten, ein liebevolles und artgerechtes Zuhause zu geben. Luchs, Tiger, Frettchen, Polarfuchs oder Puma – "Geliebte Katze" hat sie alle besucht.

Noch vor dem Eingang nehmen mich Asylleiter Olaf Neuendorf und Pressesprecher Jörg Endres in Empfang. Zwar hört man noch keine Tiger brüllen, doch der Geruch spricht klare Worte: Ich bin nicht mehr weit von den Tieren entfernt!

Auf zu den imposanten Großkatzen

Doch was ist das? Das sind doch keine Katzen, die mir da ganz frech und neugierig aus dem ersten Gehege entgegensehen? – Nein, es sind zwei Makaken-Affen, die, wie Jörg Endres sagt "besser nicht angelacht werden wollen". Denn mit dieser Körpersprache drücken die Tiere untereinander Feindseligkeit aus.

Jörg Endres wirft einen Blick in mein Gesicht und schmunzelt: "Ich sehe schon, Ihnen kommt es auf andere Tiere an!" Auf unserem Weg zu Pumadame Pünktchen kommen wir an drei Tigerbrüdern vorbei. Doch die drei scheinen noch nicht so ganz wach zu sein, denn sie liegen faul herum und der "Aufschneider" unter den Brüdern raunzt uns hinterher. Ziemlich leise und fast schon ein wenig freundlich. Ganz nach dem Motto "Ich bin noch zu müde für Besuch!" Wir gehen ein paar Schritte entlang des Weges, der durch das Gelände führt, und dann sehen wir sie: Pünktchen. Zwar ist mir klar, dass es sich um ein wildes und auch gefährliches Tier handelt. Aber sie wirkt auf mich so niedlich, dass ich mir ein "Die ist aber süß!" nicht verkneifen kann. Jörg Endres erklärt, dass Pünktchen nicht zu unterschätzen ist. "Bei ihr hätte ich nun wirklich keine Lust, einen Fehler zu machen!"

Vielleicht liegt es daran, dass sie ihren Bruder verloren hat ... Die Pumadame wurde zuvor zusammen mit ihrem Bruder Anton bei einer Hausdurchsuchung in einem kleinen Verschlag gefunden. Seitdem durften die beiden hier ein glückliches Leben miteinander verbringen. Doch letztes Jahr verließ der diabeteskranke Anton das Exotenasyl über die Regenbogenbrücke.

Diese Begegnung werde ich nie vergessen

Auf dem Weg zum benachbarten Gehege erzählt Jörg Endres von Tigerdame Rhani. "Die Alterspräsidentin" ist 20 Jahre alt und gerade mal mit einem Monat kam sie hierher. Man hatte versucht, das kleine Tigerbaby zu schmuggeln und illegal zu verkaufen. Als Rhani mir dann das erste Mal sanft in die Augen schaut, begrüßt sie mich mit einem Laut, der einem Schnurren oder Prusten ähnelt. Ich bekomme Gänsehaut. Denn schließlich hat sie so schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht und trotzdem: Sie geht freundlich auf mich zu. Es ist verwunderlich, wie ein so großes Tier doch so zart und gutmütig wirken kann.

Auf einem gekiesten Weg, der von Fichten umgeben ist, gehe ich am Zuhause der Frettchen vorbei und darf dort eines der Tiere streicheln. Nach der Kuscheleinheit machen wir einen kleinen Abstecher zu Polarfüchsin Finja und Rotfuchs Leo – sie spielen gerade Verstecken. Luchs Anubis, ein Neuankömmling, sitzt in seinem eigenen Gehege anmutig auf einem Baumstamm und blickt auf uns herunter. Noch immer ist es ziemlich kalt, aber ein Besuch bei Tigerdame Kiara und ihrem Vater muss sein. Die beiden kommen aus einem Zirkus, der sich die Tiere nicht mehr leisten konnte. "Sie scheucht ihren Vater ganz gerne, wenn sie schlechte Laune hat", sagt Jörg Endres schmunzelnd. "Aber grundsätzlich verstehen sie sich sehr gut und kuscheln auch manchmal miteinander." Die beiden Tiger laufen aufmerksam am Gitter des Geheges entlang. Jörg Endres und Olaf Neuendorf stehen noch dort, unterhalten sich und beobachten die Tiere. Plötzlich pinkelt ein Tiger gezielt die Mitarbeiter an. Einer der beiden verzieht das Gesicht, denn er wurde direkt ins Auge getroffen. Irgendwie lustig, doch ich traue mich nicht zu lachen. Wie werden die Pfleger jetzt reagieren? Plötzlich lachen beide unbefangen los. Sie nehmen die Situation mit Humor und erklären: "Das ist eben so, wenn man mit diesen Tieren arbeitet. Da stinkt man schon mal ein bisschen, wenn man nach Hause kommt!"

Hoffnungsvolle Wünsche für die Zukunft

Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und die Dämmerung setzt ein. Jörg Endres seufzt und sagt: "Zwar muss man manche Gehege mit einer Zwei-Zimmerwohnung in der Innenstadt vergleichen, aber wir machen alles, damit es den Tieren bei uns gut geht. Hoffentlich wird weiter für die Tiere gespendet, sodass wir die Möglichkeit haben, die eine oder andere Verbesserung für sie zu erwirken. Ich wünsche mir sehr, dass unserem Verein noch viele Tierfreunde, die uns aktiv unterstützen wollen, beitreten. Wir möchten, dass wir den Tieren noch lange helfen können."

Auf der Heimfahrt denke ich über diese Worte nach und hoffe, dass die Wünsche von Jörg Endres in Erfüllung gehen. Zwar war mir klar, dass dieser Tag etwas ganz Besonderes werden würde. Doch meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Ich lasse den Tag Revue passieren und denke an die drei müden Tigerbrüder, die "süße" Pünktchen, die alte Rhani und ihre Freunde – sie alle haben dieses gute Zuhause wirklich verdient.

Text: Sabrina Reinsch

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BIC: BYLADEM1ANS

Weitere Informationen finden Sie unter www.raubkatzenasyl.de


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Dieser Artikel ist in unserer Zeitschrift Ausgabe 5/2014 erschienen.
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