Katzenwendeltreppe ins Freie | GELIEBTE KATZE Magazin

Katzenwendeltreppe ins Freie

Immer an der Wand lang führt die Katzen-Wendeltreppe, die sich zwei clevere Tübingerinnen einfallen ließen, um ihren Samtpfoten mehr Freiheit zu gewähren. 
 
Katzenwendeltreppe © Michael Palis / iStockphoto
Über eine Wendeltreppe hinaus ins Freie.

Der Weg ins Freie

Henry hatte den Dreh auf Anhieb raus. Behende folgte der Kater dem luftigen Pfad aus sechs Metern Höhe nach unten, um dann einen Rundgang durch sein Revier zu machen. Sein Bruder Leo hingegen stellte sich stur. Kläglich miauend saß er an der Wohnungstür und wartete, dass ihn jemand wie bisher ins Freie brachte. „Nicht nur wir Menschen, auch Katzen sind eben Gewohnheitstiere“, meint Birgitt Schray lachend. Natürlich hatte sie das Gejammere bald satt, und Leo bekam, was er wollte. „Für den Rückweg haben sich die beiden Kater dann eine besondere Strategie ausgedacht“, berichtet die Katzenfreundin weiter. „Henry nahm den Klettersteig und machte uns lauthals darauf aufmerksam, dass sein Bruder unten wartet und abgeholt werden möchte.“ Birgitt Schray und ihre Freundin Andrea Achmann versuchten weiterhin, Leo mit allen möglichen Tricks für den neuen Weg nach draußen zu begeistern. Doch der Kater saß stur an der Tür und miaute. Da war die Enttäuschung natürlich erstmal groß. Denn die beiden Katzenfreundinnen aus Tübingen hatten wochenlang gemeinsam mit dem benachbarten Zimmermeister Johannes Reichbauer und einer Freundin, die im Metallbau arbeitet, herum getüftelt, um die Katzentreppe zu entwickeln und die erforderlichen Genehmigungen einzuholen. Die Nachbarn hatten zwar nichts gegen Katzenbesuch von oben, die Eigentümerversammlung aber hatte die Auflage gemacht, dass die Vorkehrung nicht an der Hausfassade angedübelt werden dürfe.


Freiraum aus Metall und Holz

Trotzdem musste die Treppe natürlich stabil genug sein, dass die beiden kräftigen Kater sicher nach unten gelangen konnten. „Eigentlich sieht sie aus wie ein Regal, an dem die Bretter schräg angebracht sind“, erläutert Birgitt Schray die Konstruktion, die aus Aluminium-Vierkant-Rohren, Winkeleisen und Holz besteht und nur am Balkon, in der Mitte an der Halterung der Abgasleitung und am Lichtschacht im Erdgeschoß befestigt ist.


Perfekt bis auf die Blumen

Da die vier Erfinder so viel Mühe investiert hatten, wollten sie natürlich nicht gleich aufgeben, nur weil Leo „herumzickte“. Nachdem Johannes Reichbauer die Podeste vergrößert hatte, wurde der Kater bangen Herzens erneut auf den obersten Treppenabsatz platziert. Ganz langsam wagte er unter dem Zuspruch seiner Besitzerinnen den ersten „Abstieg“. Inzwischen benutzt er die Treppe genauso selbstverständlich wie Bruder Henry. „Eigentlich fehlen nur noch die Hängegeranien an den einzelnen Etagen“, schmunzelt Birgitt Schray. „Sonst ist alles perfekt.“ So perfekt, dass Johannes Reichbauer die Katzen-Wendeltreppe demnächst als fertigen Bausatz anbieten will.

Text: Saskia Brixner
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