Verstopfung bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Verstopfung bei Katzen

Während die meisten Katzenhalter alarmiert sind, wenn ihr Liebling Durchfall hat, bleiben sie bei einer Verstopfung relativ gelassen. Dabei ist eine Verstopfung, medizinisch eine „Obstipation", ein ebenso ernst zu nehmendes Symptom.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Ein Darmverschluss ist ein lebensbedrohlicher Notfall für die Katze.

Denn eine unbehandelte Verstopfung kann schwer wiegende gesundheitliche Probleme nach sich ziehen. So kann der im Darm verbleibende Kot so hart werden, dass man von Steinkot spricht, der nur noch durch eine Operation entfernt werden kann. Oder der Darm kann sich auch so ausweiten, dass er regelrecht „ausleiert“. Seine Fähigkeit, sich zu bewegen, zusammenzuziehen und damit den Darminhalt weiterzutransportieren, ist dauerhaft gestört – die nächste Verstopfung quasi vorprogrammiert. Man nennt diesen krankhaft erweiterten und schlaffen Darm Megakolon.

Darüber hinaus kann eine Verstopfung in Verbindung mit anderen Symptomen, wie beispielsweise Schwäche, Erbrechen, schmerzhafter Bauch und blasse Schleimhäute, auch ein Zeichen für einen lebensbedrohlichen Darmverschluss sein.

Notfall Darmverschluss

Ein Darmverschluss ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofort von einem Tierarzt behandelt werden muss. Zu einem Darmverschluss kann es beispielsweise durch geschluckte Fremdkörper, hochgradigen Wurmbefall, Tumore oder eine Darmverschlingung kommen. Katzen mit einem Darmverschluss können eigentlich keinen Kot absetzen. In seltenen Fällen jedoch tritt eine kotähnlich Flüssigkeit aus dem Darm aus, die man mit Durchfall verwechseln kann. Weitere Symptome eines Darmverschlusses sind: Appetitlosigkeit, Erbrechen, schmerzhafter Bauch und Schwäche. Diese Symptome verschlechtern sich rasch. Kreislauf (blasse Schleimhäute und schneller Puls) und Atemprobleme (flache schnelle Atmung) kommen hinzu. Bei Verdacht auf einen Darmverschluss wird der Tierarzt die Katze röntgen. Bestätigt sich der Verdacht, muss in der Regel operiert werden. Aufgrund des instabilen Kreislaufs ist diese Operation nicht ohne Risiko, doch es gibt keine Alternativen zu ihr. Besitzer frei laufender Katzen haben es sehr schwer, eine Verstopfung überhaupt zu bemerken. Sie müssen ihre Tiere daher noch sorgfältiger beobachten als die Halter reiner Stubentiger. Hinweise auf Probleme mit dem Darm können sein: Zurückgezogenheit, Unlust zu spielen, Apetitlosigkeit, häufiges Lecken des Anus, Sich-Umsehen nach dem Bauch oder sogar schon Bauchschmerzen – die Katze hat eine gespannte Bauchdecke und lässt sich nicht gerne hochheben.

Unbehandelt wird es sehr gefährlich

Bei der Therapie geht es in erster Linie darum, der Katze den Kotabsatz zu erleichtern bzw. wieder möglich zu machen. Der Tierarzt setzt hierzu bei weniger schweren Fällen Abführmittel ein, die vor allem den Kot aufweichen. Bewährt haben sich beispielsweise Abführmittel auf Zweifachzuckerbasis, die der Katze mit dem Futter gegeben werden. Häufig findet man noch die Empfehlung, einer Katze mit einer leichten Verstopfung einfach Milch zu geben. Tatsächlich hat der in der Milch enthaltene Milchzucker eine abführende Wirkung. Doch diese Methode kann zu drastisch wirken und zu schweren Durchfällen führen. Klistiere und Einläufe über den Anus sind bei hartnäckiger Verstopfung angezeigt. Einläufe sollten nur von Tierärzten vorgenommen werden, denn dabei kann der zarte Darm der Katze leicht verletzt werden. Tieren, bei denen eine Darmträgheit vorliegt, können Parasympathomimetika helfen. Sie stimulieren das vegetative Nervensystem und die Darmmotorik. Sie dürfen aber nur eingesetzt werden, wenn kein mechanisches Hindernis den Darm verschließt, weil es sonst zu erheblichen Verletzungen, ja sogar zu lebensgefährlichen Rissen in der Darmwand kommen kann. Der Tierarzt wird den Baum der Katze röntgen, um einen Darmverschluss auszuschließen.
Ursachen für eine Obstipation gibt es viele. Die häufigsten sind Wassermangel, Übergewicht, zu wenig Bewegung, zu viele Haare im Verdauungstrakt und falsche Ernährung. Meist spielen mehrere Faktoren zusammen. Sehr ballaststoffarmes oder sehr ballaststoffreiches Futter in Verbindung mit zu wenig Wasser ist beispielsweise eine Ursache für eine Verstopfung. Häufig ist es Übergewicht als Folge falscher Ernährung und Bewegungsmangel. Tatsächlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Bewegungsaktivität der Katze und ihrer Darmfunktion. Inaktivität kann zu Darmträgheit führen.

Dahinter kann viel mehr stecken

Bewegungsunlust und Schwierigkeiten beim Kotabsatz können aber auch von Schmerzen herrühren. Rückenprobleme sind ein Beispiel hierfür oder Knochenerkrankungen, wie die Osteodystrophie, eine Knochenerweichung durch einen gestörten Kalziumstoffwechsel. Die Osteodystrophie ist nicht nur schmerzhaft, sie kann auch zu einer Verengung des Beckens führen und damit den Kotabsatz erschweren. Die Knochenerweichung übrigens kann, aber muss nicht die Folge einer falschen Ernährung sein, sie kann auch durch Nierenerkrankungen verursacht worden sein. Weiterhin können Tumore, Verletzungen,  psychische Probleme und viele andere Faktoren zu Schwierigkeiten beim Kotabsatz führen.
Neben der Behandlung der akuten Verstopfung ist daher die Ursachenforschung von entscheidender Bedeutung – nicht nur, um weiteren Verstopfungen vorzubeugen, sondern um eventuell schwerwiegende Krankheiten frühzeitig zu erkennen.
Meist handelt es sich bei der Verstopfung glücklicherweise um ein zwar lästiges, aber doch nicht gefährliches Problem. Bei einigen Katzen sollte eine Futterumstellung bzw. eine dauerhafte Gabe milder, koterweichender Mittel erwogen werden. Sorgfältige Fellpflege beugt Verstopfung durch abgeschluckte Haare vor. Mehr Flüssigkeit z.B. über einen höheren Anteil an Nassfutter oder Stimulation der Wasseraufnahme (z.B. mehrere Wasserschalen verteilt in der Wohnung) und mehr Bewegung durch Spiel oder Futtersuche tragen dazu bei, die Arbeit des Darmes zu erleichtern. Erste Hilfe für Ihre Katze: Was tun bei Harnröhrenverstopfung?

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