Krankhafte Fellveränderungen bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Krankhafte Fellveränderungen bei Katzen

Katzen sind bekannt für ihre sprichwörtliche Sauberkeit. Ganze Nachmittage verbringen sie damit, ihr Fell zu pflegen, und verleihen ihm so den typischen seidigen Glanz.
 
© Foto: Venzke
Umso deutlicher fallen Veränderungen auf, etwa haarlose Stellen, verfilzte Nester oder gar blutiger Schorf und Sekretspuren. Hinter diesen Veränderungen stecken oft relativ einfache Ursachen, beispielsweise ein Befall mit Parasiten, der sich bei entsprechender Behandlung leicht beheben lässt. Schwieriger wird es, wenn die Haut nicht direkt betroffen ist, sondern auf Störungen anderer Organe oder Fütterungsfehler reagiert.

Normale Fellentwicklung und krankhafte Veränderungen

Wichtig ist, krankhafte Veränderungen im Haarkleid von Zeichen für eine normale Fellentwicklung zu unterscheiden. Dazu zählen der Verlust des Welpenfells, der Wechsel zwischen Winter- und Sommerfell und die Bildung von haarlosen Bereichen an Druckstellen (Hornschwielen). Lassen Sie sich auch keine grauen Haare wachsen, wenn Ihre Katze welche bekommt – Verlust an Pigment zählt zu den gewöhnlichen Altersveränderungen bei unseren Haustieren, ebenso wie stumpfes Fell und geringere Talgsekretion. Allerdings sind die Effekte des Ergrauens und der Hautalterung längst nicht so dramatisch wie beim Menschen. Grund dafür ist wohl der Schutz vor UV-Strahlung durch das Fell. Weniger behaarte Stellen fallen bei Kurzhaar-Katzen an den Schläfen ins Auge, das ist aber ebenso normal wie die Haarlosigkeit über alten Narben. Verdächtig sind hingegen haarlose Stellen, wenn die darunter liegende Haut gerötet oder verändert erscheint. Solche Stellen sollten Sie Ihrem Tierarzt zeigen. In der Regel muss er eine Reihe von Untersuchungen vornehmen, bevor eine Behandlung sinnvoll ist.

Hautentzündungen sind nicht so leicht zu entdecken

Während man auf menschlicher Haut so eine Entzündung sofort sehen würde, kann sie sich unter dem Fell der Tiere anfangs verbergen, bevor sie auffällt. Wenn der Tierarzt die befallenen Stellen ausschert, zeigt sich dann eine viel umfangreichere Beteiligung der Haut als ursprünglich vermutet. Für den Dermatologen ist diese Schur sozusagen das „Fenster“, durch das er sich ein Bild von der Art und Ausdehnung der Läsionen verschafft und die örtliche Behandlung erleichtert. Selbst mit unverstelltem Blick auf die Hautoberfläche kann nur selten auf Anhieb eine Diagnose gestellt werden. Die Haut hat nur eine begrenzte Zahl von Möglichkeiten, auf schädigende Einflüsse zu reagieren. Die Krankheitsbilder ähneln sich daher teilweise, obwohl ganz verschiedene Ursachen zugrunde liegen.

Schuppen im Fell

Ein Beispiel sind Hautschuppen: Sie entstehen oft bei trockener Haut und Allgemeinerkrankungen. Allerdings können auch Hautpilze und Parasiten Schuppenbildung verursachen. Schließlich gibt es bei Hund und Katze ein Krankheitsbild namens „Pemphigus foliaceus“, bei dem fehlgeleitete Immunzellen die eigene Haut angreifen. Auch hier bilden sich Schuppen, die in milden Fällen von denen anderer Ursachen nicht zu unterscheiden sind. Ähnlich verhält es sich mit einzelnen haarlosen Stellen. Hier sind neben Parasiten oft Hautpilze der Auslöser. Achten Sie daher auf einwandfreie Qualität und sehen Sie sich neu hinzukommende Tiere genau an. Notfalls hilft anfangs eine getrennte Haltung, während der Sie ein Auge auf die Neuankömmlinge halten.

Vorsicht, ansteckend!

Manche Hautpilze sind auch auf den Menschen übertragbar, deshalb müssen Sie im Verdachtsfall unbedingt den Tierarzt aufsuchen und eine entsprechende Behandlung konsequent durchhalten. Auch nach Abklingen der Symptome sollten Sie das Antipilzmittel (Tabletten und/oder Salbe) noch einige Zeit weiter geben, um Rückfälle zu vermeiden. Bei allen Anwendungen von Salben oder Lotionen sollten Sie grundsätzlich Handschuhe tragen, um sich nicht selbst mitzubehandeln. Haarlose Stellen entstehen auch in der Folge von Juckreiz und Irritationen. Vor allem Katzen können sich mit ihrer scharfen Zunge förmlich kahl lecken. Wenn haarlose Areale symmetrisch verteilt sind, beispielsweise auf beiden Flanken, kann ein hormonelles Problem vorliegen. Vor allem Sexual-, Schilddrüsen- und Nebennierenrindenhormone haben einen deutlichen Einfluss auf das Haarwachstum. Deren Gehalt im Blut lässt sich durch Laboruntersuchungen bestimmen.

Das richtige Futter

Bei Allgemeinerkrankungen und Ernährungsmängeln sind die Auswirkungen auf das Fell meist nur subtil: Der Glanz lässt nach, es wirkt struppig und ungepflegt, ohne dass veränderte Stellen ins Auge springen müssen. Im Dosenfutter von renommierten Herstellern ist die Zusammensetzung meist optimal, auch die richtige Vitaminversorgung ist damit gewährleistet.

