Chartreux

Um eine hartnäckige Legende zu entkräften: Es waren nicht die Mönche des Ordens von der Grande Chartreuse bei Grenoble, die sich schon lange Jahrhunderte vor den Damen Léger der Katzenzucht widmeten und den schönen Blauen den Namen gaben. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Herkunft, Charakter, Wesen, Haltung und Pflege der Katzenrasse Chartreux.
 
Chartreux © animals-digital.de
Kaum eine anderen Rasse weist zwischen den Geschlechtern so frappante Unterschiede in der Gesamterscheinung auf wie die Chartreux.

Steckbrief

  • Größe: mittelgroß
  • Gewicht: Katze ca. 4kg, Kater 6 - 7kg
  • Felllänge: Kurzhaar
  • Fellfarben: blau
  • Augenfarbe: dunkles Gelb bis dunkles Kupfer, keinerlei Grün
  • Ursprungsland: Frankreich

Charakteristika

  • Bewegungsdrang: mittel
  • Lautstärke: gering
  • Pflegeaufwand: mittel
  • Zeitaufwand: mittel

Aussehen

Eine Chartreux (sprich: „schartröö“, deutsche Bezeichnung: Kartäuser) muss sich standardgemäß deutlich von Russisch Blau oder Britisch blau unterscheiden. Kreuzungen mit diesen (oder anderen) Rassen sind unerwünscht. Die mittelgroße/große Katze ist kräftig, muskulös, mit gut entwickelter Brust und steht auf gut bemuskelten, mittellangen Beinen (höher als die Briten, weniger hoch wie die Russen). Der breite Kopf ist nicht gewölbt und bildet ein Trapez = breit an der Basis, schmal an der Stirn; die Nase ist breit und gerade ohne Einbuchtung; die mittelgroßen Ohren mit dem schmalen, flachen Zwischenraum sitzen leicht zur Seite geneigt hoch am Schädel; die großen Augen sollen leicht schräg und nicht allzu rund sein; der mittellange Schwanz darf zum gerundeten Ende dünner zulaufen; das Fell ist glänzend und dicht, das dichte Unterkleid am Grund etwas wollig, von gleicher Länge = „doppeltes“ Fell und leicht aufstehend. Alle Schattierungen von (einheitlichem) Blau sind erlaubt, helles Graublau wird bevorzugt. Fehler: Z. B. weiße Haare, Geisterzeichnung, bräunlicher Farbton.

Kaum eine anderen Rasse weist zwischen den Geschlechtern so frappante Unterschiede in der Gesamterscheinung auf wie die Chartreux – während die Kater auf imposant machen (und es auch sein sollen) mit ihrem manchmal etwas strengen Blick und den gewünscht breiten Backen, geben sich die Ladys vergleichsweise lieblich und deutlich kleiner.

Wesen und Charakter

Als harmoniesüchtig, wesensstark und freundlich beschrieben, hängt die Chartreux bei liebevoller Behandlung treu an ihrem/n Menschen und fühlt sich auch als Einzelkatze wohl, wenn sie nur tagsüber allein gelassen wird. In der Jugend lustige Kobolde, können auch Erwachsene mitten im Kinderzimmer Party machen, während andere mit fortschreitendem Alter das Philosophieren vorziehen, aber trotzdem nicht vom Familienleben ausgeschlossen werden möchten. Auch ein netter Hund ist kein Hindernis.

Haltung und Pflege

Einfach, dennoch sollten aufgrund des wolligen Unterfells Kamm/Bürste einmal wöchentlich Saison haben. Artgerecht und dem Alter entsprechend ernährt, ist es nicht verkehrt, bei zunehmender Neigung zum Meditieren samt eingeschränkter Bewegungsfreude (je nachdem wie sie gefordert wird) darauf zu achten, dass die Katze kein Übergewicht bekommt.

Krankheitsanfälligkeiten

Unter der Voraussetzung, dass sie artgerecht gehalten und versorgt werden, sind Chartreux in der Regel gesund und robust und scheinen bisher, soweit bekannt, von Gendefekten verschont geblieben zu sein.

Herkunft und Geschichte

Die Geburtsstunde der Chartreux schlug um 1920, als die Schwestern Suzanne und Christine Léger auf die bretonische Insel Belle-Ile-en-Mer zogen und sich unter dem Zwingernamen „de Guerveur“ der planmäßigen Zucht mit dort bisher in freier Wildbahn lebenden blauen Katzen widmeten. Sie nannten sie Chartreux, und schon 1931 wurde auf einer internationalen Show „Mignonne de Guerveur“ zur schönsten ihrer Rasse gekürt. Nach dem Krieg sah es freilich düster aus, und um den Fortbestand der Rasse zu sichern, wurde überwiegend auf blaue Briten (damals Europäer) zurückgegriffen – penibel gesehen auf so ziemlich alles, das nicht bei drei auf den Bäumen war, aber dieses Los traf alle Nachkriegszüchter. Dadurch wurde das Erbgut der Chartreux teilweise bis zur Unkenntlichkeit verwässert, weshalb sie die FIFe in die Britisch (Europäisch) Kurzhaar (siehe diese) eingemeindete.

Dank des Plädoyers des heute noch aktiven französischen Züchters Jean Simmonet über die historische Vorgeschichte, bekam die Chartreux 1977 den Status als eigenständige Rasse zurück. Als federführende Pionierin brachte Elisabeth Roth (de Mumm) die ersten Chartreux nach Deutschland - und trug bis zu ihrem Lebensende (2005) unermüdlich dazu bei, die Rasse populär zu machen. Von den großen Dachverbänden anerkannt, geistern aber noch immer „Kartäuser“ durch die Stammbäume, die gar keine sind ...

Hätten Sie’s gewusst?

Um eine hartnäckige Legende zu entkräften: Es waren nicht die Mönche des Ordens von der Grande Chartreuse bei Grenoble, die sich schon lange Jahrhunderte vor den Damen Léger der Katzenzucht widmeten und den schönen Blauen den Namen gaben. Die braven Brüder waren eher an der Herstellung des „Elixir de Vegetal de Chartreuse“, eines Kräuterlikörs, interessiert. Was nicht ausschließt, dass sie eine wildlebende Population aus recht profanen Gründen gefüttert haben, denn bereits im Frankreich des 16. Jahrhunderts war die erlesene Qualität der „Pile de Chartreux“ genannten Kartäuserwolle bekannt. Verwendet für den Familienpelz, ein Schicksal, das auch die Wikinger den Russisch Blau angedeihen ließen ... während der „restliche Dachhase“, wie vor Jahrhunderten üblich, im gusseisernen Bräter landete ...
 

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