Rolligkeit & Paarungsverhalten bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Rolligkeit & Paarungsverhalten bei Katzen

In der Gesellschaft unserer Katzen herrscht Damenwahl. Die Katze entscheidet, wer von den Freiern – oftmals sind es mehrere, die um ihre Gunst werben – zum Zuge kommt und wer nicht.
 
© Foto: Michael Shibler / Fotolia
Das Liebesleben unserer Katzen ist nicht zu überhören. Wenn in einer klaren Februar-Nacht in einem Hinterhof oder einem Vorstadtgarten die Katzen der ganzen Nachbarschaft zugange sind, ist an Schlaf nicht zu denken. Katzenmädchen werden in der Regel mit sechs bis neun Monaten geschlechtsreif, spätestens aber mit einem Jahr. Das ist individuell verschieden und hängt auch von der Rasse ab. Siamesinnen zum Beispiel haben es besonders eilig, sie rufen bereits mit einem halben Jahr nach dem Kater.

Reif für die Liebe

Oft ganz überraschend für ihre Besitzer nimmt auf einmal der sonst so gesegnete Appetit des Jungkätzchens ab. Unvermittelt schreit es, jammert und klagt herzzerreißend, wälzt sich heftig auf dem Boden und bekommt einen ganz eigenartig verklärten Gesichtsausdruck. Dann wieder schmust die Kleine, drängt sich der streichelnden Hand entgegen, reibt ihren Kopf und ihre Flanken an allem und jedem, um dort ihre Duftmarken zu setzen. Zwischendurch präsentiert sie mit durchgedrücktem Kreuz und seitlich gehaltenem Schwanz ihr Hinterteil. Und dann rollt sie sich wieder und rollt und rollt. Die Diagnose ist einfach: Die Katze ist rollig, oder anders ausgedrückt, sie ist brünstig und natürlich fortpflanzungsfähig. Klar hat auch jede rollige Katze so ihre kleinen Eigenheiten. Es kann sein, dass eine eher ruhige und ausgeglichene Katze, vielleicht eine, die schon älter und erfahrener ist, ihre „kritischen Tage“ weniger demonstrativ zeigt, während eine von Natur aus temperamentvolle Katze einfach unerträglich mannstoll wird. Vor allem die Exoten, wie beispielsweise die Siamkatze, sind geradezu scham- und hemmungslos in der Zurschaustellung ihres Sexualtriebes. Aber bekanntlich können auch stille Wasser tief sein und sind keine Garantie für Sittsamkeit.

Rollig rund ums Jahr

Normalerweise wird eine Freilaufkatze zweimal pro Jahr rollig. Diese Hitzeperiode hält etwa acht bis zehn Tage an, von der sie aber nur vier Tage paarungsbereit ist. Wird sie in dieser Zeit nicht von einem Kater gedeckt, kann die nächste Rolligkeit drei Wochen später wieder auftreten. Weil aber die Paarungs- und Fortpflanzungsbereitschaft der Katzen von der Länge des Tageslichts gesteuert wird, können reine Wohnungskatzen, die täglich bis zu 14 Stunden Licht ausgesetzt sind, zu jeder Jahreszeit rollig werden. Wechseljahre kennen weibliche Katzen übrigens nicht. Sie behalten ihre Fortpflanzungsfähigkeit bis ins hohe Alter. Es kommt gar nicht so selten vor, dass eine 15-jährige Katze noch zweimal jährlich Junge zur Welt bringt.

