Blasenentzündung bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin
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Blasenentzündung bei Katzen

Drei Jahre lang wurde Leos Blasenentzündung ohne langfristigen Erfolg mit Antibiotika behandelt. Heute hat sein Frauchen das Problem im Griff. Schuld sind nämlich nicht Bakterien, sondern Stress.
 
© Bulent Ince / iStockphoto
Die Diagnose Feline Idiopathische Cystitis kann man in der Regel nur durch Ausschlussverfahren stellen.
Ein abweisendes „Brr“ war die Reaktion, als ich Leos Blase abtasten wollte. Der Kater versuchte, sich aus meinen Armen zu winden, da ihm die Untersuchung offensichtlich unangenehm war. Leo und seine Besitzerin sind eher zufällig bei mir gelandet, da ich die Tierärztin von Leos Nachbarin bin. Leo war bereits ein erwachsener Kater, als er von den Nachbarn zu Familie B. auswanderte und dort ein neues Zuhause fand. Bisher war er unauffällig, ging im Garten auf Streifzüge, kam aber immer wieder schnell nach Hause, um zu schauen, ob dort noch alles seine Ordnung hat. Nur die Katzentoilette wollte er daheim nicht mehr benutzen. Wie viele Freiläufer bevorzugt Leo „Naturtoiletten“.

Die Besserung war von kurzer Dauer

Deshalb fiel Familie B. auch gar nicht auf, dass er Probleme mit dem Urinabsatz hatte. Erst der Nachbar machte sie darauf aufmerksam, dass Leo eines Herbstes plötzlich rot auf seine Blumen markierte. Sobald der erste Schnee lag, wurde dies  noch deutlicher, denn nun sahen seine Besitzer plötzlich rötliche Tropfen im Schnee. Beim Tierarzt wurde eine Blasenentzündung diagnostiziert und ein Antibiotikum verabreicht. Die Besserung war aber leider nur von kurzer Dauer. Bereits wenige Wochen später musste Leo erneut zum Tierarzt. Inzwischen war es richtig Winter geworden, und der rote Kater ging fast nur noch zum Toilettenbesuch nach draußen. Wobei eine Außentoilette bei einer Blasenentzündung sehr unangenehm und umständlich ist, da auch Katzen bei Blasenentzündung einen ständigen Harndrang verspüren. Ganz schlimm war es, wenn Leo noch dazu einen anderen Kater in seinem Garten entdeckte und sich nicht mehr vor die Tür traute. An so einem Tag fand Frau B. eine Lacke mit blutigem Urin im Bad.

So zog sich das über drei Jahre. Pünktlich bei Herbstbeginn begann Leo rötlichen Urin auf Nachbars Blumen abzusetzen, und die regelmäßigen Besuche beim Tierarzt mit Antibiotikumgaben brachten nur kurzfristigen Erfolg. Und nun saß er mehr oder weniger glücklich auf  meinem Behandlungstisch. Leo ist ein wunderschöner roter Kater, und abgesehen von seinem Harnabsatzproblem war er völlig gesund. Die Blase war wie erwartet weitgehend leer, aber es gelang mir, etwas Urin zu bekommen. Mittels eines Teststreifens kann man sofort erkennen, ob Blut im Urin ist. Dies war bei Leo der Fall. Außerdem war vermehrt Eiweiß im Urin. Eine bakteriologische Untersuchung zeigte, dass der Urin steril war, also keine Bakterien zu finden waren. Weder im Urin noch in der Ultraschalluntersuchung fanden sich Harnkristalle. Vor allem Kater haben oft Probleme mit dem Urinabsatz, wenn sich in der Blase Kristalle bilden und im schlimmsten Fall die Harnröhre verstopfen. Leo hatte aber zum Glück keine Kristalle im Urin. Deshalb lautete meine Diagnose: Idiopathische Cystitis.

Diagnose dank Ausschlussverfahren

Die Diagnose Feline Idiopathische Cystitis kann man in der Regel nur durch Ausschlussverfahren stellen. Wie in Leos Fall, bei dem andere Möglichkeiten für seinen veränderten Harnabsatz auszuschließen waren. FIC ist eine sehr schmerzhafte, aber kurzfristige Erkrankung. Die Schmerzanzeichen verschwinden meist von selbst nach einigen Tagen. Es handelt sich um eine psychosomatische Erkrankung bei Katzen; man vermutet, dass es aufgrund von Stress zu einer Entzündung der Blasenwand kommt. Die betroffenen Katzen setzen sehr häufig kleine Harnmengen ab und wechseln häufig die Toilettenplätze. Letzteres, weil man einen Toilettenplatz, an dem der Urinabsatz schmerzhaft war, nicht gleich wieder aufsuchen möchte. Wichtig bei der Therapie ist, sowohl die psychische als auch die körperliche Komponente zu berücksichtigen. Da keine bakterielle Infektion vorlag, konnte ich bei Leo auf weitere Antibiotikagaben verzichten. Leo bekam ein starkes Schmerzmittel, ein so genanntes Nichtsteroidales Antiphlogistikum, das entzündungshemmend auf die Blasenwand wirkt. Zusätzlich stellen die Besitzer mehrere Katzentoiletten im Haus auf, sodass Leo auch daheim mehrere Möglichkeiten hatte.

Ein Nachbarskater als Stressauslöser

Als Stressauslöser hatten wir den Verdacht, dass Leo mit der Anwesenheit des Nachbarskaters nicht zurechtkam. Und ganz offensichtlich hasst er kaltes Wetter, ganz besonders Schnee. Während Leo im Sommer noch einigermaßen mit der Anwesenheit des anderen Katers leben konnte, genügte der zusätzliche Stressfaktor „kaltes Wetter“, damit er aus dem Gleichgewicht kam. Um ihm dabei etwas zu helfen, setzte ich einen Feliway®-Zerstäuber für die Steckdose ein. Feliway® sind synthetisch hergestellte Pheromone. Pheromone sind Botenstoffe, die viele Säugetiere abgeben und von anderen Individuen dieser Art unbewusst wahrgenommen werden. Wir sagen ja nicht umsonst „Das kann ich gut riechen“. Mit dem Pheromon, das in Feliway® enthalten ist, markieren Katzen ihre vertraute Umgebung (Köpfchen geben). Wenn sie selbst diese Markierung wieder unbewusst wahrnehmen, gibt es ihnen ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit.

Bei Leo kam also das künstlich hergestellte Pheromon aus einem Zerstäuber in der Steckdose im Wohnzimmer, damit er noch immer das Gefühl bekam „Hier bin ich zu Hause, hier geht es mit gut und ich bin sicher“. Und tatsächlich, Leos Anfälle wurden seltener. Die Toiletten im Haus wollte er zwar nur im allerhöchsten Notfall benutzen, aber seine Besitzerin berichtete, dass er ruhiger wurde. Wir gingen dazu über, dass Frau B. immer das Schmerzmittel im Haus hatte und Leo beim ersten Anzeichen einer Blasenentzündung geben konnte. Somit erreichten wir, dass Leo nur noch selten ausgeprägte Anfälle bekommt und im Winter meistens zufrieden schnurrend am Fensterbrett liegt.

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