Altersdemenz bei Katzen | GELIEBTE KATZE Magazin

Altersdemenz bei Katzen

Ein umsorgtes und beschütztes Leben, ausgewogenes Futter eine immer besser werdende medizinische Versorgung haben in den letzten 30 Jahren auch die durchschnittliche Lebenserwartung von Hauskatzen um mehrere Jahre gesteigert.
 
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Würdevoll altern mit Medizin und Hilfe.
Gab man früher einer Dorfkatze, die regelmäßig Junge zur Welt brachte, eine Lebensspanne von gerade sieben Jahren, signalisiert das gleiche Alter heute bei kastrierten Stubentigern nicht mal die Lebensmitte. Wer heute Freundschaft mit einer Katze schließt, kann sich darauf freuen gemeinsam mit ihr 15 oder 20 Jahre zu verbringen (es sind auch schon Katzen dokumentiert, die über 30 Jahre alt wurden).
Lange sah es so aus, als wäre dies für Katzen ausschließlich positiv, bis Tierärzte und Forscher feststellten, dass Katzen mit ihrem höheren Lebensalter auch all jene Gesundheitsprobleme bekommen, die menschlichen Senioren das Leben schwerer machen: angefangen von nachlassendem Seh- und Hörvermögen über Diabetes, Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion etc. bis zu Demenzerkrankungen.

Nicht warten, bis es ernst wird

Im Dezember letzten Jahres wiesen Forscher der Universität von Edinburgh bei Katzen mit neurologischen Störungen Beta-Amyloide nach, die gleichen Eiweißstoffe, die bei Menschen mit Alzheimer die Signalübertragung im Horn stören. Es gibt Studien, die vermuten, dass jede zweite Hauskatze, die älter als 15 Jahre ist, altersbedingte Verhaltensstörungen in irgendeiner Form zeigt.
Aber Altersdemenz ist für die Katze kein unabwendbares Schicksal. Auch in dieser Richtung ist in der Medizinforschung in den letzten Jahren viel erreicht worden. Eine festgestellt Demenz kann nicht völlig aufgehalten werden, aber sie kann mit Hilfe von Medikamenten, Nahrungsergänzungen, die darauf abzielen, die Hirnzellen zu schützen, sowie gezieltem „Gehirnjogging“ fast immer verlangsamt werden! Je früher eine Katze in Behandlung kommt, desto besser ist es für sie.

Demenz kommt nur selten allein

Wie äußert sich Demenz bei einer Katze? Die häufigsten Symptome von Demenz bei einer Katze sind nach Dr. med. vet. Schroll:
  • Nächtliches Schreien, manchmal auch tagsüber
  • Unsauberkeit (oft auch aufgrund von Schmerzen)
  • Verwirrtheit und Desorientiertheit
  • Planloses Umherwandeln
  • Verlieren von Bezug zum Zeit-Raum-System. Wenn die Katze schläft und aufwacht, braucht sie ganz lange, bis sie weiß, wer sie ist, wo sie ist und was sie da wollte
  • Im Mehrkatzenhaushalt kann es auch plötzlich soziale Probleme geben. Auslöser dafür können u.a. Schmerz sein oder beeinträchtigte Kommunikation
  • Manche Katzen zeigen auch Symptome einer Depression

„Insgesamt werden sie unflexibler, reizbarer und eventuell auch ängstlicher“

Eine Katze mit Symptomen einer Demenz gehört unbedingt in tierärztliche Behandlung, denn: „In aller Regel sind mit der Demenz auch andere körperliche Störungen verbunden, und eines beeinflusst natürlich das andere. Der erste Schritt muss deshalb immer ein ganz genauer Check-Up sein – auf jeden Fall mit Schilddrüsenwerten und den restlichen wichtigen Organprofilen (Niere, Leber, Pankreas – Blutdruck messen). Außerdem ganz wichtig: Schmerzen ausschließen. Sehr viele alte Katzen haben Gelenkschmerzen, die sich nicht oder nur sehr subtil zeigen. Der Leidensdruck ist aber dennoch enorm!“

Würdevoll altern mit Medizin und Hilfe

Neben einem Tierarzt brauchen solche Katzen auch einen verständnis- und rücksichtsvollen Menschen, der sie mit viel Geduld intensiv unterstützt. Abwechslung, Spielideen, die die Katze nicht körperlich überanstrengen, aber von ihr „Köpfchen“ fordern (wie z.B. Clickertraining), sind jetzt hilfreich. Gleichzeitig sollte der Tagesablauf eine feste Struktur erhalten, falls er sie bisher nicht schon hat. Katzen fühlen sich sicher in einer verlässlichen Ordnung.

Kleine Gesten machen viel aus

Wechseln Sie das hohe, gedeckelte Katzenklo gegen flache Schalen, noch bevor es „Unfälle“ gibt, sorgen Sie für Abwechslungsreiches Futter, animieren Sie Ihre Katze zum Fressen, sorgen Sie für warme, leicht erreichbare Lieblingsplätze, sagen Sie Ihren Kindern, dass die Katze beim Schlafen nicht mehr gestört werden darf. Akzeptieren Sie, dass Ihre Freilaufkatze nicht mehr hinaus will. „Sie haben kein Interesse mehr an Freilauf, wenn sie einmal da angelangt sind. Sie liegen eher in der Sonne und schlafen, schlafen, schlafen.“

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