Harmonie zwischen Katzen nicht erzwingen | GELIEBTE KATZE Magazin

Harmonie zwischen Katzen nicht erzwingen

Hopp oder topp: Wenn unverträgliche Freilaufkatzen ein Zuhause teilen sollen, sucht eine von ihnen das Weite oder lungert plan- und ziellos in der Nachbarschaft herum, ohne ein richtiges Zuhause zu haben.
 
© animals digital
Andererseits: Können sich zwei leiden, sind sie Schmuser wie andere Katzen auch, nur nicht immer da. Geschwisterkatzen vertreiben sich selten gegenseitig aus dem Paradies. Diese Aufgabe übernimmt in der Regel die Katzenmama, und sie vertreibt die beiden gewöhnlich gemeinsam, was für die Jungtiere bedeutet, das Nest mit allen Versorgungseinrichtungen verlassen zu müssen. Wenn Sie junge Geschwister bzw. Jungtiere aufnehmen, haben Sie als Halter alle Aufgaben der Katzenmama übernommen inklusive des kompletten Bedürfnisbefriedigungs-Programms. Wenn das für Katze kein Grund zum Bleiben ist. Solange also Sie selbst einer der Freilaufkatzen nicht die Tür weisen, bleiben Ihnen Geschwistermiezen in der Regel beide erhalten und sie bleiben die dicksten Freunde.

Freundschaft nicht für Konkurrenz

Dies funktioniert, solange die Katzen nicht geschlechtsreif sind, was Sie durch das Kastrieren wirksam verhindern können und nicht nur aus Gründen der Geburtenregelung unbedingt auch tun sollten. Potente Tiere entdecken irgendwann, dass es gewisse aushäusige Aktivitäten gibt, zu denen die Natur sie drängt. Zwei Kater mögen sicher nicht Seite an Seite auf Brautschau gehen oder sich gar eine Hochzeitsnacht teilen. Jeder will die volle Sause für sich allein. So enden Katerkämpfe damit, dass sich einer der beiden in die Büsche schlägt – aber ohne weibliche Begleitung. Und Sie sehen ihn nicht wieder, es sei denn, er landet im Tierheim. Weibliche Katzen verschwinden auf getrennten Wegen für Tage und kommen (hoffentlich) irgendwann gesund aber trächtig wieder nach Hause. Sollen dagegen gleich zwei erwachsene Katzen ein Freilauf-Paar bilden, gibt es damit auch ein paar Probleme. Für Katzen ist ein Neuer immer ein Eindringling. Im gemeinsamen Streifgebiet pflegen sie feste Freund- und Feindschaften und haben so einiges geregelt, zum Beispiel wer wann auf welchem Baumstumpf sitzen darf, wer zu welcher Tageszeit die Vordergärten überqueren darf und so manches mehr.

Sich-riechen-Können ist Glückssache

Das System gerät durch einen Neuankömmling aus den Fugen, und die Katze, die das Ärgernis auch noch in der eigenen Wohnung hat, gerät aus dem Häuschen. Und das manchmal buchstäblich. Wenn nämlich der Neue sich als frech, aufmüpfig und durch Frauchen oder Herrchen wirksam beschützt erweist, passiert es, dass sie, die als Erste kam, auch als Erste geht. Freilaufkatzen können ausweichen, ja notfalls ganz ausziehen, wenn es partout nicht möglich ist, in Frieden mit der anderen Katze zu leben. Und sie tun es! Manchmal schon dann, wenn ihr Mensch noch alles „in Butter“ glaubt und von einem Machtkampf nichts mitbekommen hat.
Bei erwachsenen Katzen kommt es auf die Sympathie an. Deshalb lässt sich leider nicht vorhersagen, ob sich zwei riechen können, sondern man kann es nur ausprobieren. Man weiß immerhin aus Untersuchungen, dass es unter Freilaufkatzen wesentlich weniger Mobbing gibt als unter Katzen, die sich eine Wohnung teilen müssen. Falls man fürchtet, dass eine Katze während der Eingewöhnung wegläuft, kann man der Erstkatze mittels einer Magnetschlüssel-Katzenklappe den Freilauf gewähren, während die andere im Haus bleibt.  

Freilauf nur für eine

Es gibt immer mehr Haushalte, die es so halten und den Freilauf nur dem notorischen Streuner ermöglichen, während ein Jungtier drinnen bleiben muss, und das nicht nur zum Eingewöhnen. Einer Studie von Penny Bernstein von der Kent State University Stark Campus, Canton, zufolge haben in Amerika schon 11,5 Prozent der Haushalte mit zwei Katzen den Freilauf auf diese Weise gesplittet. Obwohl in dieser Studie 50 Prozent der Katzenhaushalte reine Wohnungstiere hielten (in den Zwei-Katzen-Haushalten sogar mehr als 60 Prozent) und 30 Prozent Freilaufkatzen haben, berichten 54 Prozent der Halter, dass sie zumindest eine Katze hinauslassen. Dieser Widerspruch entsteht, weil immer mehr Katzenhalter sich für einen gesicherten Freilauf mit Katzenzaun oder Leinenspaziergang entscheiden. Dass dies den Tieren nur gut tut, hat unsere Umfrage zum Halten von zwei Katzen bestätigt. Demnach sind Katzen mit kontrolliertem Auslauf etwas zufriedener, ausgeglichener und verschmuster als Wohnungskatzen oder solche mit unbeschränktem Freilauf. (Isabella Lauer)

 
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