Der Schutz der Haut

Sehr dramatisch können sich eitrige Hauterkrankungen entwickeln. Die daran beteiligten Bakterien besiedeln in der Regel bereits vorgeschädigte Haut. Gesunde Haut besitzt mehrere Abwehrmechanismen, zu denen Talg, Fettsäuren, pH-Wert, Hornschicht und die natürliche Keimflora zählen. Das Zusammenspiel dieser Faktoren lässt Krankheitserreger quasi „abprallen“. Erhöhte Feuchtigkeit oder Fettsekretion fördert hingegen das Keimwachstum und weicht die äußersten Hautschichten auf. Erreger können dann leichter eindringen. Besonders gefährdet sind Hautfalten oder offene Wunden. Ist zusätzlich die natürliche Hautflora angegriffen oder die Immunabwehr der Haut gestört, können sich Bakterien in der Haut ausbreiten. Bleiben die Erreger auf Haarwurzeln und Talgdrüsen beschränkt, bilden sich akneähnliche Pusteln. Gelingt es den Bakterien, in die Tiefe der Haut vorzudringen, entwickeln sich Abszesse oder gar ausgedehnte eitrige Areale, die sehr schmerzhaft sein können. Wenn das eitrige Sekret mit den Haaren verklebt, entstehen harte Krusten, die relativ harmlos aussehen. Doch damit sich die darunter liegende Infektion nicht ungestört ausbreiten kann, sollten Sie derartige Stellen unbedingt beim Tierarzt behandeln lassen. Obwohl bakterielle Hauterkrankungen selbständig entstehen können, steckt meistens eine andere Erkrankung dahinter: Parasiten, Pilze, eine Schwächung des Immunsystems oder eine Hormonstörung. Wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung. Achten Sie also beim täglichen Kraulen auch auf Haut und Fell Ihrer Tiere.

Die einzelnen Hautuntersuchungen

Veränderungen der Haut können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Beim Tierarzt kann daher eine Vielzahl von Untersuchungen nötig sein, um hinter das Grundübel zu kommen. Oft muss ein Teil des Fells abrasiert werden, um die Hautoberfläche beurteilen zu können. Daneben sind folgende Tests gebräuchlich: 
  • Hautgeschabsel: Mit einer Skalpell- oder Rasierklinge schabt der Tierarzt Haare und oberflächliche Hautschichten ab, um sie unter dem Mikroskop auf Parasiten zu untersuchen.
  • Woodsche Lampe: Bestimmte (aber nicht alle) Hautpilze leuchten unter UV-Licht einer bestimmten Wellenlänge auf.
  • Kultur: Mit ausgezupften Haaren werden spezielle Nährböden beimpft. Nach einiger Zeit wachsen vorhandene Bakterien oder Pilze zu Kolonien heran, die dann auf ihre Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Antibiotika getestet werden können.
  • Abklatschpräparat: Auf eine offene Hautstelle wird ein Glasplättchen gedrückt. Die daran festhaftenden Zellen können anschließend gefärbt und unter dem Mikroskop untersucht werden, um Krebs- oder Immunzellen zu bestimmen.
  • Hautbiopsie: Der Tierarzt schneidet ein kleines Stückchen aus Haut und Unterhaut heraus, um es in einem Speziallabor untersuchen zu lassen. Dabei handelt es sich zusammen mit dem klinischen Bild um eines der aussagekräftigsten Verfahren, allerdings auch um das aufwendigste.
So können Sie vorbeugen:
  1. Achten Sie auf die richtige Ernährung: Bei Hunden und Katzen ist Markenfertigfutter die sicherste Möglichkeit, Mängel an Vitaminen, Fettsäuren und Mineralien zu vermeiden. Wenn Sie sehr viel hausgemachtes Futter geben, sollten Sie einem bewährten Rezept folgen oder die Ration von einem Ernährungsfachmann beurteilen lassen. Bei Heimtieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen sollten Sie frisches Obst und Gemüse zufüttern und den Anteil an Rohfaser nicht zu gering halten.
  2. Vermeiden Sie Ungeziefer und Parasiten: Eine konsequente Zecken-, Floh- und Wurmbehandlung schützt vor unliebsamen Überraschungen. Reinigen Sie regelmäßig Schlafplätze und Käfige und gönnen Sie Ihren Tieren auch einmal ein Bad – mit schonenden Pflegemitteln, versteht sich. Dazu eignen sich Kindershampoo oder spezielle Tierbäder, gut ist auch lediglich warmes Wasser. Das Fell langhaariger Tiere, vor allem mit dichter Unterwolle (wie bei Perserkatzen), sollte häufig gebürstet und gepflegt werden, damit sich keine verfilzten Stellen bilden können.
  3. Stärken Sie die gesunde Hautflora: In feuchten, warmen Bereichen der Haut können sich schädliche Keime leichter vermehren, deshalb sind Hautfalten oft Ausgangspunkt von bakteriellen Hauterkrankungen. Diesen „Problemzonen“ sollten Sie besondere Aufmerksamkeit schenken und bei Bedarf auch regelmäßige Pflege angedeihen lassen. Vor allem pH-Wert, Feuchtigkeitsgehalt und Fettsäurespiegel sind wichtig für die gesunde Keimflora der Haut. Pflegemittel, die Sie beim Tierarzt erhalten, können diese Faktoren bei Bedarf korrigieren.
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