Britisch Kurzhaar/Langhaar | GELIEBTE KATZE Magazin

Britisch Kurzhaar/Langhaar

Ziemlich viel Verwirrung stiftete, dass die Briten nur in England so hießen, bei uns aber Europäisch Kurzhaar – erst 1982 wurde die Rasse in Europäisch (schlank) und Britisch (stämmig) Kurzhaar getrennt. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Herkunft, Charakter, Wesen, Haltung und Pflege der Katzenrasse Britisch Kurzhaar/Langhaar.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
In der Regel erfrischend natürlich und unkompliziert, sind die Briten dank ihrer Anpassungsfähigkeit und liebevollen Toleranz ideale Partner.

Steckbrief

  • Größe: mittelgroß
  • Gewicht: Katze 3,5 - 4,5 kg; Kater 5,5 - 7 kg
  • Felllänge: Kurzhaar (Langhaar)
  • Fellfarben: alle Farben (FIFe: ohne cinnamon/fawn)
  • Augenfarbe: je Fellfarbe blau, odd eyed, grün oder kupfer/dunkelorange
  • Ursprungsland: Großbritannien

Charakteristika

  • Bewegungsdrang: mittel
  • Lautstärke: gering
  • Pflegeaufwand: mittel
  • Zeitaufwand: mittel

Aussehen

Das äußere Erscheinungsbild der Britisch Kurzhaar kann je nach Clubzugehörigkeit ziemlich schwanken, nichtsdestotrotz soll bei einer harmonisch gebauten Katze quasi alles rund sein, auch der Kopf im Profil, aber natürlich nicht so extrem wie z. B. bei Exotics: Der Standard beschreibt sie als groß/mittelgroß, muskulös, gedrungen, mit breiter Brust und kräftigen Schultern/Rücken. Der breite Schädel ist rund und massiv, die Nase kurz, breit und mit leichter Einbuchtung (kein „Stop“); die weit gestellten Ohren klein mit runder Spitze; die Augen groß, rund, mit weitem Abstand; der Hals kurz, kräftig; die Beine kurz und stämmig; der Schwanz kurz und dick; das Fell kurz, dicht mit guter Unterwolle und feiner Textur, nicht am Körper anliegend.
Mit Ausnahme der Felllänge sollte auch eine Britisch Langhaar diesem Standard entsprechen.

Wesen und Charakter

In der Regel erfrischend natürlich und unkompliziert, sind die Briten dank ihrer Anpassungsfähigkeit und liebevollen Toleranz ideale Partner sowohl für eine Familie mit Kind/Hund als auch Singles jeder Altersstufe. Von eher ruhigem, unaufdringlichem Wesen, kommen sie gut als Einzelkatze zurecht, wissen aber einen adäquaten Kameraden zu schätzen – und sich zu wehren, werden sie geplagt. Obwohl intelligente und blitzschnelle Jäger, neigt die an sich langlebige Rasse im hohen Alter oder bei Übergewicht zum Phlegma und kann bei zu wenig Beachtung seelisch verkümmern.

Haltung und Pflege

Bei der pflegeleichten Kurzhaar reicht wöchentlich einmal Kämmen/Bürsten. Andernfalls sind je nach Dichte der Unterwolle etwa ab dem dritten Lebensjahr filzige Knoten und sogar schmerzhafte Platten möglich und ein Abscheren wird nötig (Tierarzt, Narkose). Die Langhaar sollte mehrmals pro Woche gut durchgekämmt werden. Ausgewogene Ernährung, abgestimmt auf das Alter und die Aktivität, hält fit und vital. Ab der Lebensmitte kann kalorienarme Kost notwendig werden, um Übergewicht zu vermeiden.