Früh übt sich, was ein richtiger Kater werden will

Noch während der Kinderstubenzeit ergreift so ein kleines Kerlchen sein Geschwisterchen – das in der Hitze des Gefechts durchaus auch ein Bruder sein kann – gekonnt mit Nackengriff und probiert und trainiert spielerisch und instinktiv sexuelle Verhaltensweisen. Nähere Einzelheiten sind ihm dabei noch nicht vertraut, denn er reitet zum Beispiel vom Kopf her auf und verfällt dann anschließend mit dem Spielgefährten in eine wilde Balgerei. Parallel dazu wachsen natürlich auch die entsprechenden Werkzeuge für die Fortpflanzung heran. Im Kateralter von etwa zwei Monaten entwickeln sich auf der Penisspitze zwischen 100 und 200 verhornte Papillen, die wie Widerhaken wirken, da sie nach hinten gerichtet sind. Ihre Entwicklung kann durch die frühzeitige  Kastration  verhindert werden. Zwei Monate später setzt die Bildung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron ein, das die Reifung der Geschlechtsorgane und auch das katertypische Paarungsverhalten steuert. Mit acht bis zehn Monaten wird dann zum ersten Mal Ernst gemacht, der Jungkater lässt sich auf die ersten Liebesabenteuer ein, obwohl er in der Regel erst ab dem zehnten Monat erfolgreich decken kann.

Casanovas auf gefährlichen Streifzügen

Anders als weibliche Tiere sind Kater allzeit bereit und nicht an bestimmte Zeiten gebunden. Besonders intensiv packen aber auch sie die Frühlingsgefühle. Dann übermannt sie die Unruhe und sie durchstreifen weite Gebiete, immer auf der Suche nach dem unwiderstehlichen Duft einer sexsüchtigen Braut. Sie sind einfach nicht zu bremsen, lassen jegliche Vorsicht außer Acht – auch im Straßenverkehr, was sie das Leben kosten kann. In dieser Zeit werden nämlich die meisten Katzen überfahren. Vergessen sind Hunger und das traute Heim, nächtelang lassen sie sich dort nicht mehr blicken. Zwischen den Katern einer Gegend kommt es zu zahlreichen Streitereien, noch bevor überhaupt eine rollige Katze in Sicht ist – Schlitzohren und zerkratzte Nasen zeugen von solchen Machtkämpfen.

Der Kater, ein dufter Typ

Überall hinterlassen nun die lustwandelnden Kater deftig riechende Visitenkarten in Form von Urinspritzern. Bäume, Sträucher, Zäune und Hausecken zeugen von ihrer Anwesenheit. Und manch einer verschont nicht einmal die eigenen vier Wände, um seinen Besitzanspruch entsprechend kundzutun. Andere parfümieren stattdessen lieber eifrig fremde Hauseingänge, hinter denen sie eine liebenswerte Gespielin vermuten. Und verrät einem Liebhaber die Nase die Anwesenheit einer rolligen Katze, dann taucht er dort regelmäßig auf, um ihre Duftmarken zu überprüfen und geduldig zu warten, bis sie das Haus verlässt. Freilich lesen mehrere Männchen diese duftenden Nachrichten und müssen sich deshalb häufig zusammen mit mehreren Rivalen um die gleiche Katze bemühen.

Partnerwahl ist reine Frauensache

Mit Imponiergehabe versuchen die Konkurrenten, sich gegenseitig aus dem Feld zu schlagen. Was allerdings wenig Eindruck auf das Objekt ihrer Begierde zu machen scheint. Denn sie sucht sich in aller Ruhe einen Favoriten aus. Keineswegs muss es der sein, der als Sieger hervorgegangen ist, auch der Unterlegene hat bei ihr eine Chance. Denn die Wahl des Partners ist in der Katzenszene reine Frauensache. Aus menschlicher Sicht ist es manchmal ein Fehlgriff, denn nicht selten guckt sie sich ausgerechnet einen mickrigen Kater aus, statt sich mit einem Musterexemplar an Kraft und Schönheit einzulassen.

Ohne Vorspiel läuft nichts

Hat sie einen Kandidaten ins Auge gefasst, ermuntert sie ihn. Meist so unauffällig, dass wir nichts davon bemerken. Vielleicht macht sie eine kokette Fluchtbewegung, wenn er herschaut, vielleicht blickt sie ihn auch nur kurz an, vielleicht aber miaut sie ihm eine versteckte Botschaft zu. Jedenfalls macht sich der Angesprochene auf, um sie zu erobern. Neulinge gehen geradewegs zur Sache, erfahrene Lover halten sich bewusst zurück – jeder Kater geht ein bisschen anders vor, um bei einer Katze Erfolg zu haben. Und natürlich hat auch jede Mieze ihre eigene Masche beim Paarungsvorspiel, auch wenn es nach einem strengen Ritual abläuft. Kaum wagt er es, sich ihr voller Hoffnung zu nähern, spielt sie die Spröde, zieht sich zurück. Kokettierflucht heißt das in der Fachsprache, denn weit entfernt sie sich nicht. Und dann wälzt sie sich wieder herausfordernd und animiert ihn erneut mit zartem Liebesgeflüster zum Näherkommen. Sollte sie ihn aus Versehen doch abgehängt haben, so wartet sie geduldig auf ihn. Notfalls geht die Mieze sogar auch ein Stück zurück, damit ihr der Mann ihrer Wahl nicht entgeht.

