FORL bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

FORL bei Katzen

Zahnschmerzen quälen Katzen nicht weniger als uns, doch sieht man ihnen ihr Leid auf den ersten Blick häufig nicht an. Die Symptome für kranke Zähne sind in den meisten Fällen erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium von außen zu erkennen.
 
© Amanda Cotton / iStockphoto
Eine mögliche Spur für die Felinen odontoklastischen resorptiven Läsionen, kurz FORL, ist die Ernährung.
Aufmerksam sollte man werden, wenn die Katze, obwohl sie hungrig ist, zögerlich frisst, öfter Pausen während eines Mahls einlegt oder die Nahrung nur mit einer Kieferhälfte aufnimmt und kaut. Verstärkter Speichelfluss, Kopfschütteln, Schiefhalten des Kopfes, Zähneknirschen und häufiges Lecken über die Nase und Lippen können weitere Hinweise auf eine schmerzhafte Erkrankung der Zähne sein. Ursache Nummer eins für Zahnschmerzen ist Parodontitis, eine Entzündung des Zahnhalteapparats, die durch Zahnbeläge und Zahnstein ausgelöst wird. Am zweithäufigsten steckt jedoch eine Erkrankung der Zähne dahinter, die Tierärzten noch eine Menge Rätsel aufgibt: die Felinen odontoklastischen resorptiven Läsionen oder kurz FORL.

Der Körper greift sich selbst an

Bei FORL greift der Körper die eigenen Zähne an. Durch noch nicht aufgeklärte Fehlfunktionen des Organismus lösen spezielle Zellen, die Odontoklasten, die harte Zahnsubstanz auf. Meist beginnt der Prozess im Bereich des Zahnhalses oder an der Zahnwurzel. Dort entstehen Löcher, die immer tiefer in die Zahnwand reichen und größer werden. Da dieser Prozess immer weiter geht, wird der Zahn brühig und bricht schließlich auch ab. Die messerscharfen Abbruchkanten und –spitzen schneiden oder stechen in das Zahnfleisch, die Zunge und die Mundschleimhaut. Schmerzhafte Entzündungen und Gewebewucherungen sind die Folge. 25-40% aller Katzen sollen Schätzungen zufolge unter FORL leiden. Bei Katzen über fünf Jahren soll gar jede zweite von dieser Zahnkrankheit betroffen sein. Wie FORL genau entstehen, weiß man heute noch nicht. Man weiß allenfalls, was nicht die Ursache für die Krankheit ist. So haben Kariesbakterien, die beim Menschen die Verursacher von Löchern in den Zähnen sind, nichts mit FORL zu tun. Auch die früher in Verdacht geratene industrielle Fertignahrung ist unschuldig. Denn an Katzenschädeln aus dem Mittelalter wurden ebenso durch FORL verursachte Zahndefekte entdeckt wie bei wild lebenden Großkatzen. Tatsächlich schien eine Art Autoimmunkrankheit hinter FORL zu stecken. Es bedeutet, dass das körpereigene Abwehrsystem Körperzellen oder Gewebe angreift, anstatt sich gegen Krankheitserreger zu wenden oder Schadstoffe zu eliminieren. Autoimmunerkrankungen stellen die Wissenschaft trotz intensiver Forschung immer noch vor große Rätsel.

Parodontitis geht oft voraus

Bei FORL kennt man zumindest einige Faktoren, die den Ausbruch der Krankheit begünstigen. Ein Hauptrisikofaktor ist Parodontitis. „Die meisten  von FORL betroffenen Katzen leiden oder litten schon einmal unter Parodontitis“, so der Experte für Tierzahnheilkunde Dr. DR. Peter Fahrenkrug. Zur Vorbeugung von Parodontitis und damit auch von FORL empfiehlt der Experte eine konsequente Zahnhygiene, zu der (falls möglich!) das Putzen der Zähne, zahnfreundliche Katzennahrung, zahnpflegendes Kauspielzeug oder Kausnacks gehören, nicht zu vergessen die regelmäßige tierärztliche Untersuchung des Gebisses. Nach Fahrenkrug stellen auch Virusinfektionen, die das Immunsystem schwächen, einen Risikofaktor für die Entwicklung von FORL dar. Er empfiehlt daher einen kompletten Impfschutz – zumindest für Freigänger.