Krankheitsanfälligkeiten

„Bewusst robust“ passt gut auf diese Rasse, die keine Neigung zu besonderen Wehwehchen hat. Dennoch nicht immun, ist in den letzten Jahren vermehrt eine autosomal dominant erbliche Krankheit namens HCM aufgetaucht: Die hypertrophe Kardiomyopathie (gibt’s auch bei Hunden und Menschen) ist die am häufigsten diagnostizierte Herzerkrankung bei Katzen generell. Die Symptome sind Rhythmusstörungen, Kammerflimmern (= plötzlicher Herztod), Herzrasen, beschleunigte Atmung, Kurzatmigkeit, Lungenödem, Flüssigkeitsansammlung im Brustfell (= Herzversagen). Gelangen Blutpfropfen in der arteriellen Kreislauf, kann es zu Lähmungen der Hinterhand kommen. Betroffene Katzen erkranken in der Regel im frühen Erwachsenenalter. Zum Austesten stehen derzeit eine Ultraschalluntersuchung und ein DNA-Test zur Verfügung, wobei je nach Alter Wiederholungen zu empfehlen sind.

Das Kürzel PKD beherrscht außerdem die Diskussionen in Katzenzüchterkreisen: Es steht für „Polycystic Kidney Disease“, sprich erbliche Nierenzysten, die vor allem bei Perser- und Exotic-Shorthair-Katzen, aber auch Britisch Kurzhaar und anderen Rassen auftreten. Zum Teil sind über die Hälfte der Katzen betroffen – ein Alptraum für Züchter und Halter. Denn erst im späteren Lebensalter zeigen sich klinische Symptome infolge Nierenversagens. Bis dahin haben viele der Anlageträger bereits Nachwuchs und damit das Gen für PKD weitervererbt. Mit einer Ultraschall-Untersuchung lässt sich die Veranlagung hingegen schon früh nachweisen. Ab der zehnten Lebenswoche können erfahrene Untersucher feststellen, ob in der Niere Zysten, also flüssigkeitsgefüllte Bläschen, vorhanden sind. Wichtig ist, dass Katzen mit Zysten konsequent von der Zucht ausgeschlossen werden, denn der Erbgang (autosomal dominant) ist zweifelsfrei bewiesen. Das bedeutet: Eine Katze mit Zysten vererbt sie praktisch immer, selbst wenn manche Katzenzüchter dies aus verständlichen Gründen bestreiten.

Herkunft und Geschichte

Der Name ist Programm, denn ihre Wiege stand in England. Als in der Katzenzucht aus heutiger Sicht die Chaostheorie vorherrschte, weil Vererbungsmechanismen noch unbekannt waren, warfen die Züchter zunächst alles Kurzhaarige in einen Topf. Soweit bekannt bilden Hauskatzen, Siamesen, Russisch Blau und Chartreux die Grundlage der Rasse. Die Blauen war schon damals der Trendsetter, weshalb sie 1899 als eine der ersten einen Rasse-Namen und auf Shows eine eigene Kategorie bekamen, während der „Rest“ als „any other variety“ im Einheitstopf blieb. Wenige Jahre danach eroberten die Briten auch die Herzen jenseits des Kanals und die Farbpalette wurde sukzessive erweitert bis zur heutigen Vielfalt (ca. 300 Varietäten). Zwar weltweit anerkannt, bringt ihnen aber Europa die größte Wertschätzung entgegen.

Die Britisch Langhaar, auch Highlander, Lowlander oder Britannica genannt, sind, unhöflich ausgedrückt, das langjährige Nebenprodukt notwendiger Verpaarungen zwischen Britisch Kurzhaar und Perserkatzen. Mehr oder weniger gratis an Liebhaber vergeben, mochten sich einige Züchter damit nicht zufrieden geben und strebten die Anerkennung als Rasse an. Die ihnen bisher aber fast alle großen Dachverbände verweigert haben.

Hätten Sie’s gewusst?

Ziemlich viel Verwirrung stiftete, dass die Briten nur in England so hießen, bei uns aber Europäisch Kurzhaar – erst 1982 wurde die Rasse in Europäisch (schlank) und Britisch (stämmig) Kurzhaar getrennt. Da aber bis 1977 auch die Kartäuser dazugehörten und die blauen Europäer bis dahin diesen Namen benutzen durften, mochten die späteren Britenzüchter genauso wenig darauf verzichten. Erst 1991 rang sich die FIFe zu einem Verbot durch, aber in manchen anderen Vereinen findet sich heute noch in den Stammbäumen die Bezeichnung „Britisch blau/Kartäuser“ – zum Missfallen der Züchter „richtiger“ Kartäuser = Chartreux, denn beide Rassen haben seit Jahrzehnten nichts mehr miteinander zu tun ...
 

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