Jux und Tollerei gehören zum Katzen-Alltag | GELIEBTE KATZE Magazin
Haltung

Jux und Tollerei gehören zum Katzen-Alltag

Katzen sind wahre Meister im Spielen. Lilly weiß, wie man die Schlafzimmer-Stehlampe aus- und einschaltet, Murkel benutzt das WC seiner Menschen, als ob das das Normalste auf der Welt wäre, und Kläuschen bedient sich gleich selbst aus dem Kühlschrank, wenn ihn der Hunger überkommt.
 
Spielend lernen Katzen © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Spielen ist wichtig für das Sozialverhalten
Zum Leidwesen seiner Menschen versteht sich der Kater nicht nur auf das Öffnen der Tür zum Kühlschrank, sondern beherrscht die Technik im gesamten Haus. Dabei fing alles ganz harmlos an, als Kinderspiel eben. Es wurde gehopst und getatzt, untersucht, ausprobiert und experimentiert, manches ging schief, anderes klappte, durch unermüdliches Spielen und Trainieren wurden Geschicklichkeit und Tempo gesteigert. Und auf einmal hatten die Kätzchen spielend gelernt, was sie bei ihren zweibeinigen Mitbewohnern beobachtet hatten, und konnten das „Begriffene“ auch sinnvoll einsetzen: den Schalter, die Spülung, die Klinke. Auch wenn nicht jedes Mal am Ende solche meisterhaften Resultate stehen, so sind doch alle Katzen wahre Meister im Spielen. An die sechs Stunden tollen Katzenkinder herum, Halbstarke gönnen sich vier bis fünf Spielstunden täglich, und selbst für ältere Semester gilt noch: Ein bisschen Spaß muss sein.
Ein starkes Motiv. „Katzen empfinden bei all dem ein ganz ähnliches, vergleichbares Vergnügen wie wir“, ist Katzenforscher Paul Leyhausen überzeugt. Und schon der Verhaltensbiologe Konrad Lorenz hat betont, dass die Ausführung von Instinktbewegungen lustbetont ist. Nichts anderes kommt beim Spielen aber zum Einsatz: angeborene Bewegungsabläufe aus dem kätzischen Verhaltensrepertoire wie Beutefang-, Kampf- oder Fluchtverhalten. Lust, gepaart mit Lebensfreude, als Motor für die heitere Ausgelassenheit von jungen und alten Kindsköpfen. Anders wäre Spielen ja auch ganz schön langweilig. Was sich in Katzenkreisen so alles abspielt, hat Professor Leyhausen gründlich studiert. „Oft kann man beobachten, wie Katzen eine bereits getötete Beute in hohen Sprüngen umtanzen oder über sie hinwegspringen. Sie tun das vor allem, wenn sie eine starke Beute nach längerem Kampf überwältigt haben. Wie schon erwähnt, fürchten Katzen ihre Beutetiere immer ein wenig, umso mehr, je größer und wehrhafter diese sind. Die so entstehende innere Spannung macht sich dann nach dem Sieg in den merkwürdigsten Kapriolen Luft. „Erleichterungsspiel“ nennt Paul Leyhausen dieses ausgeflippte Verhalten und vergleicht es mit einer Siegesfeier.


Spielen als Ventil

Zur körperlichen Ertüchtigung dient das stundenlange Muskel-Spielen-Lassen, eine der Voraussetzungen, dass Katzen ihrer Berufung als Jäger wehrhafter Beute nachgehen können, auch wenn ihnen der Mensch das Mäusefangen längst abgenommen hat. Meist freut sich der Zuschauer über die übermütigen Verrenkungen, wenn die Katze mit schnellen Tatzenschlägen irgendein Objekt über den Boden treibt, es in die Luft schleudert, um gleich danach zu springen, es mit beiden Tatzen ergreift und sich dabei überschlägt. Und kaum jemandem ist bewusst, dass dieses tolle Spiel der Ausdruck einer viel zu lange aufgestauten Jagdlust ist. Wenn Stubentiger aber kein Ventil für ihren Jagdtrieb haben, ihr Spielverhalten nicht ausleben können, dann treten Aggressionen auf, nicht zuletzt gegen den zweibeinigen Partner. Dagegen hilft nur: spielen und noch mal spielen.


Spiel ist wichtig für das Sozialverhalten

Wie wichtig das Spielverhalten einer Jungkatze für das spätere soziale Verhalten ist, haben Feldstudien von Rosemarie Schär ergeben. Eine Katze, die ohne Spielkameraden aufwächst oder immer wieder von erwachsenen Tieren zurückgewiesen wird, gibt es irgendwann auf, Kontakte zu suchen, hat die Katzenexpertin herausgefunden. Anders das Kätzchen, das mit seinesgleichen oder in einer Gruppe, „in der die erwachsenen Katzen häufige positive Interaktionen miteinander haben“, groß wird. Es wird in seiner Kontaktaufnahme positiv bestärkt und entwickelt sich zu einem geselligen Wesen.


Spielend lernen und trainieren

Zeitverschwendung kann Spielen also nicht sein. Aber warum muss denn gleich so übertrieben werden? Zumindest ist es Energievergeudung, gefährlicher als nützlich, so die Meinung einiger Spielverderber. Schließlich könnte der Nachwuchs auch ernsthaft üben, was er später fürs Leben braucht. Denn im Unterschied zum „normalen Verhalten“ sind beim Spielen die einzelnen Bewegungselemente verstärkt, übertrieben, oft nur bruchstückhaft ausgeführt und eben darum keineswegs wirtschaftlich hinsichtlich des Energieverbrauchs. Der britische Verhaltensforscher Desmond Morris aber vermutet hier ein Signal für die Mitkatzen. Demnach trainieren Jungtiere unermüdlich ihre Muskeln, üben wichtige Bewegungsabläufe für die Jagd und die Auseinandersetzung mit den Rivalen ein, lernen spielend Katzenmanieren – sorgen aber gleichzeitig dafür, dass ihre Verhaltensweisen nicht falsch verstanden werden. Durch ihre Übertreibungen machen sie jedem klar: Das hier ist nur eine Probe. Und beruhigen so Mutter, Tanten und Spielkameraden. Die Alten müssen beim Anblick der raufenden Sprösslinge nicht schützend eingreifen, und ebenso sicher erkennen die Kumpels, dass der Angriff keinesfalls ernst gemeint ist. So können sie im Wechsel des Rollenspiels miteinander ganz freundschaftlich üben, was eigentlich ein feindliches Verhalten ist. Keine vergeudete Energie also. Im Gegenteil: Spielend kommt Katz in jedem Fall besser über die Runden.


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