Herzerkrankungen bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Herzerkrankungen bei Katzen

Nicht selten entstehen Herzkrankheiten in Folge anderer schwerer Erkrankungen. Ist das Herz erst einmal geschwächt, ist eine medikamentöse Behandlung unumgänglich. Zusätzlich entlasten Diät und Entwässerung das kranke Herz.
 
© Yi Chen / iStockphoto
Ein Rätsel stellen häufig die Ursachen für eine Herzerkrankung dar.
Gerade einmal 10 bis 25 g wiegt das Katzenherz, und trotz seines geringen Gewichts ist es der Muskel des Körpers, der am härtesten arbeitet. Ist die Katze entspannt, schlägt es etwa 160 mal in der Minute. Regt sich der Stubentiger jedoch auf oder strengt er sich an, rast das Herz mit über 250 Schlägen pro Minute. Das bedeutet, 250 mal in der Minute strömt Blut in die beiden Herzkammern und wird vom Herzmuskel wieder hinaus in den Kreislauf oder in die Lungen gepumpt.

Angeborene Herzfehler sind selten

Nur ein Herz in Top-Form kann dieser Belastung auf Dauer standhalten. Erfreulicherweise sind die meisten Katzen von Geburt an mit einem gesunden, leistungsfähigen Herzen ausgestattet. Nur etwa 10 % der Herzkrankheiten bei Katzen sind auf angeborene Herzfehler zurückzuführen. Die überwiegende Mehrheit der Herzkrankheiten sind erworben, d. h. die Katze wurde erst im Lauf ihres Lebens herzkrank. Meist entstehen bei der Katze Krankheiten des Herzmuskelgewebes (Kardiomyopathien). Schäden der Herzklappen, Entzündungen der Herzhäute, Verkalkungen der Arterien oder der Befall mit Herzwürmern sind ausgesprochen selten. Bei den Krankheiten des Herzmuskelgewebes, also den Kardiomyopathien, unterscheidet man grob vier Formen: die hypertrophe, die dilatative, die restriktive und die unklassifizierte Kardiomyopathie. Am häufigsten ist die hypertrophe Kardiomyopathie. Bei ihr verdickt sich der Herzmuskel, vor allem in der linken Herzkammer. Dadurch wird der Hohlraum der Kammer kleiner und kann nicht mehr soviel Blut auf einmal fassen. Das heißt: Das Herz muss schneller schlagen, um die gleiche Menge an Blut wie zuvor zu befördern, dabei wird das Herz zwangsläufig überfordert. Gleichzeitig kommt es auch zu einem Sauerstoffmangel im Herzmuskel selbst.

Das Blut bleibt zu lange im Herz

Am zweit häufigsten ist die dilatative Kardiomyopathie. Bei ihr wird die Herzmuskulatur dünn und schlaff. Die Herzkammern füllen sich dann zwar problemlos, doch dem Herzmuskel fehlt die Kraft, das Blut wieder aus dem Herzen heraus zu pressen. Die dilatative Kardiomyopathie war früher übrigens die häufigste Herzkrankheit bei Katzen. Sie entstand durch einen Mangel an der Aminosäure Taurin. Seit man die Bedeutung des Taurins erkannte, wird es dem Katzenfutter zugesetzt und die dilatativen Kardiomyopathien sind selten geworden. Die restriktive Kardiomyopathie ist ausgesprochen selten. Hier wachsen Bindegewebsfasern zwischen die Herzmuskelzellen ein und behindern die Füllung der Kammern. Schließlich stellt die unklassifizierte Kardiomyopathie den Tierarzt vor ein großes Rätsel: Sie läßt sich keiner der vorgenannten Formen zuordnen und ist daher auch sehr schwer zu behandeln.

Ursachen bleiben oft ungeklärt

Ein Rätsel stellen auch häufig die Ursachen für eine Herzerkrankung dar. Selten lässt sich eine eindeutige Ursache finden. So können Infektionen, Hormonstörungen, Gifte, aber auch Erbfaktoren eine Herzkrankheit entstehen lassen. Tatsächlich leiden Perser und Maine Coon Katzen häufiger unter einer hypertrophen Kardiomyopathie, Siamesen, Burmesen und Abessinier eher unter der dilatativen Form. Die recht häufigen Nierenschäden bei älteren Katzen erhöhen den Blutdruck und können so auch das Herz schädigen. Die Nierenwerte von Katzen ab acht oder neun Jahren sollten daher routinemäßig untersucht werden. Eine andere Ursache für Herzprobleme bei älteren Katzen kann auch eine Hyperthyreose, eine Überfunktion der Schilddrüse, sein. Schreitet der Tierarzt hier rechtzeitig ein und gelingt es ihm, die Funktion der Schilddrüse zu drosseln, kann er eventuell einen Herzschaden vermeiden. Die Unterscheidung der Formen ist schwierig. Denn die Symptome der verschiedenen Herzkrankheiten ähneln sich stark. Herzkranke Katzen leiden meist unter Atemnot, sind leicht ermüdbar und können bläuliche Schleimhäute haben. Katzen mit einer dilatativen Kardiomyopathie magern zudem häufig ab und haben manchmal kühle Gliedmaßen. Eine endgültige Diagnose kann der Tierarzt nur nach aufwändigen und auch teuren Untersuchungen stellen. Zu einer Herzuntersuchung gehören auf jeden Fall das gründliche Abhören des Herzens, mehrere Röntgenaufnahmen des Brustkorbs aus verschiedenen „Blickwinkeln“, mindestens ein EKG, Laboruntersuchungen des Blutes und idealerweise auch eine Ultraschalluntersuchung. Denn nur mit Hilfe des Ultraschalls kann der Tierarzt das Herz auch bei der Arbeit beobachten.

Therapie nur nach genauer Diagnose

Die eindeutige Diagnose ist deshalb so wichtig, weil die Katze nur dann richtig behandelt werden kann. Denn die herzstärkenden Medikamente, die der Katze bei einer dilatativen Kardiomyopathie helfen, schaden ihr, wenn sie unter einer hypertrophen Kardiomyopathie leidet. Auf der anderen Seite schwächen die „herzberuhigenden“ Medikamente, die bei der hypertrophen Kardiomyopathie eingesetzt werden, den ohnehin zu schwachen Herzmuskel bei der dilatativen Form noch mehr.

Doktern Sie nicht selbst herum

Herzmedikamente sind stark wirksame Arzneimittel, die sich manchmal mit anderen, auch pflanzlichen Heilmitteln, nicht vertragen. Bevor Sie Ihrer Katze irgendetwas „Herzstärkendes“ geben, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt. Für eine herzkranke Katze gibt es keine „harmlosen“ Mittel! Zu den spezifischen Herzmedikamenten verschreibt der Tierarzt meist auch noch entwässernde Mittel und empfiehlt gegebenfalls eine Diät. Ziel jeder Behandlung einer Herzkrankheit ist die Entlastung des kranken Organs. Geheilt kann die Katze meist nicht werden – doch mit den richtigen Medikamenten kann sie noch lange und gut leben.

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