Kunterbunte Fellgenetik der Katze | GELIEBTE KATZE Magazin
Katzenrassen

Kunterbunte Fellgenetik der Katze

Viele haben sich sicherlich schon einmal gefragt: Wie kann ein langhaariges Kätzchen entstehen, wenn doch die Eltern kurzhaarig sind? Und wieso sind die meisten schildpattfarbenen Katzen weiblich?
 
Fellgenetik bei Katzen © Damaris Hänsch / Fotolia
Langhaariger Fellbausch trotz kurzhaariger Eltern?
Zum richtigen Verständnis müssen im Vorhinein einige Begriffe der Genetik kurz erläutert werden. Die Zelle ist die Grundlage aller Lebewesen. Katzen, wie auch wir Menschen, haben unzählig viele davon, und jede einzelne Zelle hat eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen. In jeder Zelle befindet sich die vollständige Erbinformation eines Lebewesens. Diese Information ist auf den so genannten Chromosomen aufgeschrieben und gespeichert. Katzen besitzen pro Zelle 38 Chromosomen; 19 von ihrem Papa und 19 von ihrer Mama. 18 der väterlichen Chromosomen sind den jeweiligen 18 der mütterlichen Chromosomen sehr ähnlich – diese nennen sich Autosomen. Die zwei übrigen, die Gonosomen, sind die geschlechtsbildenden Chromosomen. Weibchen haben zwei X-Chromosomen (XX), Männchen hingegen ein Y- und ein X-Chromosom (XY). Auf den Chromosomen befinden sich die Gene. Jedes davon hat einen festgelegten Platz auf dem Chromosom. Die jeweils gegenüberliegenden Gene der mütterlichen und väterlichen Chromosomen werden als Allele bezeichnet. Sind diese gegenüberliegenden Gene exakt gleich, so spricht man von Reinerbigkeit. Unterscheiden sich die gegenüberliegenden Gene hingegen, dann ist die Sprache von mischerbigen Anlagen. Alle Gene zusammen werden als Genotyp bezeichnet und bestimmen das Individuum. Das was man letztendlich sieht, also die Fellfarbe, das Muster und die Haarlänge, nennt sich Phänotyp.


Langhaariger Fellbausch trotz kurzhaariger Eltern

Manche Gene sind dominant und setzen sich im Phänotyp gegen so genannte rezessive Gene durch. Nehmen wir als Beispiel die Haarlänge von Katzen: kurzes Fell wird dominant vererbt, langes Fell dagegen rezessiv. Der Einfachheit halber werden dominante Gene mit einem Großbuchstaben symbolisiert und rezessive Gene mit einem kleinen Buchstaben. Das entsprechende Gen für das kurze Fell ist in diesem Fall das „L“ und das für langes Fell das „l“. Es gibt 3 Möglichkeiten, welchen Genotyp eine Katze für ihre Felllänge besitzen kann: „LL“ (reinerbig; kurzes Fell), „ll“ (reinerbig; langes Fell) oder „Ll“ (mischerbig; kurzes Fell). Wenn sowohl die Katzenmama, als auch der Katzenpapa mischerbige Anlagen für die Felllänge haben („Ll“), kann ein langhaariges Kätzchen („ll“) zur Welt kommen. Warum? Das kleine Kätzchen bekommt ein Gen von Ihrer Mama und eines von ihrem Papa. Wenn es nun beide Male das kleine „l“ bekommt, dann sieht Ihr Genotyp folgendermaßen aus: „ll“. Dies ist der Genotyp für den Phänotypen „langes Fell“.


Das X-Chromosom macht die Katze bunt

Ein bisschen anders ist das bei der Vererbung der Fellfarbe. Es gibt bei Katzen nur zwei Grundfarben, aus denen alle anderen Farbeinschläge durch die Einwirkung anderer Gene entstehen: schwarz und rot. Die verantwortlichen Gene für diese Farben liegen nicht wie etwa das Gen für Felllänge auf einem Autosom, sondern auf einem Geschlechtschromosom. Genauer gesagt, auf dem X-Chromosom. Jedoch kann jedes X-Chromosom aber immer nur eine Farbinformation tragen. Das Y-Chromosom hingegen trägt keine Farbe. Die Folge ist, dass diese beiden Farbeinschläge geschlechtsgebunden vererbt werden. Wie oben bereits erwähnt, besitzt ein Weibchen zwei X-Chromosomen (XX). Je nachdem, ob die Katze reinerbige oder mischerbige Anlagen hat, ist sie einfarbig oder zweifarbig (schildpatt). Kater, die bekanntlich nur ein X-Chromosom besitzen, sind fast immer einfarbig. Auf ihrem X-Chromosom ist entweder die Information für die Farbe „rot“ oder für die Farbe „schwarz“ vorhanden. Kommt nun doch ein Schildpatt-Kater zur Welt, ist dies auf eine nicht korrekt verlaufende Teilung der Keimzellen (Eizelle bzw. Spermienzelle) der Eltern zurückzuführen. Die Mama vererbt statt nur einem X-Chromosom, beide X-Chromosomen an ihren Kater weiter. Oder der Papa gibt seine beiden Gonosomen, statt nur eines davon an seinen Nachwuchs weiter. Der Kater besitzt somit folgenden Genotypen: „XXY“. Wenn jetzt auch noch jedes der beiden X-Chromosomen jeweils eine andere Farbinformation trägt, entsteht ein Schildpatt-Kater.

Text: Ewelina Zmyslowska


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