Schlanke Katzen leben länger | GELIEBTE KATZE Magazin
Ernährung

Schlanke Katzen leben länger

Warum ist die Zahl der übergewichtigen Katzen genauso stetig im Steigen begriffen wie die der Menschen (nicht nur) in unserem Land? Übergewicht ist heute die häufigste ernährungsbedingte Erkrankung der Katze.
 
Langes Leben für schlanke Katzen © animals digital
Fettleibigkeit belastet das Herz-Kreislauf-System und die Leber, den Stoffwechsel sowie die Gelenke
Weil wir's so gut meinen ... Aber geht es einer Katze gut, wenn sie – weit entfernt vom Seniorenalter – aufgrund des zunehmenden Gewichts hauptberuflich schläft, weil jede Bewegung immer anstrengender wird? Übergewicht ist heute die häufigste ernährungsbedingte Erkrankung der Katze, und der Knackpunkt scheint rund um das fünfte Lebensjahr zu liegen, denn die meisten Pummelchen haben diesen Geburtstag mehr oder weniger gerade mal hinter sich. Deshalb sind die Prognosen für ein beschwerdefreies Rentenalter recht schlecht – wenn die Katze nicht schon vorher krank wird. Eine Studie hat ergeben, dass fast ein Drittel der Tierbesitzer die Fettleibigkeit ihrer Katze gar nicht als solche wahrgenommen hat und deshalb auch nicht auf die Idee gekommen ist, etwas dagegen zu unternehmen.


Gut gemeint wiegt schwer

Übergewicht bei Katzen hat meist als Hauptursache, dass die emotionale und kommunikative Verbindung zwischen dem Menschen und seiner Samtpfote im Vordergrund steht. Die Katze übernimmt sozusagen eine Ersatzfunktion für zwischenmenschliche Beziehungen, und Futter wird als Stimulans für Aufmerksamkeit und Zuwendung benutzt. Anders ist es bei spielorientierten Katzenbesitzern: Sie neigen trotz vergleichbar enger Beziehung zu ihrem Tier weit weniger dazu, es zu überfüttern.
Natürlich gibt es eine Reihe anderer Gründe, warum ein Solotiger gemästet wird, bis er nicht mehr schnaufen kann. Bei einem Duo oder einem Grüppchen dauert es etwas länger, weil sie gemeinsam aktiver sind als eine Einzelkatze – aber irgendwann wird auch bei ihnen durch das permanente Überangebot an nicht verwertbarer Energie die natürliche Regelfunktion außer Kraft gesetzt und/oder der Teufel Langeweile schlägt zu. Und weil die überschüssigen Kalorien in Fett umgewandelt und gespeichert werden, haben wir „plötzlich“ ein Dickerchen.


Übergewicht macht krank

Fettleibigkeit belastet das Herz-Kreislauf-System und die Leber, den Stoffwechsel sowie die Gelenke beträchtlich. Außerdem erhöht sie das Risiko für Diabetes mellitus und würde die feline idiopathische Lipoidose (eine krankhafte Störung des Fettstoffwechsels) begünstigen, falls Sie eine Hungerkur erwägen. Die gute Nachricht ist, dass Übergewicht nur sehr selten eine endokrinologische Störung oder eine andere Primärerkrankung zugrunde liegt. Um dies ausschließen zu können, sollten Sie den Tierarzt konsultieren, bevor Sie eine Diät beginnen – wie überhaupt Abspeckmaßnahmen abgesprochen und unter seiner Beobachtung angegangen werden sollten.

Die korrekte Berechnung des Energiebedarfs (= Erhaltungsbedarfs) ist nicht einfach, da das Fettgewebe eine wesentlich geringere Stoffwechselaktivität aufweist als das Muskelgewebe. Um eine Gewichtsreduktion zu erzielen, sollte die Diät aber nur rund 60 Prozent des täglichen Energiebedarfs decken – was nichts mit „einfach weniger“ zu tun hat!


Weg mit dem Speck

Beim Abnehmprogramm für die Katze müssen Sie behutsam vorgehen! Der Stoffwechsel kann mehr als 100 Gramm Gewichtsverlust pro Woche (als Idealziel) nicht verkraften. Daher Hände weg von Methoden wie ein Hungertag, auf die Hälfte oder drastisch reduzierte Tagesrationen. Abgesehen davon, dass diese Maßnahmen schnurstracks von der Frustration in die Depression führen, wären die Folgen riskant: Unterversorgung an Nährstoffen und Vitaminen, Gefährdung der Stoffwechsel-Balance, schwere Leberschäden. Die Mieze soll zwar abnehmen, aber keinesfalls hungern müssen, egal in welchem Alter, das macht sie schlecht gelaunt, unglücklich oder sogar aggressiv – und es schadet der Gesundheit genauso!

Ist tagsüber niemand zu Hause, wäre der erste Schritt in die richtige Richtung ein Futterautomat mit kontrollierten Rationen. Ständige Verfügbarkeit ohne Aufsicht (selbst wenn das Futter noch so „light“ oder „slim“ ist), ist definitiv nichts für eine Übergewichtige – darum ist sie es ja geworden! Und zwar nicht über Nacht, also versuchen Sie auch nicht, sie mit Vollgas auf Idealmaße zu trimmen.


Apropos Alter

Nur bei einer sehr alten Katze sollte gut überlegt werden, ob eine Diät insofern noch „lohnt“, als wir ihr die verbliebene Lebenszeit womöglich durch die anstrengende Diät mehr erschweren denn erleichtern. Doch das heißt nicht, dass man es nicht wenigstens versuchen sollte ...


Joggen für die Katz’

Keine Diät der Welt kann als alleinige Maßnahme etwas ausrichten, wenn sie nicht mit mehr Bewegung verbunden ist. Das arme Tier nun den ganzen Tag durch die Wohnung jagen zu wollen funktioniert sowieso nicht. Versuchen Sie vielmehr zunächst mehrmals täglich geduldig, ihr Interesse zu wecken, so lange, bis aus der Augengymnastik ein gezielter Schlag mit der Pfote wird, und das ist schon der halbe Sieg, den Sie langsam auf täglich zweimal zehn bis 15 Minuten ausbauen können. Und wenn es Ihrer Katze länger oder häufiger Spaß macht, ist das ein wunderbares Indiz dafür, dass auch der Diätplan passt und die Rechnung aufgegangen ist. Freuen Sie sich über jeden Erfolg, und sei er noch so klein! Lesen Sie mehr zum Thema " Gemeinschaftsspiele für Mensch und Katze ". (Christine Klinka)
 

Lesen Sie hier mehr zum Thema Diät: 



 
Fotos: 
animals digital
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren