Die Katze aus zweiter Hand | GELIEBTE KATZE Magazin

Die Katze aus zweiter Hand

Sie ist kein Baby mehr, hat schon Erfahrungen mit einem oder vielen Menschen, hat Vorlieben und Abneigungen.
 
© Foto: www.animals-digital.de
Wenn die Katze aus dem Tierheim oder aus ihrem alten Zuhause zu ihren neuen Menschen kommt, schwankt sie genauso zwischen Neugier und Misstrauen wie ihre Menschen. Beide Parteien müssen einander erst entdecken und kennen lernen. Je nach Vorleben kommt so ein Zweite-Hand-Tiger dann vorurteilsfrei auf die Zweibeiner zu, erobert mit hochgerecktem Schwanz und gespitzten Ohren sein neues Reich. Oder läuft in Hab-Acht-Stellung, eine Stufe „tiefergelegt”, geduckt und immer Deckung suchend, durch die Räume. Die Selbstbewussten finden schnell ganz allein ihr Toiletteneck und die verschiedenen Trinkquellen im Zuhause und freuen sich über einen gefüllten Futternapf. Die Schüchternen dagegen sehnen sich nach einem sicheren, ruhigen Plätzchen, von dem aus sie alles Neue in Ruhe verarbeiten können. Für einen Begrüßungshappen sind sie viel zu aufgeregt.

Offenbarung der wahren Persönlichkeit

In den Tagen nach ihrem Einzug offenbaren die Katzen dann allmählich ihre wahre Persönlichkeit. Sie zeigen, welche Spiele sie zu Höchstleistungen animieren und welche unter ihrer Würde sind. Sie besetzen ihre Lieblingsplätze, die ab dann bitte für sie reserviert sind. Sie gurren Zustimmung, wenn ihre Leibspeise im Napf ist, und rümpfen unwillig die Nase, wenn eine Mahlzeit nicht nach ihrem Gusto ist. Und sie lernen: Wann die neuen Menschen aufwachen, das Haus verlassen, sich am Tisch versammeln, Fernsehstunden einlegen. Wann es sich lohnt, ihre Beine zu umschleichen, welche Regalbesuche Entsetzensschreie auslösen, ob und wenn ja, wann und wohin sie ins Freie dürfen.

Für immer kleine Wundertüten

Allerdings: Auch nach einem Jahr bleiben sie noch Wundertüten, deren Seelengeheimnisse manchmal niemals nach außen dringen. Oder durch Zufall ans Licht kommen, weil eine Stimme, eine Gestalt, ein Kleidungsstück sie an etwas aus ihrem früheren Leben erinnert. Denn Katzen vergessen keine ihrer Erfahrungen. Sie nutzen sie nur nicht immer alle.
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