Augenerkrankungen bei Katzen erkennen | GELIEBTE KATZE Magazin

Augenerkrankungen bei Katzen erkennen

Trübung, Blinzeln, Rötung oder Tränenfluss: Krankheiten am Auge geben sich meist deutlich zu erkennen. Wichtig ist dann, rechtzeitig etwas dagegen zu unternehmen, bevor bleibende Schäden entstehen und die Sehfähigkeit leidet.
 
© Foto: Thomas Brodmann / animals-digital.de
Unter den Sinnesorganen nimmt das Auge eine besondere Stellung ein: Es hilft dabei, sich in ungewohnter Umgebung zu orientieren, zeigt genau die Richtung an, in der Nahrung zu finden ist oder aus der sich drohende Gefahr nähert. Aus diesem Grund verfügen alle höheren Tiere über ein unterschiedlich gut ausgeprägtes Sehvermögen. Raubvögel haben es beispielsweise zu höchster Perfektion entwickelt: Adler auf Beuteflug erkennen Nager aus mehreren Kilometern Höhe. Bei unseren Haustieren ist das Augenlicht ebenfalls von großer Bedeutung, auch wenn andere hochentwickelte Sinne wie Ohr oder Nase an Bedeutung hinzugewonnen haben. Am deutlichsten zeigt sich das bei der Katze, die, wie man erst seit kurzem weiß, auch nachts farbig sehen kann. Als klassisches Raubtier ist sie in besonderem Maße auf ihr Augenlicht angewiesen.

Schnelles Handeln rettet das Augenlicht des Tieres

Vom Prinzip her sind die Augen der verschiedenen Haustiere ähnlich aufgebaut: Das Licht fällt zunächst durch die dünne Hornhaut (Kornea), die äußerste Begrenzung des Auges, passiert anschließend die Flüssigkeit in der vorderen Augenkammer und trifft dann durch die Pupille auf die Linse. Diese bündelt das Licht so, dass es durch den ebenfalls durchsichtigen Glaskörper auf den Augenhintergrund fällt. Hier befindet sich die lichtempfindliche Netzhaut, die wie beim Menschen aus Stäbchen und Zapfen besteht, allerdings in etwas anderer Verteilung. Dämmerungsaktive Tiere wie die Katze haben zusätzlich eine Art „Restlichtverstärker“ eingebaut: eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, die dafür sorgt, dass das Licht zweimal die Sinneszellen passiert. Das ist auch der Grund für das typische Leuchten der Katzenaugen, wenn sie nachts angestrahlt werden. Laut Statistik ist bei etwa jedem 15. Patient einer durchschnittlichen Kleintierklinik das Auge betroffen. Da im Grunde jeder einzelne Bereich des Auges – von der Hornhaut bis zum Augenhintergrund – betroffen sein kann, gibt es sehr viele verschiedene Augenerkrankungen und entsprechend viele Therapiemöglichkeiten. Auch Vögel, Nager und Kaninchen sind nicht dagegen gefeit. Fast alle Erkrankungen haben jedoch gemeinsam, dass möglichst rasch etwas unternommen werden muss, um die Sehfähigkeit nicht dauerhaft zu gefährden.

Auf verräterische Zeichen achten

Als Tierhalter sollten Sie deshalb auf typische Anzeichen für Augenerkrankungen achten: Bei einer Bindehautentzündung beispielsweise ist vermehrter Tränenfluss oder Augensekret manchmal das einzige Zeichen, mitunter kommen Reiben am Auge, Lichtscheue und Blinzeln hinzu. Diese Symptome können aber auch auf einen Fremdkörper oder eine Verletzung der Hornhaut hinweisen. Häufig trübt sich die Hornhaut an der verletzten Stelle ein und bei längerem Bestehen des Prozesses wachsen auch Blutgefäße vom Augenrand her ein. Der große Vorteil derartiger Veränderungen ist, dass sie auch für den Laien relativ leicht als krankhaft zu erkennen sind: Achten Sie stets auf Rötungen, Trübungen, deutlich sichtbare Blutgefäße im Bereich des Auges oder ganz allgemein alle Unterschiede im Erscheinungsbild beider Augen: Dies ist, abgesehen von unterschiedlichen Pupillenfarben, die gelegentlich vorkommen, stets ein Hinweis auf Erkrankungen. Wenn es sich das Tier gefallen lässt, sollten Sie bei derartigen Anzeichen das Auge kontrollieren, indem Sie den Kopf umfassen, das Unterlid festhalten und das Oberlid vorsichtig hochziehen.

Bei Veränderungen schnell den Tierarzt aufsuchen

Sorgen Sie für gute Beleuchtung und achten Sie auf alle Unregelmäßigkeiten. Vergleichen Sie anschließend die beiden Augen miteinander. Gelegentlich wird die Untersuchung dadurch erschwert, dass sich das dritte Augenlid vor das Auge schiebt und die Sicht verdeckt. Ist das Auge verändert oder verletzt, sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen, idealerweise mit der Zusatzbezeichnung „Augenheilkunde“, der Ihrem Tier helfen kann. Das gilt auch für alle Notfälle am Auge, seien es nun Fremdkörper, Verletzungen, schmerzhafte Zustände oder plötzliches Erblinden. Was Sie im Einzelnen tun sollten, finden Sie im untenstehenden Kasten.

Die häufigsten Alarmsignale

Die häufigsten Anzeichen für Augenerkrankungen sind leicht zu erkennen und sollten als Alarmsignal dienen: Bei der Bindehautentzündung zeigt das Auge Rötung, Sekretfluss und Schmerzhaftigkeit, zu erkennen an Reiben, Lichtscheue und Blinzeln. Im Beispiel rechts ist die Entzündung besonders stark ausgeprägt und hat bereits zum Anschwellen der Bindehaut geführt. Blutspuren im Auge können von Unfällen, aber auch von einer Entzündung oder Infektion herrühren. Ist die Iris entzündet, ist sie meist etwas dunkler und rötlicher gefärbt. Das Auge ist sehr schmerzhaft und das Tier meidet das Licht. Als Folge können sich Fibringerinnsel bilden. Trübungen können sowohl außen auf der Hornhaut als auch im Inneren, vor allem in der Linse, auftreten. Während die Trübung der Hornhaut meist gut behandelbar ist, lässt sich eine Linsentrübung, auch Katarakt genannt, kaum rückgängig machen. Sie kann aber Hinweise auf andere Erkrankungen geben, beispielsweise Diabetes mellitus. Bei einer krankhaften Erhöhung des Augendrucks, dem „Grünen Star“, ist die Pupille meist geweitet, erkennbar im Vergleich mit dem zweiten Auge bzw. dadurch, dass sie sich bei Lichteinfall nicht verengt. Unterschiede im Erscheinungsbild beider Augen sind stets ein Hinweis auf eine Erkrankung. Bei plötzlichem Erblinden weigern sich die Tiere zu gehen oder stoßen in unbekanntem Terrain gegen Hindernisse. Ursache können neben Grünem Star unter anderem auch erbliche Schäden der Netzhaut sein. (Dr. med. vet. Thomas Görblich)
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