FSA bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

FSA bei Katzen

Kahle Stellen im Katzenfell sind ein zunehmendes Phänomen, das Katzenhalter häufig als Zeichen für Stress bei ihren Tieren deuten. Wir fragten Dr. med vet. Stefanie Peters, Fachärztin für Dermatologie.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
FSA bedeutet "feline selbstinduzierte Alopezie", Parasitenbefall ist die häufigste Ursache.

Die Ursache für kahle oder fast kahle Stellen ist meist intensives Lecken – wobei mithilfe der harten Papillen auf der Katzenzunge die Haare an betroffenen Stellen regelrecht epiliert werden. Allerdings lecken etwa neun von zehn Katzen sich die Haare heimlich aus. Die wichtigsten Ursachen für diesen Juckreiz sind Parasiten und Allergien, die Bedeutung psychogener Ursachen wird erfahrungsgemäß meist überschätzt.


Vor allem in früheren Jahren wurden bei Katzen solche haarlosen Stellen ohne offensichtlichen Juckreiz nicht selten als „hormonelle Störung“ interpretiert und dementsprechend behandelt: Die Gabe von Hormonen, meist Gestagenen, führte sogar bei vielen Tieren zu vorübergehendem Nachwachsen der Haare. Die wiederholte Behandlung mit Gestagenen ist allerdings unbefriedigend und führt zu mitunter gefährlichen Nebenwirkungen, sodass sie kaum noch durchgeführt wird. Heute wird dieses Krankheitsbild „feline selbstinduzierte Alopezie“ (FSA) genannt. Betroffen sind Katzen jeder Rasse und jeden Geschlechts im Alter von meist über einem Jahr. Je nach Intensität ihres Leckens und Haarezupfens reichen die Symptome von abgebrochenen, stoppeligen Haaren bis zu teilweisem oder vollständigem Haarverlust. Die kahlen oder haararmen Stellen finden sich grundsätzlich in Bereichen, die mit der Zunge erreicht werden können (Rücken, Bauch, Beine), während Kopf und Hals ausgespart bleiben.

Parasitenbefall ist die häufigste Ursache

In den meisten Fällen sind Parasiten die Ursache für Juckreiz – vor allem Flöhe und ansteckende Milben wie Cheyletiellen, Ohrmilben – auch außerhalb des Ohrs –, Herbstgrasmilben und Notoedres-Milben. Ihr Nachweis kann sich ausgesprochen schwierig gestalten, da Parasiten und ihre Eier durch das intensive Lecken aus dem Fell entfernt und abgeschluckt werden; sie finden sich dann eventuell bei der Untersuchung von Kotproben. Da diese Parasiten aber auch ansteckend für andere Tiere und mitunter auch für Menschen sind, kann über den Vorbericht häufig bereits ein entsprechender Verdacht geäußert werden.

Allergische Reaktionen auf Umweltallergene (Pollen, Hausstaub, Hausstaubmilben etc.) und auf Futterallergene stellen die nächstwichtigen Ursachen dar. Reaktionen auf Umweltallergene beginnen meist mit ein bis drei Jahren und sprechen i. d. R. gut auf die Behandlung mit Cortison an. Die Identifikation der auslösenden Allergene kann mithilfe eines Haut-Allergietests oder über einen Bluttest erfolgen. Sind die auslösenden Allergene bekannt, kann der Kontakt mit ihnen im Idealfall vermieden oder zumindest eingeschränkt werden; zudem ermöglicht die Allergenidentifikation eine allergenspezifische Desensibilisierung. Allergische Reaktionen auf Futterinhaltsstoffe können bei Katzen jeden Alters auftreten und richten sich fast immer gegen spezifische Eiweißstoffe. Diese (z. B. in Huhn, Milchprodukten, Fisch etc.) sind meist Bestandteile des Futters, das die Katze schon über lange Zeit gefressen hat. Sie sind auch – in unterschiedlicher Menge – im handelsüblichen Katzenfutter enthalten, sodass ein Wechsel von einer Futtersorte auf die andere nur in Ausnahmefällen zu einer Besserung führt.

Da bislang keine zuverlässigen Blut- oder Hauttests zur Diagnose einer „Futterallergie“ existieren, bleibt zum Feststellen, ob und worauf die Katze im Futter mit Juckreiz reagiert, nur die Durchführung einer so genannten Hypoallergendiät mit anschließender Provokation zur Identifikation des oder der Auslöser. Bei Katzen mit Freigang ist das allerdings oft nicht praktikabel. Eine echte hormonelle Störung vorwiegend alter Katzen, die sich auch in extrem gesteigertem Putzverhalten zeigt, ist die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion). Da diese Erkrankung aber eine Vielzahl gravierenderer Symptome zeigt, wird sie in der Regel schnell festgestellt. Viel seltenere Ursachen intensiven Leckens sind beispielsweise Schmerzen oder „Missempfindungen“ von Nerven nach Verletzungen oder Unfällen. Ob es auch eine rein psychogene Ursache gibt (Stress, Langeweile, neues Familienmitglied, neues Haustier etc.), ist schwierig zu beurteilen und wird auch unter Spezialisten unterschiedlich gesehen. Vermutlich liegt auch bei diesen Tieren eine organische Ursache zugrunde, die durch die psychische Belastung unverhältnismäßig verstärkt wird.

Als Nachweis reicht ein Mikroskop

Zum schnellen, billigen und zuverlässigen Nachweis der „selbstinduzierten Alopezie“ werden Haare aus dem betroffenen Bereich ausgezupft und unter dem Mikroskop untersucht. Bei hormonellen Störungen sehen die Haare normal aus und befinden sich in der Ruhephase des Wachstums, bei FSA sind die Haarspitzen durch das Belecken traumatisiert, also abgebrochen oder ausgefranst, und viele Haarwurzeln sind im aktiven Wachstumsstadium. Einige Informationen können schon helfen, aus den vielfältigen möglichen Ursachen die in diesem Fall wahrscheinlichsten herauszufiltern und zu überprüfen: Das Alter der Katze zu Beginn der Erkrankung, die Lebensgewohnheiten (Freigang?), das Verteilungsmuster der bearbeiteten Stellen und eine eventuelle Ansteckung anderer Haustiere und Menschen geben erste wertvolle Hinweise. Grundsätzlich sollten Parasiten ausgeschlossen bzw. erfolgreich therapiert worden sein, ehe man an die weitere Abklärung denkt, und alle organischen Ursachen ausgeschlossen sein, ehe eine psychogene Dermatose diagnostiziert werden kann. Die Gefahr eines Rückfalles nach erfolgreicher Therapie besteht praktisch immer: Neuansteckungen mit Parasiten sind jederzeit möglich, dagegen wird man nicht immun, und Allergien sind in der Regel nicht heilbar.

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