Eine mögliche Spur ist die Ernährung

Andere Experten sehen darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen der Entstehung von FORL und Störungen des Kalziumhaushaltes. Zu diesen Störungen kommt es entweder durch Fehlfunktionen des Hormonsystems oder durch eine unausgewogene, an Kalzium arme, aber an Phosphor reiche Ernährung – z.B. bei selbst zubereiteten, hauptsächlich auf Fleisch basierenden Mahlzeiten. Um eine ausgewogene Mahlzeit herzustellen, müssen die Grundzutaten Fleisch, Gemüse und Getreideprodukte im richtigen Verhältnis gemischt und in aller Regel mit einem Vitamin/Mineralstoffpräparat ergänzt werden. Das Mischungsverhältnis der einzelnen Zutaten hängt von deren Inhaltsstoffen und vom Bedarf der Katze ab. Wer also selbst für seinen Tiger kochen will, sollte sich  daher ausführlich von seinem Tierarzt über eine gesunde Katzenernährung beraten lassen.

Zahnstein unbedingt entfernen

Doch trotz sorgfältiger Zahnpflege, lückenlosem Impfschutz und vorbildlicher Ernährung können sich Zahnschäden entwickeln. Daher sollte man mindestens einmal jährlich die Zähne der Katze vom Tierarzt untersuchen lassen. Bei besonders anfälligen Tieren sollten Zahnchecks in kürzeren Abständen erfolgen. Vermutet der Tierarzt FORL, können Röntgenaufnahmen mehr Klarheit verschaffen. Zahnstein sollte regelmäßig entfernt werden, denn unter diesen harten Belägen können sich nicht nur bereits die ersten Löcher befinden  Zahnstein ist auch eine Ursache von Paradontitis, die ebenfalls zu Zahnverlust führen kann. Neben der unbedingt erforderlichen Paradontitisbehandlung gibt es auch verschiedene Behandlungsmethoden bei FORL. So können schützende Lacke aufgetragen oder die Löcher gefüllt werden. Doch häufig kann dadurch das Fortschreiten der Erkrankung nur verlangsamt werden. Daher sollte man sich vom Tierarzt beraten lassen, was individuell sinnvoll ist. Schwer geschädigte Zähne sollten in der Regel gezogen werden, um das Risiko des Zahnabbruchs zu umgehen. Das ist für die Katze weniger schlimm, als sich eventuell wochen- oder monatelang mit einer hartnäckigen und schmerzhaften Zahnfleischentzündung quälen zu müssen.

Zähneputzen Schritt für Schritt

Man kann Kätzchen durchaus ans Zähneputzen gewöhnen, wenn man behutsam und geduldig vorgeht. Der erste Schritt besteht darin, immer wieder einmal über Mäulchen und Lippen zu streicheln. Dann öffnet man ab und zu das Mäulchen. Sobald sich das Kätzchen das gefallen lässt, kann man mit den Fingerspitzen Zähne und Zahnfleisch vorsichtig massieren. Manche Katzen lassen sich schneller von dieser Massage überzeugen, wenn sie danach ein Leckerli erhalten. Am besten bindet man die Zahnpflege in ein Ritual ein, plant sie z.B. als festen Bestandteil in die abendliche Kuschelstunde ein. Die Zahn- und Zahnfleischmassage wird nun mit etwas spezieller Katzenzahnpasta auf den Fingern fortgesetzt. Diese speziellen Zahnpasten schmecken meist recht gut, und nun ist es oft gar nicht mehr so schwer, auch die Zahnbürste in das Massageprogramm einzuführen.

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