Erst verführt sie ihn, dann wird sie auch noch frech

Kommt nun keine Abwehr mehr von ihrer Seite, springt der Kater zu ihr hin, packt sie mit den Zähnen im Nackenfell und reitet auf. Nun geht alles blitzschnell, die eigentlich Begattung dauert nur wenige Sekunden. Dann lässt sie einen grässlichen Schrei los und wendet sich meist sehr aggressiv zum Kater um. Der kundige Kater ist gewarnt und zieht sich rechtzeitig zurück, bevor sie ihm ein paar Ohrfeigen verpassen kann. Grund für den Schrei sind wohl die rückwärtsgerichteten Stacheln am Penis des Katers, die beim Zurückziehen schmerzhaft die Wände der weiblichen Scheide zerkratzen. Dieser Schock, vermutet man, ist notwendig, denn erst dadurch wird der Eisprung bei den Katzen in Gang gesetzt und damit die Befruchtung möglich.

Einmal ist nicht genug

Nach einer kurzen Pause, die meist nur wenige Minuten dauert, ist aber der Schmerz schon wieder vergessen, und in der Katze erwacht erneut die Lust auf eine Vereinigung. Und das Spiel beginnt von vorne. Ist kein weiterer Kater in der Nähe, der sich um die Katze bemüht, dann versucht sie, den Kater nach dem ersten Mal immer wieder zu verführen. Sie läuft ein paar Schritte weg, der Kater hinterher, ist aber nun nicht mehr ganz so leidenschaftlich bei der Sache. Darum muss sie nun mehr Einsatz zeigen; nach einigen erfolgreichen Liebesakten bedrängt sie ihn regelrecht, damit er wieder in Stimmung kommt.

Kater für gewisse Stunden

Dieses Verhalten kann man beispielsweise beobachten, wenn man mit einer Zuchtkatze einen sogenannten Deckkater aufgesucht hat. Hier soll und darf nur ein einziger Kater eingesetzt werden, da die Nachkommen einen nachweisbaren Vater in ihren Papieren haben sollen. Während der Rolligkeitsperiode paaren sich Freilaufkatzen meist mit mehr als einem Kater. Eine Studie belegt sogar sieben verschiedene Partner, mit denen sich eine liebestolle Katze eingelassen hat. Aber nicht alle Katzen treiben es so bunt, es gibt erwiesenermaßen auch Fälle, in denen sich eine Mieze über längere Zeit mit einem einzigen Liebhaber begnügt hat, obwohl genug Interessenten zur Stelle waren.

Fluch der Fruchtbarkeit

Katzen sind überaus fruchtbare Tiere. Eine Hauskatze kann es pro Jahr auf bis zu drei Würfe mit durchschnittlich vier bis fünf Kätzchen bringen. Wer mit seiner Katze oder seinem Kater nicht züchten möchte, sollte das Tier daher schon kastrieren  lassen, bevor es Nachwuchs bekommt. Der beste Zeitpunkt dazu ist dann, wenn die Geschlechtsreife beginnt, also zwischen dem fünften und siebten Monat. Allerdings sollte das Tier schon voll ausgewachsen sein. Kastriert man Kater zu früh, kann das zum sogenannten Riesenwuchs führen. Wartet man mit dem Eingriff zu lange, beginnt der Kater zu markieren, was er auch nach der Kastration nicht vollständig vergessen haben muss. Deshalb sollte man auch reine Wohnungskatzen kastrieren lassen, da weder das Spritzen des Katers noch der regelmäßige Liebeskummer der Katze besonders angenehm ist. (NB / EZ)
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