Epilepsie bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Epilepsie bei Katzen

Schaum vor dem Mund und heftige Krämpfe, die den ganzen Körper erfassen – dieses erschreckende Bild verbinden die meisten Menschen mit dem Begriff Epilepsie. Auch Katzen können darunter leiden.
 
© Zoe Yau / iStockphoto
Epilepsie ist nur eine Ursache für Anfälle, die mit Bewusstseinsstörungen und Krämpfen verbunden sind.
Ein klassischer Anfall besteht aus drei Stadien: Aura, Grand Mal (oder Iktus) und postiktaler Phase. Während der Aura, der „Vorbereitungsphase”, zeigt die Katze ein verändertes Wesen; sie verhält sich ungewöhnlich, aber nicht unbedingt auffällig. Beim eigentlichen Anfall oder dem Grand Mal stürzt das Tier urplötzlich, verliert das Bewusstsein und krampft. Eventuell sträubt sich sein Fell. Sehr oft speichelt die Katze stark und verliert Kot und Harn. Auch Kau- und Laufbewegungen kann man häufig beobachten. Solch ein Anfall dauert meist eine halbe bis zwei Minuten. Bei länger andauernden Anfällen sollten Sie sofort Ihren Tierarzt verständigen.

Bei einem Anfall Ruhe bewahren

Während eines Anfalls sollten Sie vor allem ruhig bleiben. Hektische Bewegungen, laute Geräusche oder auch Festhalten können den Anfall verstärken. Fassen Sie die Katze nicht an, schützen Sie sie aber vor Verletzungen, indem Sie gefährliche Gegenstände beiseite räumen oder abpolstern. Wenn sich ein Anfall ankündigt, sollten Sie die Katze in einem sicheren Raum einsperren. Die Nachanfalls- oder postiktale Phase ist unterschiedlich lang. Katzen können noch Stunden nach einem Anfall benommen, desorientiert, aggressiv oder ängstlich wirken. Bewegungsstörungen und abnormer Hunger treten in dieser Zeit regelmäßig auf. Bei Katzen ist allerdings der klassische generalisierte epileptische Anfall selten. Sie leiden häufiger unter so genannten partiellen Anfällen, die zum Teil schwer -deutbare Symptome auslösen. Dazu gehören Muskelzuckungen, Krämpfe einzelner Muskelgruppen, Schnappen nach eingebildeten Fliegen, Rennanfälle, Sehstörungen, glasiger Blick – ja sogar Juckreiz kann ein Hinweis auf diese Form der Epilepsie sein. Doch so harmlos manche dieser Symptome scheinen, sie sind es nicht – denn sie alle können zu einem Status epilepticus führen, einem nicht aufhörenden Anfall oder dicht aufeinander folgenden Anfälle, die das Gehirn nachhaltig schädigen können. Daher ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem Tierarzt sprechen, wenn Sie bei Ihrer Katze Epilepsie vermuten. Am besten filmen Sie das Verhalten Ihrer Katze während eines Anfalls und zeigen ihm die Aufnahmen.

Die Nerven entladen sich plötzlich

Epilepsie ist eine Funktionsstörung des Gehirns, bei der sich die Nerven unkontrolliert entladen. Dieses „Gewitter im Gehirn” beeinträchtigt die Wahrnehmung der Außenwelt, trübt das Bewusstsein und nimmt dem Tier die Kontrolle über Teile oder seinen ganzen Körper. Man unterscheidet die primäre oder idiopathische Epilepsie von der sekundären Form. Idiopathisch heißt, dass man die Ursache für die Anfälle nicht kennt, wohingegen bei der sekundären Epilepsie Krankheiten innerhalb oder außerhalb des Gehirns die Anfälle verursachen. In diesen Fällen hören mit der erfolgreichen Behandlung der Grunderkrankung auch die Anfälle auf. Tatsächlich muss der Tierarzt durch Untersuchungen erst alle anderen Faktoren ausschließen, bevor er die Diagnose primäre Epilepsie stellen kann. Denn es gibt noch keinen direkten „Epilepsie-Test.” Eine idiopathische primäre Epilepsie ist unheilbar, ist in vielen Fällen aber durch so genannte Anti-Epileptika in den Griff zu bekommen. Bei der Katze kommen vor allem Phenobarbital, Kaliumbromid und im Notfall Diazepam zum Einsatz. Sie unterdrücken die unkontrollierte Nervenaktivität. Allerdings dauert es meist eine Weile, bis der Tierarzt die richtige Wirkstoffkombination und Dosierung für die Katze ermittelt hat. Das ist wegen der schweren Nebenwirkungen (z.B. Leberschäden), die die Medikamente haben können, besonders wichtig. Zu Beginn der Therapie sind die Tiere häufig müde und lustlos. Doch das hört meist nach zwei bis drei Wochen wieder auf.

Experimente schaden dem Patienten

Wenn Sie mit der Behandlung unzufrieden sind, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt oder konsultieren Sie einen zweiten, aber handeln Sie nicht eigenmächtig. Das Absetzen der Medikamente könnte einen schweren Anfall provozieren. Empfehlenswert ist das Führen eines Epilepsie-Tagebuchs, in dem Sie die Dauer und Stärke eines Anfalls festhalten sowie seine Begleitumstände und seine Vorboten. Eventuell kommen Sie so auslösenden Faktoren, z.B. bestimmten Geräuschen, auf die Spur. Diese Faktoren können Sie dann ausschalten oder reduzieren. Dies heilt die Katze zwar nicht, kann aber die Anfallshäufigkeit vermindern. Das Registrieren der ersten Anzeichen bzw. der Vorboten hilft Ihnen, einen drohenden Anfall rechtzeitig zu erkennen und Vorsichtsmaßnahmen, z.B. Einsperren, zu ergreifen.

Ursachen für Krampfanfälle

Epilepsie ist nur eine Ursache für Anfälle, die mit Bewusstseinsstörungen und Krämpfen verbunden sind. Sehr viel häufiger sind diese Symptome die Folge einer anderen Erkrankung, wie z. B: Schlaganfall, Verletzungen des Gehirns, altersbedingte Gehirnveränderungen, Tumore, angeborene Missbildungen des Gehirns, Infektionen: z. B. FIP, FIV, Bakterien, Leberschäden, Nierenschäden, Unterzuckerung, Sauerstoffmangel oder Kalziumunterversorgung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren