Leben in einer Katzengroßfamilie | GELIEBTE KATZE Magazin

Leben in einer Katzengroßfamilie

Eine Katzengroßfamilie macht erfinderisch. Wenn einer anders will als die anderen, ist es nicht immer einfach, ihm seine Extrawurst zu braten, ohne dass die anderen sich einen Zipfel davon mit abbeißen.
 
© animals-digital.de
Die Rede ist nicht etwa von ungeliebtem Diätfutter, das die Napfplünderer ohnehin mit spitzer Kralle aussortieren würden, sondern von zum Beispiel Extraleckereien, Sonderfreilauf, Pole Position im Ehebett. Wie man jedem gerecht wird, verraten die, die es wissen müssen: die Vielkatzen-Mamas und -Papas.

Friede mit Tricks - clever und individuell

Alle akzeptieren die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, nur eine nicht. Sie will raus, sie will Freilauf, sie verprügelt aus Frust die anderen, sie pinkelt vor Ärger herum. Die Lösung ist einfach: Nur sie darf raus, diskret, mit Hilfe einer Spezialkatzenklappe und einem Magnetschlüssel, den die Mieze am Halsband trägt. Das ist der Tipp einer Familie aus München, die den Freilauf dieser einen Katze sogar vor den Nachbarn geheim hält. Ausgleich schaffen: Katzen bilden wie Kinder Spiel-Allianzen und Schmusegemeinschaften. So kehrt Friede eher dann ein, wenn man eine gerade Zahl von zwei oder vier Tieren hält. Bei drei oder fünf Katzen bleibt häufig eine ein Außenseiter oder lebt als Prügelknabe ein geducktes, freudloses Leben. Wenn das bei Ihnen so ist, schaffen Sie Ausgleich. Wenn es trotzdem Zoff gibt, kann man dem Unterdrückten in der Runde so manche Brücke bauen. Romeo von Marlene Kofler aus Villach/Kärnten zum Beispiel kann sich manchmal kaum von der eifersüchtigen Jeanny unbehelligt durch die Wohnung bewegen: „Ich habe für ihn vom Wohnzimmer bis ins Schlafzimmer einige Einkaufskörbe hingestellt. Wenn er da drinnen liegt, lässt Jeanny ihn in Ruhe.”

Plätze schaffen, nicht Grenzen setzen

Aus einer Wohnungskatzen-Studie der Verhaltensforscherinnen Penny L. Bernstein und Micky Strack ergibt sich, dass es von Vorteil ist, wenn für alle Katzen hoch gelegene, gemütlich kuschelige Schlafplätze vorhanden sind, wobei es nur zu Streit führt, wenn es zu viele Tabuzonen innerhalb der Wohnung gibt. Je mehr Katzen sich eine Wohnung teilen müssen, desto mehr wollen sie ihre Tabus selbst regeln. Deshalb: Harmonie wächst, je weniger Verbote es gibt. Ausnahmen: Sollen Orte katzenfrei bleiben, aber gibt es Ausnahmen für einzelne Tiere, sind dies meist die Rechte älterer Tiere. So hat z.B. eine Familie aus Dresden die Verteilung der beliebtesten Plätze nach dem zeitlichen Auftauchen ihrer drei Zulauf-Katzen gelöst: “... und 22.15 Uhr geht es selbstständig ins Bett: Maxl ins Ehebett, Iwan unters Bett, Paulinchen ins Körbchen.” Einem Neuankömmling auf Dauer Sonderrechte im Separée einzuräumen kann zu Eifersucht führen. Manchmal profitieren alle von der Macke einer einzelnen. Wenn eine Katze nicht vom Wassernapf trinken möchte, schmeckt es ihr vielleicht aus einem Zimmerspringbrunnen, über den der Rest der Familie ebenso entzückt sein wird. „Sie trinkt es nur kalt, nicht gewärmt von der Pumpe”, verrät Heidi Röhrl aus Aufhausen. Ein Zeitschalter, der die Pumpe zwischendurch abstellt, löst auch dieses Problem. Einrichtung und Dekoration: Auf dem Weg vom Schlafplatz zum Napf oder in Gegenrichtung lauert Kratzlust auf unsere Katzen. Von Küchenstühlen mit gepolsterten Lehnen kann man daher nur abraten. Marlene Kofler aus Villach konnte wie auch andere Katzenhalter beobachten, dass solche Lehnen eine magische Anziehungskraft auf Katzenkrallen haben. Ein Unterwegs-Kratzbrett löst das Problem eleganter, vom Aussehen einmal abgesehen.

Gefahren im Zusammenleben

Bei mehreren Katzen gibt’s häufig wilde Jagden durch die Wohnung, und deshalb ist es wichtig, keine zerbrechlichen Gegenstände herumstehen zu lassen, heiße Herdplatten immer sofort abzudecken und spitze Messer wegzuräumen. Und zu Advent und Weihnachten lässt es sich auch ohne Lametta, Glaskugeln und brennende Kerzen hübsch dekorieren: Mit Lichterketten, Strohsternen, Plastikkugeln, Federn statt Sprühschnee, Figuren aus Holz oder Salzteig, Äpfeln, echten Zweigen, Trockenobst, Stroh, Moos, Flechten, Nüssen. Jetzt im Herbst ist die ideale Zeit, im Wald nach Brauchbarem Ausschau zu halten. Pilze und Beeren sind zu diesem Zwecke vielleicht nicht so das Wahre. Krankheit: Schon der Durchfall einer der Katzen kann zur Belastungsprobe werden. Die Katze muss von den anderen getrennt sein, braucht nicht nur Spezialfutter, sondern auch vermehrte Zuwendung, die man ihr in einer abgelegenen Quarantänestation kaum geben kann. So muss es immer möglich sein, eine Katze so zu isolieren, am besten mit Sichtkontakt, dass sie nicht vor Einsamkeit umkommt. Bei längerer Krankheit einer der Katzen geraten die anderen leicht in Aufruhr, sortieren die Rangfolge neu und machen dem Heimkehrer vielleicht die Hölle heiß. Urlaub: „Geht nicht”, sagen die meisten, sobald die Zahl der Katzen die Zwei überschritten hat. Nicht jedem ist es vergönnt, einen lieben Menschen zu finden, der mit ausreichend Zeit und Katzenverständnis zum Sitten kommt. Manche wählen deshalb sogar eine Katzenpension, aber nur ungern, denn das kann ganz schön teuer werden. (Isabella Lauer)

 
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren