Deutsch Langhaar

Langhaarkatzen wurden bereits im 19.Jahrhundert aufgrund ihres attraktiven Äußeren gezüchtet. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Herkunft, Charakter, Wesen, Haltung und Pflege der Katzenrasse Deutsch Langhaar.
 
© Klostermann
Im 19. und 20. Jahrhundert war die Katze bei Künstlern ein sehr beliebtes Motiv.

Steckbrief

  • Größe: mittelgroß - groß
  • Gewicht: Katze: 3,5 - 5 kg; Kater: 4,5 - 6 kg
  • Felllänge: Halblanghaar
  • Fellfarben: alle Farben
  • Augenfarbe: alle Farben
  • Ursprungsland: Deutschland

Charakteristika

  • Bewegungsdrang: mittel
  • Lautstärke: gering
  • Pflegeaufwand: mittel
  • Zeitaufwand: mittel

Aussehen

Die Deutsch/Europäisch Langhaar ist eine sehr ausgewogene Katze. Das bedeutet, sie ist weder orientalisch extra-schlank noch pummelig wie Perser. Also ein gemäßigter Typ. Die Gesamtform ist lang-rechteckig. Die Beine sollen laut Standard mittellang und muskulös sein. Die Pfoten sind recht groß und rund. Der Schwanz sollte nicht ganz so lang sein wie der Körper und langes, wehendes Deckhaar aufweisen. Der Standard der Deutsch/Europäisch Langhaar macht es den Züchtern wenigstens, was die Farben angeht, nicht zu schwer: Alle Fellfarben sind erlaubt, also Einfarbig, Zweifarbig, Dreifarbig, sämtliche Tabbys und so weiter. Auch weiße Abzeichen sind kein Problem. Die ausdrucksvollen Augen dieser Rasse sollen groß, oval, leicht schräg gestellt und dabei weit auseinander stehend sein. Klare Farben sind erwünscht, die jeweils zur Farbe des Köperfells passen. Jede Farbe (Gelb, grün, Blau, Orange…) ist erlaubt.

Wesen und Charakter

Unkompliziert soll sie sein! Die Deutsch/Europäisch Langhaar soll ein gemäßigtes Temperament haben. Ein gutes Wesen ist höher zu bewerten als schöne Farben. Die Deutsch/Europäisch Langhaar ist ruhig, gelassen und anhänglich. Sie ist menschenfreundlich und offen. Trotz ihres ruhigen Wesens ist sie verspielt und aktiv. Sie soll verträglich sein und sich sowohl mit anderen Katzen als auch Hunden und Kindern verstehen.

Haltung und Pflege

Die Deutsch/Europäisch Langhaar wird als ruhige Wohnungskatze gezüchtet. Dennoch braucht sie Platz und würde sich über Frischluft auf dem Balkon oder im Garten freuen. Wie bei allen Katzen ist gesunde und abwechslungsreiche Nahrung auch bei der Deutsch/Europäisch Langhaar Voraussetzung für ein langes und gesundes Leben. Die Einsamkeit liebte diese Katze nicht besonders, daher sollten besonders Berufstätige eine Mehrkatzenhaltung in Erwägung ziehen. Das lange Fell der Deutsch/Europäisch Langhaar ist pflegeleicht, sollte aber während des Fellwechsels regelmäßig gebürstet werden.

Krankheitsanfälligkeiten

Da die Deutsch/Europäisch Langhaar noch eine sehr junge Katze ist, kann noch keine Aussage über rassespezifische Krankheiten getroffen werden. Natürlich kann diese Katze wie jede andere Rasse auch, an Infektionskrankheiten erkranken. Damit die Katze gesund bleibt muss sie jedes Jahr gegen Katzenschnupfen und -seuche geimpft werden. Wenn die Deutsch/Europäisch Langhaar Freilauf hat muss sie auch gegen Tollwut und Leukose geimpft werden.

Herkunft und Geschichte

Langhaarkatzen wurden bereits im 19.Jahrhundert aufgrund ihres attraktiven Äußeren gezüchtet. Vor allem seltene Fellfarben und das lange Fell waren wichtig, die diese Katzen von den normalen Hauskatzen unterschied. So blieb die Zucht dieser „Angorakatzen“ lange Zeit ein Privileg der Reichen, was freilich nicht verhinderte, dass es immer wieder zu Verpaarungen mit Hauskatzen kam. Zu Beginn des 20.Jahrhunderts wurden erste Standards aufgestellt und in Deutschland wurde von Prof. Friedrich Schwangart in den 1930er-Jahren die langhaarigen Katzen in zwei Typen eingeteilt. Den gedrungeneren mit kürzerer Schnauze nannte er nach englischem Vorbild „Perser“, den mehr der Ursprungsform der Angorakatze entsprechenden „Deutsch Langhaar“. Die Deutsch Langhaarkatze schaffte es unter der Bezeichnung „ Race Boreale“ oder „Borealis“ sogar zur internationalen Anerkennung und wurde erfolgreich gezüchtet und ausgestellt.

Nach dem zweiten Weltkrieg geriet die Deutsch Langhaarkatze mehr und mehr in Vergessenheit, wurde noch eine Weile als Angorakatze gezüchtet und die Mehrzahl ging in die Perserzucht ein. Die Rasse wäre wohl für immer im Dunkel der Geschichte verschwunden, wenn nicht eine Gruppe von Züchtern auf sie aufmerksam geworden wäre. Sie machten es sich zum Ziel, die alte Rasse mit passenden Gründertieren wieder auferstehen zu lassen. Sehr groß war die Freude, als man entdeckte, dass es tatsächlich noch eine Züchterin - Renate Aschemeier - gab, die bereits Ende der 1960er Jahre ihre Zucht mit Katzen aus alten Linien gegründet hatte. Die schon hochbetagte Dame gab ihre letzten Zuchtkatzen in die Hände der Deutsch Langhaarzüchter und im Jahr 2011 kam in der Zucht „von Germangora“ von Claudia Westmeier-Heinrich der erste Wurf von „Bär von der Wassermühle“ zur Welt, 2013 folgte ein weiterer, so dass nun mit Recht von einer Deusch Langhaar-Erhaltungszucht gesprochen werden kann. 2012 erfolgte ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Rasse, denn sie wurde sowohl national als auch international (WCF) wieder offiziell als „Deutsch Langhaar“ bzw. bei manchen Vereinen als „Europäisch Langhaar“ anerkannt.

Hätten Sie's gewusst?

Im 19. und 20. Jahrhundert war die Katze bei Künstlern ein sehr beliebtes Motiv – sei es in der Dichtkunst oder in der Malerei. Der Münchner Künstler Julius Adam (1852 – 1913) beispielsweise ist bekannt für seine Katzengemälde. Und nicht nur das: er malte bevorzugt langhaarige Tiere. Wahrscheinlich die Ahnen der heutigen Deutsch/Europäisch Langhaar!

Autorin: Dr. Silke Sandberg
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