Warum Katzen sich gerne putzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Warum Katzen sich gerne putzen

Am Reinlichkeitssinn von Hauskatzen könnten sich so manche Menschen ein Vorbild nehmen. Im Sommer putzen sie sich sogar noch viel häufiger und intensiver als bei kühlem Wetter.
 
© animals-digital.de
Putzen statt schwitzen?
Nicht, weil sie schmutziger sind, sondern weil die Katzenwäsche noch viele andere nützliche Funktionen hat. Während Löwen und andere Großkatzen tatsächlich nur „Katzenwäsche“ machen und sich lediglich die Vordertatzen lecken, sind Hauskatzen wahre Reinheitsfanatiker. Rund dreieinhalb Stunden täglich und ca. 30% ihres Lebens im Wachzustand verwenden sie für ihre Schönheitspflege. Mithilfe der kleinen hornigen Häkchen auf ihrer Zunge erwischen sie dabei lose Haare, Kletten und Parasiten. Das ständige Lecken, Zerren und Rupfen am Fell regt die Durchblutung der Haut an und animiert die Talgdrüsen, Fett abzusondern, was den Pelzmantel geschmeidig und wasserdicht hält. Außerdem bekommt dadurch jede Katze ihre ganz bestimmte Duftnote, durch die sie Artgenossen schon von Weitem erkennen.

Putzen statt schwitzen

Ihr Fell besteht aus Unterwolle und Deckhaaren, die man in Leit- und Grannenhaare unterteilt. Die Leithaare ordnen sich einzeln kreisförmig um die Wollhaare an. Dies sind die Haare, die eine Katze sträuben kann. Die in Büscheln wachsenden Grannenhaare sind kürzer und dicker, und die Wuchsrichtung ist so, dass Wasser gut abrinnen kann. Die je nach Rasse zwischen ein und fünf Zentimeter lange Unterwolle ist der eigentliche Wärmeschutz. Die Leithaare werden bei Kälte durch Muskeln am Haarballen aufgerichtet, und die Luft wird zwischen den Fellschichten durch den Körper aufgeheizt.Bei sommerlicher Hitze hilft das Putzen, die Körpertemperatur konstant auf 38 bis 39° C zu halten. Da Katzen nur wenige Schweißdrüsen am Kinn und an den Ballen besitzen, verteilen sie beim Ablecken möglichst viel Speichel über ihr Fell. Denn die entstehende Verdunstungskälte verschafft Abkühlung. Außerdem nehmen sie gleichzeitig Vitamin D auf, das bei Sonneneinstrahlung in der Haut bzw. im Fell entsteht.
Putzen macht übrigens durstig. Da das Wasser der natürlichen „Klimaanlage“ natürlich nicht automatisch nachgefüllt wird, müssen die Miezen bei hohen Temperaturen ganz viel trinken. Wie man durch Freilandbeobachtungen feststellte, bedienen sie sich regelmäßig mal bei diesem Tümpel, mal an jenem Teich. Findet Ihre Freilaufkatze in ihrem Revier nicht genügend „Tankstellen“ oder genießt Ihre Wohnungskatze lange Sonnenbäder auf dem Balkon, sollten Sie an heißen Tagen noch mehr als sonst darauf achten, dass sie immer frisches Wasser vorfindet.

