Junge Katze zu alten Katze - wirklich so ideal? | GELIEBTE KATZE Magazin

Junge Katze zu alten Katze - wirklich so ideal?

Die Mutterliebe dauert bei Katzen nicht an, wenn die Jungen erwachsen sind. Keine Freundschaft, keine stillschweigende Duldung, manchmal bleibt sogar nur Feindschaft übrig.
 
© karinvanklaveren / Dreamstime
Und doch ist „Jung zu Alt" eine gute Kombination. Denn es kommt nicht drauf an, woher das Junge stammt, sondern zu wem es geht.

Die natürlichste aller Katzen-Kombinationen ist die Mutter-Kind-Verbindung. Doch diese Liebe währt nur einen Sommer lang. Dann schafft die Katzenmutter sich den Nachwuchs vom Hals, um Platz für den nächsten Wurf zu machen. Bleibt ein Jungtier dennoch da, hat es mit Glück einen kleinen Liebesbonus im Gegensatz zu fremden Katzen. Aber dieser Bonus wird gerne überschätzt. Die Chance auf Freundschaft ist zwar bei eigenen Jungtieren größer, als wenn es fremde wären, wichtiger für das Glück zu zweit ist jedoch, ob die Mutterkatze grundsätzlich andere Katzen mag. Lebt sie ohnehin schon mit Artgenossen, wird sie auch ein eigenes Jungtier akzeptieren können. Anders die eingefleischte Einzelkatze: Für sie ist es nicht von Bedeutung, ob ein Jungtier „selbst gemacht“ oder von außerhalb dazugeholt wurde. Hauptsache, es verschwindet wieder. Auch friedlichen Gruppen-Katzen ist es egal, ob ein Jungtier aus dem eigenen Stall ist oder nicht. Denn für sie zählt eher, dass der neue Gefährte anpassungsfähig ist. Jung zu Alt bedeutet bei sozialen Katzen: Man hat gute Chancen, dass es in eine friedliche Verbindung mündet.

Wann hört die Jugend auf?

Zwölf Monate alt, noch jung und doch schon zu alt: Einjährige Katzen, die keine „Ach wie süß!“-Rufe mehr hervorlocken, sitzen häufig als Ladenhüter im Tierheim. Trotzdem ist es einen Versuch wert, sich unter ihnen ein liebes Tier auszusuchen. Ihr Vorteil ist, dass sie bereits mit anderen Katzen gut sozialisiert sind. Viele von ihnen haben im Tierheim gelernt, mit unleidigen Artgenossen umzugehen, sind aber noch immer lernwillig und anpassungsbereit. Und sie haben noch ihr ganzes Leben vor sich. Die Pfleger im Tierheim wissen meist ganz genau, welche ihrer Miezen sich mit diplomatischem Geschick aus den Streitereien heraushält. Es lohnt sich, gezielt nach einer solchen Katze zu suchen. Mit einem Jahr sind Katzen agil, kräftig und verspielt, nur nicht mehr ganz so übermütig und tollpatschig wie ein halbes Jahr zuvor. Und die Erstkatze ist möglicherweise froh, wenn sie keine allzu große Nervensäge ertragen muss.

Der Welpenschutz ist schnell verspielt

Kätzchen genießen wie Hundebabys einen Welpenschutz, doch nur solange sie wirklich klein sind und nicht immer. Sie müssen sich sehr bald, schon als Heranwachsende, an die Spielregeln der erwachsenen Katzen halten. Und die lernen sie ungefähr vom dritten Lebensmonat an, bis sie etwa ein Jahr sind, wobei die Lernphase nie ganz abgeschlossen ist. Diese Lehr- und Lernzeit kann man ausnutzen, wenn man eine schwierige Erstkatze mit einem Jungtier „beglücken“ will. Sie bekommt dazu ein etwa drei Monate altes Kätzchen, das noch erziehbar ist. Der Katzen-Chef im Haushalt wird die Frechheiten des Neulings auf ein erträgliches Maß zurechtstutzen. Natürlich darf das nicht in mordlüsterne Attacken ausufern.

Extreme Charaktere besser vermeiden

Problematisch kann es auch werden, wenn die Erstkatze kein wirklicher Chef ist und sich nun einem Konkurrenten in den besten Flegelmonaten gegenübersieht. Es gibt viele solcher Fälle, die dann damit enden, dass die Erstkatze ganz verstört ist. Und den Menschen im Haushalt fiel gar nicht auf, dass der Jungspund sie mit seinem kindlichem Charme bezauberte, während er mit ein paar durchaus erwachsenen Ohrfeigen den Senior auf Platz zwei verwiesen hat. Das Ziel sollte immer der innerhäusliche Frieden sein. Und den erhält man sich durch das gute Kombinieren der Charaktere. Zu einer zurückhaltenden Altmieze passt besser ein schüchternes Jungtier. Eine dominante Erstkatze kommt auch mit einem frecheren Kätzchen klar. Ein acht Wochen alter Haudrauf, der schon an der Mutterbrust eine Plage für seine Geschwister war, ist sicherlich eine unerwünscht dominante Herausforderung für eine ältere Katze.

Besser ist es, keine extremen Charakterunterschiede zu paaren, also einem Rambo-Kater kein verschrecktes Katzenkind vor die Nase zu setzen. Die jungen, gerade geschlechtsreif gewordenen Kater brauchen sich nicht einzubilden, sich an die Mama heranmachen zu können. Das läuft nämlich nicht, und zwar nicht wegen eventueller Inzucht-Bedenken, sondern weil auch Katzenfrauen gewisse Ansprüche an ihren Lover stellen. Junge Hupfer müssen eine Weile, mithin Jahre, ausharren, bis sie als Väter für neuen Nachwuchs akzeptiert werden, Übungsstunden ausgenommen.  In wild lebenden, unkastrierten Bauernhofgruppen sind übrigens die Töchter eher willkommen als die Söhne. Lebt die Bande in einem Haushalt, ist es besser, jedes Tier frühzeitig kastrieren zu lassen. Eine Kätzin muss ohnehin keine Jungen gehabt gaben, um gesund und glücklich zu leben. (Isabella Lauer)

 
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