Sind Tierheimkatzen zu teuer?

In fast allen Tierheimen gibt es herrenlose Katzen nur gegen Auflagen – und Geld. Auf dem Bauernhof kann sich jedermann unkontrolliert so viele Babys holen, wie er will. Und auch privat werden Katzenkinder verschenkt.
 
Sind Tierheimkatzen zu teuer? © M. Tolimir / Fotolia
Muss, wer Gutes tun will, wirklich bezahlen?
Zu den Tausenden von älteren, kranken, kaum noch vermittelbaren Tieren in unseren Tierheimen kommen regelmäßig Tausende von Jungkätzchen. Verwaist, gefunden, gerettet. Aber auch abgegeben, weil „man“ einmal Jungtiere haben wollte, die dann keine Abnehmer fanden. Oder weil man überrascht wurde von einem ungewollten Wurf. Umbringen will „man“ die Tierchen auch nicht ... Katzenschutzvereine, Tierheime, private Pflegestationen sagen nicht nein, wenn sie vor der Wahl stehen: einschläfern oder aufnehmen.

Jedes Frühjahr eine Flut von Babys

Sie suchen nach Tierfreunden, die einem, besser zweien der Herrenlosen ein neues Zuhause schenken möchten. Das wollen auch die meisten Besitzer von geplanten Jungtieren. In den Kleinanzeigenblättern schwillt der „Tiermarkt“ regelmäßig an, „entzückende Katzenbabys“ werden „nur in gute Hände“ vermittelt, sind gegen Abholung zu haben, suchen „einen guten Platz“. Auf manchem Firmengelände, auf vielen Bauern- oder Pferdehöfen gibt es niemanden, der sich um den Nachwuchs kümmert; wenn dort keine Mitarbeiter die Mütter versorgen und deren Jungtiere „wie sauer Bier“ Bekannten und Freunden anbieten, sterben die Kleinen eines natürlichen oder unnatürlichen Todes – oder gesellen sich zu ihresgleichen in den Tierheimen. Das Angebot übersteigt die Nachfrage bei weitem. Und es wird eng für die Vermittler: Die meisten Interessenten wünschen sich ein Jungtier. Je älter die Katzen werden, desto drastischer schrumpfen ihre Chancen auf Vermittlung. Jahr für Jahr dasselbe Problem. Jahr für Jahr aber auch die Überraschung für viele Erstinteressenten, die dem Tierheim wenigstens eines seiner Sorgenkinder abnehmen wollen: Erst müssen sie sich einer genauen Befragung unterziehen, dann wird ihnen eine Rechnung präsentiert, schließlich müssen sie noch unterschreiben, dass jederzeit ein Inspektor Zutritt hat, um sich vom Wohl des Tieres zu überzeugen.

Tierschützer haben gute Gründe

  • Wir wollen keine Katze, die aus einer Laune heraus geholt wird, nach wenigen Wochen wieder hier haben.
  • Jedes Tier im Heim kostet jeden Tag Geld. Wir brauchen jeden Cent, um die laufenden Kosten zu decken.
  • Der neue Katzenbesitzer spart sich die Grundimpfung, den Check beim Tierarzt, die Tätowierung bzw. Kennzeichnung per Chip sowie die Registrierung und bei älteren Tieren auch die Kastration.
  • Geschenkte Tiere sind psychologisch nicht so wertvoll wie „gekaufte“.
  • Befragung, Nachkontroll-Erlaubnis und Geldforderung müssen sein, um Versuchstierhändler, Zwischenhändler (die das Tier anschließend verkaufen) und Pelztierhändler abzuschrecken.
  • Die geschenkte Katze von privat oder vom Bauernhof ist langfristig viel teurer, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit krank, ungepflegt, ungeimpft und nicht gekennzeichnet ist.
  • Der Neubesitzer erhält zum Tier auch eingehende Beratung und kann sich jederzeit mit Fragen an das Tierheim wenden.
  • Wer es ablehnt, Geld zu zahlen, Auskunft über sich zu erteilen und den Inspektor willkommen zu heißen, dem kann an dem Tier nicht allzu viel liegen, es gehört zu den Bumerangs, die immer wieder zurück ins Tierheim kommen.
Argumente, die nicht von der Hand zu weisen sind. Und trotzdem bleibt das Problem. Ließe sich die Situation in den Tierheimen womöglich entschärfen, wenn statt eines Zwangsobulus eine freiwillige Spende eingeführt würde? (Ursula Birr)
 
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