Mit feuchten Händen „abduschen“

Obwohl der Putzinstinkt schon Katzenbabys angeboren ist, müssen sie in den  ersten Lebenswochen durch die strenge Putzschule ihrer Mutter gehen. Nach sechs Wochen sind sie fit genug, selbst für „Ordnung und Sauberkeit“ zu sorgen. Trotzdem brauchen ältere oder dicke Katzen, die mit der Zunge nicht mehr überall hinkommen, und auch Langhaarkatzen regelmäßig Hilfe mit Kamm und Bürste, damit ihr Fell nicht verfilzt bzw. tote Haare ausgekämmt werden. Bei hohen Temperaturen genießen aber auch Kurzhaarkatzen Ihre Fürsorge. Streichen Sie Ihrer Mieze mit leicht angefeuchteten Händen oder einem feuchten Fensterleder in Strichrichtung übers Fell. Das kühlt und spart einmal Rundum-Lecken.
Entdecken Sie bei Ihrer Katze vermehrt Schuppen, sollten Sie den Schlafplatz kontrollieren. Finden sich auch hier übermäßig viele Hautschuppen, gehen Sie lieber zum Tierarzt. Die sich bei der Zellerneuerung abschuppenden Hautpartikel sind nämlich normalerweise so klein, dass sie nicht auffallen, oder werden von der Katze beim Putzen entfernt. Vermehrte Schuppenbildung kann z.B. auf eine Hautreizung, eine Hauterkrankung oder Flohbefall hinweisen. Da sich Katzen auch nicht selbst die Ohren waschen können, sollten Sie diese regelmäßig kontrollieren. Schwarzbraune Krusten in der Ohrmuschel sind ein Hinweis auf Ohrmilben. Da sie durch gegenseitiges Putzen von Katze zu Katze übertragen werden können, sollten Sie auch hier sofort den Tierarzt aufsuchen.

Stresssignal und Spannungsabbau

Putzt sich Ihre Katze plötzlich extrem viel und bekommt kahle, wunde oder gar verletzte Körperstellen, können Parasiten daran schuld sein. Es kann aber auch ein Hinweis auf Stress sein. Auch bei verminderter Fellpflege sollten Sie aufmerksam werden. Will sich ein früher soziales Tier nicht mehr von anderen Katzen putzen lassen oder andere Katze nicht mehr „striegeln“, kann ebenfalls Stress oder eine Krankheit dahinterstecken. Allerdings kann Putzen aber auch zum Stressabbau dienen. Beobachtet eine Katze zum Beispiel durchs Fenster ein Beutetier, hat aber keine Möglichkeit, ihren Jagdtrieb zu befriedigen, kann es sein, dass sie sich stattdessen hektisch putzt. Denn durch diese sogenannte Übersprungshandlung baut sie die innere Spannung ab, so ähnlich, wie wir uns aus Verlegenheit am Kopf kratzen.
Oft putzen sich Katzen auch unmittelbar, nachdem sie mit dem Besitzer geschmust haben. Katzenforscher haben dafür unterschiedliche Erklärungen. Während die einen glauben, dass die Tiere einfach nur ihr Fell wieder in Ordnung bringen und den Eigengeruch wiederherstellen wollen, vermuten die anderen genau das Gegenteil: Sie wollen einfach den Geruch, den ihr Mensch auf ihrem Fell zurückgelassen hat, noch etwas länger „genießen“. Eigentlich doch keine Frage, wer hier recht hat. Oder etwa nicht?

Tipp

Kurzhaarkatzen kommen bei der Körperpflege normalerweise gut allein zurecht. Sollte Ihre Katze aber mal die ein oder andere Stelle vergessen, können Sie etwas nachhelfen, indem Sie ganz leicht dort zupfen, wo sie sich putzen soll.

Info

Es sind übrigens nicht die Haare, sondern der Speichel, auf den manche Menschen allergisch reagieren . Genauer genommen die Eiweißstoffe darin. Da die Zusammensetzung der Spucke von den Hormonen abhängig und von Rasse zu Rasse verschieden ist, muss man nicht auf jede Katze allergisch reagieren. Ein Allergologe kann durch eine Speichelprobe der Katze und eine Blutentnahme des Menschen austesten, ob das Tier eine Allergie auslöst. Das stärkste Allergen produzieren nicht kastrierte Kater. Da Freilaufkatzen außerdem noch jede Menge Pollen mit nach Hause bringen, sind sie allergener als reine Wohnungskatzen. (Saskia Brixner)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren